Barnbougle Dunes

Unsere Bewertung

10 Linksgolfer

10 Reisegolfer

Erklärung der Bewertungsskala

Selbst für Golfer, die den langen Weg nach Australien nehmen, ist Barnbougle Dunes auf Tasmanien nicht unbedingt die erste Wahl. Die vorgelagerte Insel auf der Südspitze des Kontinents ist zum einen ein ziemlicher Umweg, zum anderen klimatisch relativ kühl verglichen mit dem Rest des Landes. Dabei ist Tasmanien einer der reizvollsten Orte Australiens – landschaftlich wie golferisch. Kombiniert man diese beiden Dinge ergibt sich für Golfer das Paradies auf Erden. Denn nirgendwo sonst auf der Welt gibt es ein solches Preis/Leistungsverhältnis.

100 australische Dollar – umgerechnet 70 Euro – kostet eine Runde auf Barnbougle Dunes und dem Schwesterplatz Barnbougle Lost Farm. Anders ausgedrückt: Man zahlt für eine Runde auf einem der besten echten Linksplätze der Welt genau so viel Geld wie für 9 Löcher auf dem falschen Winston Links. Doch bis es dazu kam, war es eine schwere Geburt. Der begeisterte Golfer Greg Ramsay sah die Dünen an der Bass-Straße und wusste sofort, dass sie einer der besten Orte für Linksgolf auf der ganzen Welt sind. Also versuchte er den Besitzer des Landes, den Kartoffel-Farmer Richard Sattler, vom Bau eines Golfplatzes zu überzeugen. Doch der hielt den 23-Jährigen für einen völligen Spinner. Nach langer Überzeugung gab Sattler nach und Ramsay engagierte den weltberühmten Golfplatz-Architekten Tom Doak sowie den ehemaligen European-Tour-Sieger Michael Clayton.

2005 öffnete der Platz und fand sich unmittelbar auf den Listen der besten Golfplätze der Welt wieder. Allerdings war nicht alles eitel Sonnenschein, denn Ramsay und Sattler überwarfen sich als der Farmer nebenan einen zweiten Golfplatz entwickelte. 2011 endete der Disput sogar in einem bizarren, 5 Millionen Euro teuren, Rechtsstreit. Die Betreiberfirma Links Golf Tasmania, deren Mehrheitseigner Richard Sattler ist, verklagte auf Betreiben der anderen Anteilseigner Richard Sattler. Der Disput endete mit einer krachenden Niederlage für die Kläger – und einem Erfolg für alle Golfer. Denn vor der Klärung der Differenzen war es deutlich aufwändiger und komplizierter auf beiden Plätzen Startzeiten zu buchen, mittlerweile wurden die Buchungssysteme und die Webseiten koordiniert.

Es ist allerdings ein kleines Abenteuer auf den Platz zu kommen. Tasmanien erreicht man entweder mit der Fähre von Melbourne oder via Flugzeug nach Hobart oder Launceston (mittlerweile bieten Firmen für wohlbetuchte Golfer auch Direktflüge zum Platz in Kleinmaschinen an, die neben dem zweiten Loch von Barnbougle Dunes landen). Die anschließende Autofahrt nach Bridport im Norden der Insel lässt einem den Atem stocken. Tagsüber positiv, weil man die atemberaubende Natur genießen kann, nachts negativ, weil man ständig Angst haben muss, dass einem ein Wallaby oder ein Wombat vor das Auto läuft. Denn insbesondere die kleinen Kängurus stehen mit Beginn der Dunkelheit an den Bundesstraßen regelrecht Spalier.

Das Schöne an der Ankunft bei völliger Dunkelheit ist allerdings, dass man am nächsten Morgen noch überwältigter ist, wenn man am Clubhaus ankommt. Denn die Dünen-Landschaft ist einfach nur traumhaft. Zwar hatte Tom Doak für seine Arbeit nur die kleineren Dünen zur Verfügung (in den größeren wurde Lost Farm gebaut), doch der Blick aufs Meer und auf den Forester River, der die Grenze zwischen den beiden Plätzen bildet, sind wie aus einem Bilderbuch. Natürlich bekommt man diesen Anblick nicht sofort zu sehen.

Wie auf jedem Golfplatz ist der Anfang vergleichsweise langweilig. Schließlich weiß jeder Architekt, dass beim Golfer das Ende eher hängen bleibt als der Anfang. Und so führt Barnbougle Dunes auf den ersten beiden Löchern über den langweiligsten, weil flachsten Teil des Golfplatzes. Natürlich sind dies trotzdem Löcher, die aufgrund ihrer Gestaltung und ihrer Herausforderungen auf jedem deutschen Golfplatz ein Signature Hole wären, aber hier verblassen sie. Doch bereits am dritten Loch entfleucht einem das erste Wow. Von einem höhergelegenen Tee erwartet den Spieler ein Dogleg nach rechts. Das Fairway ist, Doak-typisch, relativ breit (er verlegt die Herausforderungen eines Platzes eher ums und aufs Grün um möglichst vielen Spielern den Spaß am Spiel zu erlauben), doch alles was man vom Abschlag aus sieht, ist eine gigantische Düne, die in einen grandiosen, natürlichen Grünbunker verwandelt wurde.

