Apache Stronghold

Unsere Bewertung

5 Linksgolfer

Erklärung der Bewertungsskala

Apache Stronghold dürften nur die wenigsten spielen, die dem Golf-Mekka Scottsdale einen Besuch abstatten. Bei gut 200 Golfplätzen in unmittelbarer Umgebung gibt es wenig Gründe, den rund 150 Kilometer östlich liegenden Club zu besuchen. Einer wäre, wenn jemand (wie ich) Fan von Architekt Tom Doak ist und möglichst all seine Plätze studieren möchte. Ein anderer wäre der Preis.

Regulär über die Website des Clubs kann man eine Teetime für 55 Dollar buchen. Aber über Golf Now wird einem das Greenfee an manchen Tagen regelrecht hinterhergeworfen. Was ich für meine Runde bezahlt habe? 10 Dollar! Ich hatte fast schon ein schlechtes Gewissen für so wenig Geld eine Runde Golf zu spielen. Das änderte sich allerdings, als ich auf dem ersten Tee von Apache Stronghold stand.

Dass das Fairway eher grau als grün war? Schwamm drüber! Es war Winter und in dieser Zeit ist das Bermuda-Grün im Winterschlaf. Da der Club auf Overseeding mit Rye-Gras verzichtet ist das visuelle Erlebnis für alle, die Masters-Grün erwarten, ernüchternd. Auf die Spielbarkeit hat dies natürlich keinen Einfluss. Was jedoch ein Desaster war, war die Pflege der Bunker. Gleich im ersten Fairwaybunker haute ich mir eine Delle in die Leihschläger, und im ersten Grünbunker machten tiefe Treckerspuren und mehr Steine als Sand ein Herausspielen unmöglich.

Es ist eigentlich schade, denn der auf 975 Metern gelegene Apache Stronghold hat durchaus seine Stärken. Eine ist eben diese Höhenlage, die ihn visuell gleich deutlich interessanter macht, als die Plätze in der Ebene von Scottsdale. Der Auftakt ist seit kurzem Neu: Bis vor ein paar Jahren war die 1 noch die 10. Dann hat man sich entschlossen, die Neunen umzudrehen. Dadurch beginnt die Runde heutzutage mit einem anspruchsvollen Loch – besonders wenn man den Platz im Winter spielt. Denn in die Länge des Platzes wurde die Höhenlage bereits eingepreist.

Brutale 7519 Yards oder 6875 Meter misst Apache Stronghold von den Backtees. Im Sommer vielleicht eine machbare Angelegenheit, bei unter 10 Grad Celsius aber kaum zu meistern. Bahn 1 ist ein 472 Yards langes Par 4. Früher teilte ein riesiger Bunker die zwei Fairways. Dann wurde er begrast um das Loch leichter zu machen. Dennoch ist es kein Pushover. Besonders wenn man mit einem kerzengeraden Drive direkt im Rest des Bunkers tot vor einem großen Baum landet.

Auf der kurzen 2, ein 179 Yards langes Par 3, sind die Abschläge wie auf einer Schießanlage halbkreisförmig angeordnet. Jedes Handicap erhält so eine eigene Linie ins Grün, wobei die Front-Tees den Carry über die Grünbunker aus dem Spiel nehmen. Auch die 3 nimmt Rücksicht auf die verschiedenen Handicapklassen. Von den hinteren beiden Teesets braucht es gut 180 Yards Carry über Gestrüpp, um das Fairway zu erreichen. Von den restlichen Tees öffnet sich ein großzügiges Fairway. Den Carry ins Grün kann sich aber niemand ersparen, da es gut von zwei frontalen Bunkern geschützt ist.

Die 4 ist schließlich das erste Highlight. Die rechte Hälfte des Fairways wird von einem mächtigen Hügel geschützt, auf dessen Kuppe sich ein Fairwaybunker befindet. Wer die 260 Yards von den Backtees (229 von gelb, 160 von weiß und rot) überfliegen kann, wird mit freiem Blick und guten Winkel in das Grün belohnt. Alle anderen müssen einen blinden Schlag bewältigen. Gefährden kann man hier angesichts der geringen Auslastung des Platzes aber kaum jemanden.

