Abenteuer Abo: Die unübersichtliche Preispolitik von Sky Deutschland

Wer sich für Golf interessiert und auf dem Land lebt, wo die Internetgeschwindigkeit noch in Kilobyte statt Megabyte gemessen wird, kommt an Sky Deutschland nicht vorbei. Entsprechend muss man sich auch den Vertrags-Bedingungen des Golf-Monopolisten beugen, doch die sind so unübersichtlich wie nie zuvor. So findet sich auf der offiziellen Seite ein Preis von 55,90 Euro für das Sky-Gesamtpaket – wer nur Golf sehen will, kommt derzeit mit 33,90 Euro für das Sport-Paket aus (um das Ganze hochauflösend zu bekommen muss man noch einmal zehn Euro mehr löhnen), dafür gibt es als Leckerli noch 12 Monate lang ein weiteres Paket gratis.

Doch wer diese Preise wirklich zahlt, dem ist nicht zu helfen. Seit Jahren schon ködert Sky Kunden mit zeitlich befristeten Angeboten, gestaffelten Rabatten und allerlei weiterem Schnickschnack, der dazu führt, dass es keine nachvollziehbare, einheitliche Preisstruktur gibt. Wenn man sich mit jemandem unterhält, der genau das gleiche Leistungspaket abgeschlossen hat wie man selber, ist die Wahrscheinlichkeit äußerst groß, dass die monatliche Kontoabbuchung unterschiedlich hoch ist. Denn auf ihrer verzweifelten Suche nach höheren Abonnenten-Zahlen hat Sky anscheinend die Devise ausgegeben: „Jeder darf das bezahlen, was er will“. Der einzige Fallstrick für den Kunden sind dabei die Vertragslaufzeiten. Denn wer nicht rechtzeitig zwei Monate vor Ablauf kündigt, muss plötzlich für das identische Angebot fast das Doppelte zahlen. Aus diesem Grund hat die Sky-Abozentrale jahrein, jahraus Hochkonjunktur. Ein Geschäft, das teilweise seltsame Blüten treibt, wie ich diese Wochen erleben musste, als meine alljährliche Kündigung an Sky raus ging – ein Beispiel, das sicherlich kein Einzelfall ist.

Kaum war die Kündigung herausgegangen, flatterte auch schon der erste Brief von Sky ins Haus. Man bedaure sehr, mich als Kunden zu verlieren und wollte wissen ob ich denn wirklich auf die vielen Highlights verzichten möchte, die der Sender zu bieten habe. Man könne mir auch ein wirklich attraktives Angebot machen: Für nur 45 Euro im Monat könnte ich das gesamte Sky-Angebot mein Eigen nennen. Ein Brief, der nur eine Reaktion erlaubte: ab ins Altpapier damit.

In den kommenden Wochen häuften sich dann die Anrufe in Abwesenheit von einer mir unbekannten Nummer, die – wie sich herausstellte als man mich zu Hause antraf – dem Kundenservice von Sky gehörte. Warum ich denn gekündigt hätte? Ich erklärte der Dame also, dass ich Sky zwar interessant finde, aber nur bis zu einem gewissen Preis. Wenn Sie mir also ein Angebot im Rahmen meines bisherigen Vertrages machen könnte, würde ich vielleicht wieder zusagen. Und siehe da: Rein zufällig hatte sie gerade so ein Angebot parat. Für 32 Euro pro Monat könnte ich zwei Pakete incl. HD bekommen. Damit traf sie so ziemlich genau meine Schmerzgrenze und da ich – was Sky natürlich nicht wissen sollte – schweren Herzens auf meine zweite Sport-Leidenschaft American Football verzichten wollte, sagte ich zu. Man würde mir den neuen Vertrag dann noch schriftlich bestätigen, turtelte die glückliche Dame und wir verabschiedeten uns in den Sonnenuntergang.

