Adventures in Regelkunde

Normalerweise sind die Profis auf den weltweiten Touren recht regelfest. Oder zumindest wissen sie genau, wann sie einen Offiziellen rufen müssen, um ein Problem zu klären. Am vergangenen Wochenende gab es jedoch gleich zwei Vorfälle, die für Diskussionen gesorgt haben. Der eine brachte gleich zwei Spielern die Disqualifikation ein, der andere kostete die Betroffene knapp 90.000 Dollar.

Das verloren gegangene Preisgeld kann Michelle Wie verschmerzen, schließlich hat sie gerade erst einen millionenschweren Werbevertrag mit McDonald’s abgeschlossen. Viel schwere wiegt, dass sie immer mehr den Ruf bekommt, eine Serien-Regelbrecherin zu sein. Bereits in ihrem ersten Profiturnier wurde sie für einen illegalen Drop zu nahe am Loch disqualifiziert, dann erhielt sie bei der British Open 2006 nachträglich zwei Strafschläge aufgebrummt, weil sie im Rückschwung ein Stück Moos im Bunker berührte. Später vergaß sie in aussichtsreicher Position liegend ihre Scorekarte zu unterzeichnen. Und jetzt ließen sie erneut zwei Strafschläge vom alleinigen zweiten auf den geteilten sechsten Platz purzeln.

Was war passiert? In der Finalrunde der Kia Classic schlug Wie am 11. Loch den Ball ins Wasser. Allerdings lag die weiße Kugel verlockend nahe an der Uferkante, und so entschloss sich Wie, den Ball zu spielen. Mit einem Bein im Wasser stehend bewegte sie das Ding zwar aus dem Wasser, aber nicht aus dem Wasserhindernis – und setzte in einem Anfall geistiger Umnachtung ihren Schläger auf. Ein klarer Verstoß gegen Regel 13-4. Dumm gelaufen, zwei Strafschläge akzeptieren und runterschlucken, oder? Mitnichten. Wie versuchte zu argumentieren, dass sie lediglich ihr Gleichgewicht halten wollte – etwas womit sie der Strafe hätte entgehen können. Allerdings sprachen die Fernsehbilder klar dagegen. Selbst nach der Runde versuchte sie vehement ihren Standpunkt zu argumentieren. Und der TV-Zuschauer war hautnah dabei, weil der Golf Channel sie bis in die Scoring-Zone mit der Kamera verfolgte (eine Entscheidung die ihrerseits mindestens ebenso fragwürdig war wie Michelle Wies Argumentation). Immerhin blieb ihr die Disqualifikation erspart.

Damit erging es ihr besser als dem Spanier Borja Etchart und dem Norweger Eirik Tage Johansen, die nach der ersten Runde der Open de Andalucia disqualifiziert wurden. In diesem Fall wurde tatsächlich sogar eine bewusste Schummelei unterstellt. Etchart soll nach Aussage seiner Mitspieler Johansen und Andrew Coltart mehrfach auf dem Grün seinen Ball nach dem Markieren näher am Loch platziert haben. Statt dieses Problem unmittelbar auf dem Platz zu klären, gaben Coltart und Johansen ihren Verdacht erst nach der Runde an die Spielleitung weiter.

Dieser Fauxpas kostete dementsprechend auch Johansen das Turnier, der als Etcharts offizieller Zähler eingetragen war. Weil er wissentlich eine zu niedrige Scorekarte unterschrieben hatte, durfte der Norweger auch seine vierzehn Schläger sieben Sachen packen. Allerdings hätte es schlimmer kommen können. Wie die Irish Times berichtet soll Esteban Toledo in einem ähnlichen Fall seinen Mitspieler einen rechten Haken verpasst haben.

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