Doch wer glaubt, dies sei ein großer Bunker, der wird bereits ein Loch später eines Besseren entfernt. Denn die 4 ist vielleicht eines der besten Löcher der Welt. Mit 270 Metern von den hinteren Tees kommt man – insbesondere bei Rückenwind – durchaus auf die Idee, das Grün anzugreifen. Doch das Risiko ist hoch, denn der Ball könnte im hohen Gras verschwinden (das hier übrigens wie ein seitliches Wasserhindernis behandelt wird), oder den Fairway-Bunker finden. Und dann hat man eine solche Herausforderung wie dieser junge Mann vor sich:

Stattdessen bietet es sich an, vorzulegen und mit einem Pitch das brillante, höher gelegene Grün anzuspielen von dem man vom Fairway aus nur den rechten Teil sieht, weil 70% hinter einer weiteren Düne vesteckt wurde. Die strategischen Überlegungen auf dieser Bahn sind so vielfach, dass man sie zehn Mal spielen kann ohne die perfekte Methode zu entschlüsseln. Einfach nur ein geniales Golfplatz-Design.

Drei Löcher auf Barnbougle Dunes, – die 4, die 7 und die 13 – gehören zu den besten Löchern, die ich jemals gebaut habe (Tom Doak)

Eine zweite Stärke des Platzes sind die Par-3-Löcher, die bei Tom Doak traditionell eine besondere Bedeutung haben. Das erste begegnet uns an der fünf. Dass man einen kleinen Fußweg bis zum Tee benötigt, nimmt niemand übel – schließlich erlaubt der Weg einen grandiosen Überblick über den Platz und das direkt links angrenzende Meer. Zum Grün geht es dann wieder hinunter. Natürlich über einen großen Bunker, den man aber getrost aus dem Spiel nehmen kann, weil eine Welle links vom Grün alles zurück auf das Grün befördert. Anschließend reiht sich ein Highlight an das andere.

  • Die 6 ist eine grandiose optische Illusion, weil man nur einen schmalen Streifen Fairway auf der rechten Seite sieht, wo auch ein Bunker lauert. Doch links öffnet sich das Fairway in der Landezone hinter einer Düne
  • Die 7, „Tom’s Little Devil“ genannt, ist ein kurzes, windanfälliges Par 3 mit unzähligen Grünbunkern
  • Auf der 8 begegnet uns ein in der Höhe gesplittetes Fairway. Nur wer seinen Abschlag links auf die Empore bekommt, kann das Par 4 mit dem zweiten Schlag angreifen. Wer rechts unten liegt, muss auf Bogey spielen
  • Die 9 ist ein unglaublich welliges Par 4 wo einen je nach Lage des Abschlages ein blinder Schlag ins Grün erwarten kann
  • Auf der 10 verwirrt ein Skyline-Grün jede Tiefenempfindung des Golfers
  • Die 11 ist ein kurzes Par 5 mit Rückenwind, das eine realistische Birdie-Chance für fast jede Handicapklasse bietet
  • Bahn 12 ist ein sehr kurzes Par 4 mit 254 Metern, das sich aber bergauf und mit Gegenwind spielt und das wohl schmalste Fairway des Platzes bietet

Dann schließlich erreicht man die 13, das vielleicht kontroverseste Loch des Platzes. Es ist Tom Doaks Hommage an ein ikonisches Grün von Alister MacKenzie in Sitwell Park, das zerstört wurde, weil sich zuviele Mitglieder über die unfairen Wellen beschwerten. Aufgrund seiner abgeschiedenen Lage in Tasmanien und der Unabhängigkeit von Mitgliedern sah Tom Doak die Chance, hier ein ebenso wildes Grün zu etablieren und auf dem 188 Meter langen Par 3 an der 13 tat er ist. Wenn man etwas Luft hat zu den nachfolgenden Gruppen, sollte man sich den Spaß gönnen, und von diversen Punkten neben und auf dem Grün putten und chippen: Man fühlt sich wie ein Kind im Süßigkeitenladen.

Solche Highlights wären eigentlich genug um den Platz zur absoluten Weltklasse zu machen, aber es kommen noch mehr. Beispielsweise die 321 Meter kurze Bahn 15 auf der mitten im Fairway ein Bunker auf aggressive Spieler lauert, oder das letzte Par 3. Auf der direkt am Forester River gelegenen 16 lohnt es sich, ein Shorthitter zu sein, denn die vorderen Tees haben hier die höchste und attraktivste Position, weil sie den besten Blick über das Meer, den Platz und dem direkt gegenüber liegenden Lost Farm gewähren. Auch auf dem Tee der 17 hat man noch einmal die Flussmündung direkt als szenischen Hintergrund, und dann ist die Runde langsam auch leider zu Ende. Doch die Trauer darüber hält sich in Grenzen, denn schließlich wartet auch noch Lost Farm darauf entdeckt zu werden.

Zusammenfassung
Gespielt am
Bewerteter Platz
Barnbougle Dunes
Bewertung
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