Der Brief kam und mein Vertrag wurde bestätigt – zu einem Preis von 37 Euro im Monat. Also wieder die Kurzwahltaste zum Vorzimmer des Himmels betätigt und Petrus dem Sky-Mitarbeiter die Ohren gewaschen. Seine Ausrede: der mir genannte Preis sei der ohne HD gewesen, da habe die Kollegin wohl etwas durcheinander gebracht. Was solle er denn jetzt für mich vermerken? 32 Euro ohne oder 37 Euro mit HD? Nach einem tiefen Atemzug wegen so viel Dreistigkeit forderte ich den Herren auf, meine Kündigung wieder in Stand zu setzen. Seine Antwort: „Das ginge nicht, das müsste ich schon schriftlich machen“. Immerhin gestand er mir zu, Portokosten zu sparen und dies per mail zu machen. Das tat ich dann auch.

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit widerrufe ich die Vertragsverlängerung vom 16.8. für meinen Vertrag.

Grund ist, dass sie mir am Telefon eine andere Vertragssumme genannt haben als dieses jetzt in der schriftlichen Bestätigung steht. Meiner Meinung nach eine bodenlose Frechheit, so zu versuchen Kunden in einen höheren Vertrag zu tricksen.

Wenn man dann noch bedenkt, dass Sie im Juli noch anderen Kunden deutlich günstigere Angebote für zwei Pakete inkl. HD gemacht haben (für 24,90 im Monat) war mein Zugeständnis für 31,90 im Monat noch sehr großzügig. Nun aber 36,90 Euro zu verlangen, ist schon dreist.

Mit freundlichen Grüßen

Was dann folgte, überraschte aber selbst mich. Meine heimliche Erwartung war, dass Sky mir nach schriftlicher Bestätigung der Kündigung (die folgte), ein neues Angebot machen würde in dem sie mir plötzlich doch für 31,90 Euro die gewählten Pakete anbieten. Und tatsächlich flatterte mir pünktlich gut zwei Wochen vor Vertragsende ein neuer Brief mit dem Sky-Logo ins Haus. Doch darin bot man mir nicht etwa das Paket für die 31,90 Euro an, die ich ihnen schon zugesagt hatte und die man mir vor 14 Tagen trotz des eigenen Fehlers partout nicht zugestehen wollte. Nein, tatsächlich bot man mir das identische Paket auf einmal für 24,90 Euro im Monat an.

Eine Geschichte mit Happy-End also. Zumindest für mich. Aber es zeigt doch sehr deutlich, wie perfide und unübersichtlich die Abo-Politik von Sky Deutschland ist. Denn dass viele Menschen Sky nicht zu diesen Preisen bekommen, sieht man daran, dass im zweiten Quartal 2012 der durchschnittliche Umsatz pro Kunde bei 32,16 Euro lag. Natürlich ist jeder selber daran Schuld, wenn er seine Tüte Chips bei der Tankstelle statt im Großmarkt kauft und für das identische Produkt einen deutlichen Aufpreis hinnehmen muss. Aber wer an der Tankstelle kauft, weiß in der Regel, dass er einen zu hohen Preis zahlt. Wer bei Sky ein Abo zu dem Preis abschließt, der auf der Homepage angeboten wird, weiß nicht, dass das Gleiche anderen Kunden zu Dumpingpreisen angeboten wird. Ganz zu schweigen davon, dass man an der Tankstelle nicht nach zwölf Monaten gezwungen wird ab sofort einen höheren Preis zu zahlen, wenn man die leere Chipstüte nicht zurück bringt.

Es braucht daher nicht viel Fantasie um zu vermuten, dass der hohe Umsatz pro Kunde bei Sky zum Teil dadurch entsteht, dass Menschen einfach vergessen ihr Abonnement zu kündigen und dadurch nach 12 Monaten einen deutlich höheren Preis bezahlen. Man kann also nur jedem raten, entweder den Kündigungstermin in den Kalender einzutragen oder sofort nach Abschluss des Abos eine Kündigung zu dem Zeitpunkt herauszuschicken an dem sich das Abo verteuert. Und auch wer aktuell freiwillig den vollen Preis zahlt, sollte kündigen und ein wenig Geduld bei den Rückholangeboten zeigen – denn für die Ersparnis kann man jeden Monat mal locker ein 3er-Sleeve Pro V1-Bälle verschlagen. Und mal ehrlich: Wer uns mit Carlo Knauss und Irek Myskow als Kommentatoren belästigt, hat es auch nicht verdient, dass wir den vollen Preis zahlen.