Mit der 5 von Apache Stronghold erinnert Tom Doak an ein klassisches Design-Feature: das Redan Hole. Das Grün des 186 Yards langen Par 3s kippt von rechts nach links und von vorne nach hinten, weshalb ich meinen typischen Hybrid-Fade nicht zum stoppen bringen konnte und den Ball von weit hinter dem Grün nach oben pitchen musste (glücklicherweise erlaubt Doak hier genügend Auslauf, damit der Ball nicht verloren geht). Der strategisch richtige Schlag wäre gewesen, den Ball im Eingang aufkommen zu lassen.

Das nächste Highlight bietet die 6 – besonders, wenn man bis zu den Backtees hochklettert und den Blick in das tief in der Senke liegende Fairway genießt. Aus diesem Grund ist es von hier auch für normallange Hitter erreichbar. Wer es allerdings nur gerade so aufs Fairway schafft, muss den zweiten Schlag auf dieser Bahn blind über unwirtliches und höher gelegenes Gelände spielen. Auch die entlang und über ein trockenes Flussbett spielende 7 mit ihrem zweigeteilten Fairway macht Spaß, wohingegen die 230 Yards lange 8 einen echten Hero Shot erfordert und zu den schwierigsten Bahnen gehört.

Die Back 9 von Apache Stronghold begannen für mich mit einem ungewöhnlichen Anblick: Golfspieler. Es war mir völlig rätselhaft, wie ich so schnell auf sie auflaufen konnte – bis ich sie spielen sah. Wenn die Bälle überhaupt flogen, flogen sie kreuz und quer. Am 11. Tee folgten Luftschläge und getoppte Bälle. Wären es Anfänger gewesen, würde ich diese Anekdote mit keinem Wort erwähnen. Aber es waren keine. Es waren von der letzten Nacht übergebliebene Schnapsleichen aus dem angeschlossenen Casino. Wie betrunken sie waren? Als sie mich endlich durchwinkten, stützte sich einer von ihnen so stark auf seinen Driver, dass der Schaft fein säuberlich in zwei Teile zerbrach.

Das erste golferische Highlight der Back 9 kommt mit der 13. Das 398 Yards lange Par 4 „Twin Peaks“ trägt seinen Namen aufgrund des erhöhten Grüns, das in einer Senke zwischen zwei Hügeln liegt. Dass Tom Doak ein Spezialist für brillante Grünkomplexe ist, beweist er auch mit der 14. Das 470 Yards lange Monster-Par 4 führt zu einem erhöhten, langgezogenen Grün mit einer coolen Welle in der Mitte.

Als Entschädigung gibt Doak dem Spieler direkt im Anschluss eine Atempause mit einem gerade einmal 325 Yards kurzen Par 4, das im Sommer durchaus drivebar ist. Doch auch dieses kurze Loch hat seine Tücken. Wer das Grün verfehlt, muss einen steilen Abhang hinauf pitchen, um das Par zu retten. Apropos steil: das ist auch der Aufstieg zu den Backtees der 16. Bahn. Zur Belohnung gibt es einen grandiosen Überblick über die gesamte Anlage und das letzte Highlight-Loch. Ein 456 Yards langes Par 4, bei dem man den Drive möglichst weit rechts spielen sollte, um das Grün in Regulation erreichen zu können.

Es sind solche Löcher, wie von der 13 bis zur 16, die zeigen, was für ein Potenzial in diesem Design steckt. Zu schade, dass für die San Carlos Apache Nation der Golfplatz augenscheinlich nur ein Abfallprodukt neben dem Casino ist. Das Clubhaus ist minimal ausgestattet, der Platz schlecht beschildert und gepflegt und das Personal überfordert. Zum golfen verlaufen sich hierher wohl nur Hardcore-Golfarchitektur-Enthusiasten und besagte Casino-Schnapsleichen. Doch selbst in diesem desolaten Zustand ist Apache Stronghold golftechnisch gesehen besser als 90% aller Plätze in Deutschland – und dazu noch deutlich billiger. Und wo sonst bekommt man im Clubhaus einen Wandteppich mit Jack Nicklaus drauf zu sehen?

Gespielt am: 2.12.2016

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