Blackwolf Run – River Course

Unsere Bewertung

7 Linksgolfer

Erklärung der Bewertungsskala

Was zur Hölle ist das denn?“ Das war meine erste Reaktion, als 20 Kilometer vor Kohler, Wisconsin ein gigantischer Fahnenmast ins Blickfeld kam. Nun ist die Zurschaustellung der Landesflagge in den USA nicht gerade ungewöhnlich. Aber in dieser Größe? Noch schockierender wird es, als der 125 Meter hohe Flaggenmast mit seinem 20×40 Meter großen Star Spangled Banner näher kommt. Denn er steht nicht irgendwo. Er steht direkt neben dem River Course von Blackwolf Run.

2014 errichtete eine Versicherung das Monument, nachdem kleinere Versionen dem Wind nicht standhielten und beinahe auf den Highway stürzten. Jetzt weht die Flagge direkt hinter dem sechsten Grün des River Courses. Blackwolf Run ist die Keimzelle des American Clubs. Neben dem River Courses gehören der Meadows Course sowie die 36 Löcher des 15 Kilometer entfernt liegenden Whistling Straits dazu. Alle Plätze wurden von Pete Dye gestaltet, der mit Eigentümer Herbert V. Kohler eine fruchtbare Partnerschaft gebildet hat.

Als Kohler 1988 den ersten Platz bauen ließ, hatte er wenig mit Golf am Hut. Der Chef der Kohler Company, einem Imperium für Küchen- und Badezimmerarmaturen, wollte einen zusätzlichen Anreiz für seine Mustersiedlung. Das bescheiden Kohler getaufte Örtchen wurde für die Arbeiter der Firma errichtet und sollte nun Kunden mit Golfplätzen und einem 5-Sterne-Hotel anlocken. Zehn Jahre später kam Whistling Straits dazu. Allerdings haben die beiden Anlagen wenig gemeinsam.

Nicht nur, dass Blackwolf Run ein Parkland-Platz ist. Während in Whistling Straits Laufen Pflicht ist, fahren in Blackwolf Run eigentlich alle mit dem Cart. Tatsächlich ist laufen so ungewöhnlich, dass der Mann im Pro-Shop panisch an den Starter „We’ve got two Walkers!“ durchfunkt, als stünden vor ihm gerade diese Art Walker. Allerdings gibt es auch ein gutes Argument für die Benutzung eines Carts: an zwei Stellen sind zwischen den Löchern sehr lange Laufwege, teilweise sogar bergauf zu bewältigen. Wer läuft, bekommt an diesen Stellen einen Transfer-Shuttle angeboten. Leider fiel der Transfer nach Loch 13 aus, und als wir den gefühlten Kilometer zum nächsten Loch laufen, entfleucht dem entgegenkommenden Cartfahrer ein ehrfürchtiges „Respekt“.

Der River Course trägt seinen Namen, weil an 12 Löchern der Sheboygan River ins Spiel kommt. Pete Dye gelang es, den Fluss auf mannigfaltige Weise in sein Design zu integrieren. Die ersten Löcher hält er den Fluss noch dezent im Hintergrund. Am ersten Loch, einem mittellangen Par 5, muss man den Ball schon sehr weit nach links verziehen, um ihn ins Spiel zu bringen. An der 2 und der 3 ist er gar nicht zu sehen. Nicht, dass die Löcher deshalb langweilig wären. Die 2 ist ein gelungenes, kurzes Par 4, das aufgrund seiner vielen Hügel auf der rechten Seite „Burial Mounds“ heißt, und die 3 ist ein sehr reizvolles Dogleg nach rechts (wenn man den Ball nicht gerade direkt gegen den Baum im Dogleg ballert und ihn danach nicht wieder findet).

