Als Bobby Jones vom Golf- zum Filmstar wurde

Es gab nur wenige Ereignisse, die den Golfsport in ihren Grundfesten erschütterten: Tiger Woods‘ Sexskandal oder Payne Stewarts Flugzeugabsturz sind vermutlich die ersten beiden Dinge, die dem heutigen Golf-Fan einfallen. Doch viele Jahrzehnte zuvor gab es ein noch einschneidenderes Ereignis: Der Rückzug von Bobby Jones aus dem Wettkampfsport. 1930, nur wenige Wochen nachdem er mit dem Sieg bei der U.S. Amateur Championship den Grand Slam und damit die vielleicht größte sportliche Leistung des Golfsports komplettiert hatte, zog sich der Amateur auf Lebenszeit mit gerade mal 28 Jahren aus dem sportlichen Rampenlicht zurück – und trat in ein anderes.

Am 13. November unterzeichnete Jones einen Vertrag mit dem Filmstudio Warner Brothers über eine Reihe von zwölf Golf-Lehrfilmen. Bis zu 500.000 Dollar sollte er für „How I Play Golf“ verdienen, munkelte die Presse nach der Ankündigung. Tatsächlich lagen die Einnahmen aber wohl eher bei 100.000 Dollar wie Berichte über eine Gerichtsverhandlung 1938 zeigen, in der Jones die Rückzahlung seiner Einkommensteuer einklagte. Der Gentleman-Golfer hatte wenig gentlemanlike seinen Vertrag für 1000 Dollar an seinen Anwalts-Vater Robert P. Jones „verkauft“ um die Steuerbehörden auszutricksen, kam damit aber nicht durch.

Finanzielle Gründe spielten auch bei Jones‘ Entscheidung dem Golfsport Lebewohl zu sagen eine Rolle. „Da ich nun nicht länger ein Wettbewerber bin, fühle ich mich vollkommen frei außerhalb der Amateurregeln zu agieren“, stand in seinem Statement, das USGA-Präsident Herbert H. Ramsay der Presse verlas. Jones selber zog es vor aufgrund des zu erwartenden Wirbels unterzutauchen. Ursprünglich hatte er sogar geplant, klammheimlich zurückzutreten. „Ich wollte mein Karriereende eigentlich nicht ankündigen sondern still und leise aufhören indem ich meine Anmeldung für die Open Championship nicht abschicke“, schrieb Jones. „Aber dann wurde mir klar, dass ich meinen Schritt den Golfern dieses Landes erklären sollte.“

„14 Jahre intensives Turnierspiel hier und in Übersee hat mir so ziemlich alles gegeben was ich in diesem Spiel erreichen wollte. Ich habe einen Punkt erreicht an dem ich das Gefühl hatte, dass mein Beruf mehr von meiner Zeit und meiner Anstrengung benötigt wodurch der Golfsport wieder an seinen rechtmäßigen Platz zurückkehrt – zu einem Mittel für Spaß und Erholung.“ Und genau um diesen Aspekt des Golfsports in der Öffentlichkeit zu fördern, schloss Jones seinen Vertrag mit Warner Brothers ab. Die zwölf One-Reeler (sprich: Kurzfilme) sollten wie Cartoons und Sketche im Vorprogramm der großen Filme des Studios laufen und so eine große Zahl an Menschen erreichen.

Allerdings hatte niemand so Recht eine Ahnung wie diese Lehrvideos aussehen sollten. Nur wie sie nicht aussehen sollten, wusste Bobby Jones ganz genau. Als ein Reporter fragte ob Jones lieber eine Blondine, eine Brünette oder eine Rothaarige als seine Hauptdarstellerin hätte, antwortete dieser: „Sie werden mich nie dazu kriegen, in einem dieser Liebesfilme mitzuspielen. Ich bleibe lieber bei etwas von dem ich ein wenig verstehe.“

Der konzeptionelle Durchbruch gelang Jones und Regisseur George Marshall, der sich später mit Filmen wie „Der große Bluff“ oder „Das war der Wilde Westen“ einen Namen machte, im Februar 1931 – natürlich bei einer gemeinsamen Runde Golf. Marshall spielte in Gegenwart von Bobby Jones eine der besten Runden seines Lebens und führte dies darauf zurück, dass er unterbewusst Eigenschaften von Jones Schwung adaptierte. Danach war dem Regisseur die Form der Filme sofort klar: Ein Hobbygolfer verzweifelt an einem bestimmten Aspekt seines Spiels. Bobby Jobes kommt vorbei, zeigt ihm wie es richtig geht, und der Hobbygolfer lernt es durch Zusehen.

Das klingt banal und selbstverständlich, doch muss man dabei sehen, dass die Golflehre damals noch in den Kinderschuhen steckte. Als die PGA im Frühjahr 1931 Slow-Motion-Aufnahmen der Schwünge von Bobby Jones und Joyce Wethered veröffentlichte, zeigten sich amerikanische Teaching Pros nach einer Vorführung völlig verblüfft darüber, dass die beiden Superstars ihren Durchschwung mit der Hüfte einleiten und nicht mit den Händen wie es damals die gängige Lehre war, oder dass sie im Takeaway nicht sofort die Hände anwinkelten, sondern erst nach einem Drittel des Rückschwungs.

Solche Details wurden logischerweise in „How I Play Golf“ nicht thematisiert, viel mehr ging es um fundamentale Dinge wie Griff, Haltung, etc. Die Präsentation wirkt aus heutiger Sicht sehr altbacken – besonders da Bobby Jones vor der Kamera kein Naturtalent war. Sein genuschelter Atlanta-Dialekt und das leblose Aufsagen der Texte reißt den Zuschauer nicht gerade mit. Doch wie populär Bobby Jones und seine Filme waren, zeigt sich alleine schon darin, dass in den Folgen Hollywood-Größen wie James Cagney einen Gastauftritt hatten – und dass die Reihe zwei Jahre später unter dem Titel „How to Break 90“ fortgesetzt wurde. Lange Zeit galten die Filme als verschollen, bis sie in den 80ern in einem Tresor in Kansas City wiedergefunden und später auf Video und DVD veröffentlicht wurden.

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