Cabot Cliffs

Unsere Bewertung

8 Linksgolfer

Erklärung der Bewertungsskala

Es gibt Bilder, die jedem Golfer das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Dieses Drohnenfoto von Cabot Cliffs gehört definitiv dazu. Der Blick auf Golfbahnen, die sich an Klippen entlang schlängeln, hat etwas Majestätisches. Er flößt Ehrfurcht ein vor dem, was die Natur erschaffen hat. Er suggeriert Nervenkitzel, Schönheit und Abgeschiedenheit. Egal ob Pebble Beach, Cape Kidnappers, Kauri Cliffs, Nefyn oder Old Head: Dies sind Plätze, die jeder Golfer einmal besuchen möchte.

Es war dieses Bild von der Bahn 16 – einem Par 3, das über das Meer gespielt wird – der mich dazu gebracht hat, einen beruflichen Ausflug nach Toronto für einen kleinen Abstecher nach Nova Scotia zu zweckentfremden. Und um es vorweg zu nehmen: es hat sich gelohnt. Das kanadische Inverness ist gut 8 Stunden Flug plus 3 Stunden Autofahrt von Frankfurt entfernt. Wer aufs wilde Leben steht, wird hier allerdings nicht glücklich. Denn viel abgeschiedener geht es kaum: Es gibt in der Provinz deutlich mehr Bäume als Einwohner (ca. 950.000). Gerade im Indian Summer ist es ein Traum, den Cabot Trail zu fahren. Inverness selber hat gerade mal 1500 Einwohner und ein Großteil von ihnen haben eine Verbindung mit dem Resort. Mit zwei Golfplätzen, einem Hotel und drei Restaurants gehört Cabot zu den größten Arbeitgebern.

Cabot Cliffs befindet sich ein wenig abseits von Cabot Links. Ein Shuttlebus fährt die Golfer vom Resort zum etwa 2 Kilometer entfernten Zweitplatz, der statt eines Proshops einige Jurten bietet. Beim Starter erhält der Spieler dann ein ganz besonderes Utensil: einen GPS-Tracker. Das kleine Gerät sorgt dafür, dass der Club immer einen Überblick über die Pace of Play behält und notfalls einschreitet. Alle paar Löcher zeigt es den Spielern an, wieviele Minuten sie vor oder hinter der anvisierten Rundenzeit liegen. Etwas, was in Deutschland nicht möglich wäre. Das Display würde nicht ausreichen, um die ganzen Stunden anzuzeigen, die man zu langsam ist.

Während Cabot Links eines der schönsten Clublogos besitzt, das ich je gesehen habe, ist das Logo von Cabot Cliffs etwas gewöhnungsbedürftig. Ursprünglich sollten die namensgebenden Klippen es zieren, aber man fand keine reizvolle Komposition. Stattdessen wurde es ein Blauer Hummer. Die Begründung dafür ist allerdings etwas weit hergeholt. Dass ein seltenes Tier das Logo ziert, soll suggerieren, was für ein Unikat Cabot Cliffs ist. Etwas, was man dem von Bill Coore und Ben Crenshaw gestalteten Platz allerdings nicht absprechen kann. Denn nach den ersten vier Löchern hatte ich das Gefühl, als könnte Cabot Cliffs glatt Barnbougle Dunes von der Spitze meiner Lieblingsplätze verdrängen.

Die Runde beginnt mit einer Autobahn. Ach, was sage ich: Mit einer Landebahn. Ein von den Backtees 531 Meter langes Par 5, dessen Fairway nicht einmal Steven Bowditch verfehlen würde. Für den Reiz sorgen die Hügel im Fairway und das Bunkering. Es ist ein simpler Aufgelopp und zugleich ein Appetizer für das Hauptgericht. Und das beginnt mit Bahn 2. Von den Backtees flößt das 368 Meter kurze Par 4 Angst ein, steht man doch direkt vor einer gigantischen Schlucht. Und auch die 333 Meter langen silbernen Abschläge, die den meisten empfohlen werden, sind alles andere als einfach. Denn das Fairway endet vor einem schlängelnden Graben und aufgrund des höheren Abschlags ist es schwierig einzuschätzen, wie lang der Drive sein darf. Hinzu kommt, dass die Platzierung wichtig ist. Denn ein enormer Hügel vor dem Grün sorgt dafür, dass bestimmte Fahnenpositionen nur von bestimmten Stellen des Fairways einsehbar sind. Ein Weltklasseloch.

Loch 3 macht ohne Abstriche weiter. Das kurze Par 4 bietet einen Drive über eine Schlucht und einen riesigen zentralen Fairwaybunker 60 Meter vor dem Grün. Das erste Par 3 bringt uns schließlich das einzige Doppelgrün von Cabot Cliffs. Allerdings buchstäblich, denn Loch 4 hat zwei Grüns. Zum Upper Green sind es von den Backtees 141 Meter, zum Lower Green 202 Meter. Wie schon bei vielen Coore-Crenshaw-Besprechungen erwähnt, halte ich die Par 3s für die Schwachstellen ihrer Plätze und die Par 5s für ihre Stärken. Und das gilt auch hier wieder. Es ist eine nette Idee zwei Grüns anzulegen, aber letztlich zeigt es nur, dass kein richtig gutes Grün gefunden wurde.

