Boavista Golf Club

Unsere Bewertung

6 Reisegolfer

Erklärung der Bewertungsskala

Da wir unser Quartier in einem Hotel der Pestana-Gruppe bezogen hatten, wurden abgesehen vom „Ruhetag“ nur Plätze bespielt, die eine Kooperation mit dem Hotel abgeschlossen haben und damit vergünstigte Konditionen anboten. Zum Schluss der Algarve-Reise war jedoch ein Platz dran, der nicht Pestana angegliedert ist: Der Boavista Golf Club. Es war der perfekte Abschluss für den Portugal-Aufenthalt, denn verglichen mit den zuvor gespielten Plätzen ging es noch einmal deutlich nach oben.

Dies kann man in diesem Fall sogar buchstäblich verstehen, denn der gesamte Platz ist ein einziges Auf und Ab und verlangt dem Spieler eine gesunde Kondition ab. Bei feuchten Verhältnissen ist es sogar angebracht, seine Ehre über Bord zu werfen und ein Cart anzumieten, denn die kopfsteinpflasterartig angelegten Wege bieten höchste Rutschgefahr und gerade bei den Steigungen gibt es oft keine Alternative zu den gepflasterten Wegen. Hinzu kommt, dass die Abschläge leider ein wenig verstreut sind. Die ersten 500 Meter hat man bereits bewältigt bevor das erste Tee erreicht ist und zwischen Tee 2 und 3 sowie zwischen Tee 17 und 18 muss eine Straße durch eine Unterführung überwunden werden, die bei etwas größer gewachsenen Menschen kopfhautnahen Kontakt zu den Schnecken an der Decke ermöglicht.

Immerhin bietet die Anlage eine sehr großzügig angelegte Pitch- und Putt-Area sowie eine voll ausgestattete Driving Range, was nach vier Runden erzwungenem Kaltstart eine schöne Abwechslung darstellte. Allerdings schlagen die Bälle finanziell etwa zu Buche. Pro Token werden 5 Euro fällig – dafür fallen dann aber auch gleich 51 Bälle in den Korb. Die einzelnen Abschlagmatten sind aus Sicherheitsgründen durch Fangnetze voneinander abgetrennt, die sich etwa fünf Meter nach vorne ziehen wodurch die Möglichkeit Draws und Fades zu üben leider ein wenig eingeschränkt wird. Dafür kann man sich jedoch den Spaß machen und die kürzer gesteckten Fahnen mit einem Lobwedge über den Fangzaun anzugreifen – natürlich nur wenn der gestrenge Aufseher der Driving Range abgelenkt ist.

Eine gut Übung, denn das Spiel mit den Wedge und den Eisen ist auf diesem Platz wirklich wichtig. Von den gelben Abschlägen misst der Kurs 5250 Meter. Zwar kann auch auf den weißen (5737 Metern) und den schwarzen (6053 Meter) Abschlägen aufteen, doch sollte man sich diesen Wagemut zwei Mal überlegen. 6000 Meter in Portugal sind anders als 6000 Meter in Deutschland, denn die vielen Höhenwechsel machen den Platz automatisch länger und die extrem gut verteidigten, harten, schnellen und sehr ondulierten Grüns sowie das teilweise brutale Rough lassen selbst gute Golfer von weiter hinten schnell verzweifeln.

Dabei sieht der erste Abschlag noch relativ harmlos aus. Wenn man das ab 200 Meter abschüssige Fairway trifft, bleibt nur noch ein Chip oder Pitch ins Grün. Wer hingegen zielsicher den Drive in einen der Fairwaybunker auf der rechten Seite schlägt… Nun ja, sagen wir es mal so: 40 Zentimeter über dem Ball zu stehen – in einem Bunker, der so gut mit Sand gefüllt ist, dass man beim Versuch einen Stand zu finden bis fast auf den Ball abrutscht – ist kein besonders großes Vergnügen. Glauben Sie mir: Wer einen guten Score erzielen will, sollte um jeden Preis die Bunker in Boa Vista vermeiden und nicht wie verirrte Linksgolfer sechs Mal dort rein spielen.