Fortsetzung folgt in zwölf Monaten…

6 Comments

  • Andreas Spengler sagt:

    Das Problem bei sky ist einfach, dass es anscheinend mehrere unabhängig voneinander agierende Rückhol-Call-Center gibt – an genau ein solches bist Du geraten. Da geht eigentlich kaum ein Anruf ohne Missverständnisse, Fehlinformationen, etc. pp. durch…

    Das, was in dem Brief als Rückholpreis steht, sind derzeit die Standard-Konditionen (24,90€ für zwei Pakete + HD, 34,90€ für sky komplett + HD).

    Deinem Fazit stimme ich aber uneingeschränkt zu: wer den Vollpreis zahlt, dem ist nicht mehr zu helfen…

  • Rob sagt:

    Sky lebt scheinbar von allen, denen es nicht gelingt, rechtzeitig zu kündigen.
    Dabei ist es einfach: Nach 4-6 Monaten online kündigen (klapp hervorragend), kurz vor dem Ende (nicht zu früh auf Angebote reagieren) mit einem Mitarbeiter sprechen (die rufen sogar freundlich an) und das aktuelle, immer günstigere Angebot annehmen.

    Bei uns Ende August: 19,90 € für Sport (+ Welt) und HD (!). Also auch mit einem guten Bundesliga-Angebot auf HD.

    Laufzeit und Gültigkeit für den Preis 12 Monate.

    Also geht in 4 Monaten wieder die Kündigung raus und das Spiel beginnt von vorne.

    Wer das nicht hinkriegt, ist selber Schuld.
    Dass Sky Geld verdienen will und muss, braucht man nicht zum Vorwurf machen, so läuft das hier…

  • HUBY sagt:

    Moin,

    ich habe auch gerade gekündigt.

    Erstes Angebot von SKY 19,95 € bis November, dann wieder 50 € !

    Dann warte ich mal die nächsten Anrufe ab.

    Cheers

  • littlefox sagt:

    Das entspricht genau meinen Erfahrungen, mit den beiden Ausnahmen, dass mein 1. telefonisches Angebot komplett 24,95 betrug und mit Schreiben ein Kombipreis 33,95(6 Monate) und danach voller Preis bestätigt wurde.
    Natürlich wurde die Kündigung wieder eingesetzt.
    Auf das (mein) Happy End warte ich jetzt, mein Vertrag läuft noch 2 Monate.

  • Ulricus sagt:

    in der Werbepause der im Internet verfolgten Übertragung eines European PGA Turniers aus Italien warb Sky ganz simpel bei den Italienern mit einem Tarif von € 9,95 für Golf. Gut, das war 2011, aber seitdem warte ich, bis die Einsicht in deutsche Sky-Köppe einzieht, dass sie uns nicht für blöd verkaufen können. Solange sehe ich Golf im Internet trotz all der Handicaps mit den Streams. Mir ist es ehrlich nicht mehr als € 10 monatlich Wert, Golf im TV live zu erleben!

  • Steffen sagt:

    Bei Abschluss des Kompletpaketes zum Sparpreis Von 34,90 € im Monat sagtr mir der Verkäufer
    Sogar daß ich vor Ablauf der Zeit kündigen sollte um ein besseres oder gleichwertig
    Neueres Angebot von Sky zu bekommen. Ich frage mich warum Sky nicht ein moderates und stabiles System einführt.
    Aber diese Preispolitik muss man wirklich nicht verstehen. Und wer sich dies nicht leisten kann sollte es zudem eh lassen.

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