Und auch die nächsten beiden Par 3s sind für mich ein Grund, dass Cabot Cliffs letztendlich die absolute Weltklasse verfehlt. Es mag ein Zufall gewesen sein, weil beide Löcher Rückenwind und eine kurz gesteckte Fahne hatten. Aber dies führte zu einer bizarren Schlägerwahl. Auf der von silber 144 Meter langen 6 führt ein kurzgemähter Weg auf ein ultrahartes Grün, das nach hinten abfällt. Nachdem meine Mitspieler ihre Wedges auf dem vorderen Plateau nicht zum Halten bekamen, entschloss ich mich zu einer radikalen Maßnahme. Ich nahm den Putter und puttete aus 120 Metern drei Meter an die Fahne. Grundsätzlich eine coole Sache, zeigt es doch auf wie viele verschiedene Arten man das Loch bewältigen kann. Dass aber drei Löcher später erneut der Putter die beste, ja vielleicht einzige Schlägerwahl vom Tee ist (fairerweise muss gesagt sein, dass bei anderen Fahnenpositionen Putter unmöglich ist), war dann doch redundant.

Dazwischen gibt es mit der 7 und 8 allerdings wieder zwei herausragende Par 5s. Das erste erfordert einen echten heroischen Drive über eine Schlucht und das zweite ist beim üblicherweise vorherrschenden Rückenwind eine echte Birdiechance – wenn man den zentralen Fairwaybunker aus dem Spiel nimmt, den ich zielsicher getroffen habe, obwohl auf beiden Seiten 30 Meter Platz war. Und auch das dritte Par 5 innerhalb von vier Löchern, Bahn 10, muss sich nicht verstecken. Die gesamte linke Seite führt der Ozean entlang, bevor er sich exakt vor dem Grün mit einer kleinen Schlucht den Weg in den Kurs bahnt. Zwar kann man den Problemen aus dem Weg gehen, indem man auf der rechten Seite Richtung Loch 1 ausweicht – allerdings ist die gesamte rechte Seite von Bunkern gesäumt.

Nach der 10 kann man sich auf einem der Sofas zwischen der 1 und der 11 ausruhen. Und auch die nächsten Löcher bieten eine kleine Atempause vor dem großen Finale – was nicht bedeutet, dass sie schlecht sind. Die bergauf führende 11 ist ein visuelles Glanzstück, die bergauf in den Wind spielende 13 ist hart aber fair, und die 512 Meter lange 15 gehört zu meinen absoluten Favoriten. Die linke Hälfte des Fairways nimmt ein Hügel ein und bildet den einzigen Ort, von dem das Grün einsehbar ist. Spielt man rechts am Hügel vorbei, so wie ich, droht das Fairway auszugehen. Und dennoch: Nach einem Drive und einem perfekt geschlagenen, blinden Eisen 7, fand ich meinen Ball fünf Meter hinter dem Grün und einen Meter vor dem Absturz in den Ozean wieder.

Danach folgt eines der unvergesslichsten Schluss-Trios im Golfsport. Die 16 ist, wie oben erwähnt, das Signature Hole des Platzes. Das von den Backtees 161 Meter lange Par 3 führt über eine tiefe Schlucht und sollte links angespielt werden, da eine Welle alles nach rechts gen Grün lenkt. So sehr, dass mein Ball beinahe w+auf der anderen Seite wieder vom Grün fiel. Die 17 bietet einen blinden Drive auf die Klippen hinauf und gehört somit zu den aufregendsten Teeshots, die man in seinem Leben haben kann. Und die 18 zeigt erneut, wie gut Coore und Crenshaw Par 5s beherrschen. Wobei dies keine Kunst ist, wenn die Natur eine solche Vorlage geschaffen hat, wie die an der rechten Seite abfallenden Klippen.

Aus diesem Grund gehört Cabot Cliffs auch auf die Bucket List jedes Golfers. Die Greenfees sind mit 295 kanadischen Dollar in der Hauptsaison nicht gerade ein Schnäppchen. Wer es günstiger haben möchte, nutzt die ganz kurze Nebensaison oder versucht mit schnellem Spiel trotz der Twilight-Rate ins Ziel zu kommen. Bereuen wird allerdings niemand die Ausgabe. Cape Breton ist ein Ort, an den man vermutlich nur ein oder zwei Mal im Leben kommt. Und wer die Chance hat, dort einen Spitzenplatz zu spielen, sollte sie auch nutzen.

Gespielt am: 23.8.2017

2 Comments

  • DosEquis sagt:

    Habe den Platz letzten Herbst gespielt, hat bei mir eine 7 bekommen (Highlands Links mit 9 deutlich besser!). Aber ich bin doch baff, dass 2-3 Beobachtungen identisch sind: die 2 ist ein starkes Loch, Abschlag 17 dito, die Par3 sind sehr schwach. Letzten Herbst waren die Grüns kaputt, 2 Putts&Pickup wurde gespielt, der Platzmanager ist kurz zuvor gefeuert worden. In 2-3 Jahren komme ich nochmal vorbei. Die Links wurden kaum bespielt und trotz des jetzt Originalroutings kann der Platz mich immer noch nicht begeistern (vom Setting natürlich abgesehen).

    • Den Highland Links hätte ich auch gerne gespielt. Leider musste ich vorzeitig abreisen. Aber zumindest Andreas teilt Deinen Enthusiasmus für ihn. In 2-3 Jahren kannst Du vielleicht auch den Par-3-Platz spielen, den sie jetzt bauen wollen. Und ein dritter 18-Loch-Platz ist auch schon angedacht.

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