Ab Loch 3 zeigt der Kurs dann aber endgültige seine Zähne, denn hier wartet bereits der erste blinde Abschlag: Ein aufsteigendes Dogleg nach rechts an dem auf der rechten Seite Aus lauert, eine Stange im Fairway die grobe Zielrichtung weist und man nicht spielen darf „bevor der Glocke Berührung hören“ [sic!]. Zwei Löcher weiter folgt der nächste blinde Abschlag und der Beweis, dass auch hier Platzkenntnis von Vorteil ist: Mein gut getroffener Drive rannte durch das Fairway in dickes Rough. Was danach folgt gehört zu der schönsten Sequenz an Golflöchern, die ich auf der Portugal-Reise zu sehen bekommen habe – wenn man einmal von dem Funkturm absieht, der direkt neben Loch 7 steht und den Ausblick verschandelt.

Loch 6 ist ein spektakuläres Par 3 – zwischen 126 (rot) und 194 Meter (schwarz) lang – das zwei Drittel des Fluges über eine tiefe Schlucht führt. Wer zu kurz bleibt, muss den Ball entweder verloren geben oder landet auf einem der vorgelagerten Plateaus und hat einen brutalen Pitch vor sich, und wer die falsche Ebene des Gründ erwischt, macht drei Kreuze wenn er mit einem Zwei-Putt davon kommt. Loch 7 bietet eine kurze Atempause und einen schönen Blick über den Platz, da es einer der höchsten Punkte ist, bevor auf Loch 8 der Weg zurück über die Schlucht führt. Dieses Mal in Form eines Par 5 bei dem die Länge des Drives gut gewählt werden sollte und der Schlag über die Schlucht meist aus abschüssiger Lage durchgeführt werden muss.

Die nächsten Löcher haben allesamt durch gut platzierte Bunker und dichtes Rough um die großen, ondulierten Grüns ihre eigenen Schwierigkeiten, bieten aber ein klein wenig die Chance zum Durchatmen bevor ab Bahn 13 das Grande Finale beginnt, eingeleitet von einem Abschlag von dem aus man (in weiterer Entfernung) den Atlantik sehen kann. Von dort aus schlägt man in ein Tal, das mit seinen vielen kleinen Bäumen wie eine afrikanische Steppenlandschaft aussieht und durch einen ca. 100 Meter vor dem Grün schräg durchs Fairway laufenden Graben etwas Spieltaktik verlangt. Es folgen ein langes Par 3 über einen großen Teich und danach das schwierigste Loch des Platzes.

Wer die reinen Längenangaben und die Form des Loches auf der Scorekarte sieht, fragt sichg vielleicht warum ein 370 Meter kurzes Par 4 so schwer sein soll und auch auf dem Abschlag sieht es erst einmal noch simpel aus: ein leichtes Dogleg nach rechts bergab gespielt. Meist kommt allerdings der Wind kräftig von vorne, und wenn man dann noch einen 160 Meter langen zweiten Schlag auf ein erhöhtes, schmales Grün mit brutalen Bunkern und noch brutalerem Rough vor sich hat, wird plötzlich einiges klar. Die 16 hingegen ist wieder deutlich leichter wenn man mit seinem Abschlag die Kuppe überwindet (und nicht wie gewisse Spieler vier Putts auf dem Grün benötigt) und mit der 17 folgt das meiner Meinung nach am schönsten angelegte Loch: Ein sehr kurzes Par 4 auf dessen rechter Seite Teiche lauern, die in etwa so breit sind wie das Fairway. Mein Blick mag durch mein zweites Birdie des Tages getrübt sein, aber die 17 ist der perfekte Beweis dafür, dass anspruchsvolle und attraktive Löcher sich eben nicht in erster Linie durch Länge auszeichnen. Und von diesen gibt es in Boavista wirklich viele, nicht zuletzt auch das Schlussloch, das mit einem erhöhten, von der Clubhaus-Terrasse einsehbaren, Grün aufwartet und ein großes Leaderboard bietet, dass dankenswerter Weise weder mein Ergebnis (eine 91) noch meine Anzahl an Putts (38) angezeigt hat.

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