Richtig ins Spiel kommt das Wasser zum ersten Mal an der 4 – auch wenn das Par 3 technisch gesehen nicht am Fluss, sondern an einem künstlichen See liegt. Hiernach folgt der erste lange Transfer, der uns auf den höchsten Punkt des Platzes bringt. Von einem stark erhöhten Tee hat man einen traumhaften Blick auf den Sheboygan, der sich auf der rechten Seite entlangschlängelt. Mit 390 Metern von den Backtees sieht das Loch recht kurz aus, doch vom Tee gibt es nur wenig Roll und das erhöhte Grün erfordert einen Schläger mehr. Die 6 ist schließlich ein gewöhnungsbedürftiges Loch. Das scharfe Dogleg nach rechts sorgt dafür, dass man am Tee besser den Driver im Bag lässt, was angesichts der Kürze des Par 4s kein Problem darstellt. Hat man das Dogleg erreicht, weiß man, wie sich Gulliver im Land der Riesen fühlte, denn im Hintergrund kommt der gigantische Fahnenmast ins Blickfeld.

Noch mehr Ehrfurcht flößt allerdings der Abschlag der 8 ein. Die Teeboxen sind direkt vor einer steilen Schlucht gebaut und irgendwo zwischen den Bäumen sieht man ein winziges Fleckchen Fairway. Wer seinen Ball richtig weit hauen kann, kann die Bahn abkürzen, da das Fairway 90 Grad nach rechts abknickt. Allen anderen hilft nur ein guter Schlag und ein Stoßgebet. Die Hindernisse des Par 5s sind damit aber noch nicht überwältigt. Anschließend teilt sich das Fairway in zwei Ebenen und rechts neben dem Grün lauert der Fluß, der die folgenden Löcher zum ständigen Begleiter wird.

Bahn 9 gehört dabei zu den visuellen Favoriten. Eigentlich ist das kurze Par 4 recht simpel: Drive geradeaus hauen und dann ein mittleres oder kurzes Eisen ins Grün spielen. Doch rechts lauert ein kleines Fleckchen Fairway direkt vor dem Grün, das Birdie-Fantasien weckt. Besonders für einen Linkshänder ist es verlockend. Man kann den Ball auf die Ecke des Flusses zielen und schön zurückfaden lassen – nur um anschließend verblüfft festzustellen, dass man plötzlich zwei Mal in Folge einen Draw gespielt kann.

Das Königsloch des Platzes ist aber wohl die 11 – vielleicht eines der schwierigsten Par 5s, die ich jemals gesehen habe. 568 Meter von den Backtees, 477 Meter von den weißen Tees klingen schon taff genug. Aber das Loch bewegt sich die ganze Zeit am Sheboygan River entlang, der hier einen dramatischen Knick nach rechts macht. Nur die längsten Hitter können den Knick aus dem Spiel nehmen. Alle anderen müssen mit dem zweiten Schlag über den Fluss auf ein schmales Fairway spielen und haben anschließend noch ein mittleres bis langes Eisen ins Grün. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, selten auf ein Par stolzer gewesen zu sein, als an diesem Loch.

Überhaupt gehört der Platz zu den schwierigsten Plätzen, die man in den USA spielen kann. Mit einem Course Rating von 76.2 und einem Slope-Wert von 151 ist der River Course höher geratet als sein Schwesternplatz Whistling Straits. Und der persönliche Vergleich unterstützt diese Werte. Eines der schwierigsten Löcher des Platzes trägt es sogar im Namen. Die 18, ein 466 Meter langes Par 4, wurde auf den Namen Dyehard getauft und besitzt ein diabolisches Feature. Als ob es noch nicht genügend Wasserhindernisse gäbe, kann der tiefe Bunker, der sich die gesamte linke Seite des Lochs entlang zieht, bei Bedarf geflutet werden. Eine Möglichkeit, die beispielsweise bei der U.S. Women’s Open 1998 genutzt wurde.

Für deutsche Gäste hält Blackwolf Run das größte Highlight allerdings auf der 16 bereit. Denn das Loch erhielt in Erinnerung an die deutschen Einwanderer, die im 19.Jahrhundert ein Drittel der Bevölkerung von Wisconsin ausmachten, einen deutschen Namen. Abgeleitet von Walther von der Vogelweides Lied „Under der Linden“ wurde das Loch „Unter der Linden“ getauft. Dies mag vielleicht im Wisconsin German korrekt sein. Mich erfüllte es allerdings mit ebenso viel Freude, wie „Latte Makkiato“ auf deutschen Café-Tafeln oder „Spagetti Bolonese“ in Speisekarten.

Gespielt am: 26.9.2016

Disclaimer: Das Greenfee für die Runde wurde gestellt.

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