Cabot Links

Unsere Bewertung

7 Linksgolfer

8 Reisegolfer

Erklärung der Bewertungsskala

Im Jahr 1497 segelte der Venezier Giovanni Caboto gen Westen, um einen kürzeren Weg nach Asien zu finden. Stattdessen landete er an einem ungeklärten Ort im amerikanischen Nordosten, den einige für Cape Breton halten. Ihm zu Ehren wurde die 300 Kilometer lange Autoschleife im Norden der Insel Cabot Trail genannt und 2011 erhielt der vom Kanadier Rod Whitman gestaltete Golfplatz in Inverness, Nova Scotia den Namen Cabot Links. Zudem ziert das Logo des Clubs das Schiff Matthew mit dem Caboto zu seiner Expedition aufgebrochen war.

Cabot Links ist nicht nur einer der besten Plätze Kanadas, er ist auch ein erfolgreiches Beispiel dafür, dass Golfplätze sehr wohl ein großer Bonus für die Natur sein können. Denn Cabot Links entstand auf dem Gebiet einer ehemaligen Kohlemine. Und irgendwie passt es zu der Gegend, dass es hier jetzt einen Golfplatz gibt. Schließlich befinden wir uns in Neu-SCHOTTLAND. Und das Örtchen Inverness trägt den Namen der Stadt in deren Nähe es den Weltklasseplatz Castle Stuart gibt. Auch Cabot Links kann man zurecht als Weltklasse bezeichnen. Schließlich schaffte er es schon in die Bestenlisten von Golf Magazine und Golf Digest.

Mit seiner Lage am Atlantik sieht Cabot Links nicht nur wie ein Linksplatz aus, er erfüllt auch alle Kriterien, die George Peper und Malcolm Campbell in ihrem Buch True Links gesetzt hatten. Obwohl sich der Platz das ganze Jahr über schnell und hart spielt, sollte man lieber ein kürzeres Teeset wählen. Das Par 70 hat 6267 Meter von schwarz, 5902 Meter von grün und 5505 Meter von den silbernen Abschlägen, die der Starter mit den Worten „Es sind lange 5500 Meter“ jedem Golfer über Handicap 10 empfiehlt.

Wer den Platz in den ersten Monaten gespielt hat, dürfte ihn kaum wiedererkennen, da sich das Routing stark geändert hat. Nur die Bahnen 14-18 blieben gleich. Die 10-13 waren früher die 1-4, die 9 war die 5 und die 8 die 13. Bahn 7 entstand sogar ganz neu und ersetzte die 12. Los geht die Runde mit den einstigen Löchern 6 bis 11, wodurch der Aufgalopp nun ein lockeres Par 5 ist. Wie bei so vielen Golfplätzen besetzen die ersten beiden Löchern den langweiligsten Teil des Geländes, damit der Golfer ihn vergessen hat, wenn er euphorisiert vom restlichen Teil ins Clubhaus kommt. Der Plan funktioniert. An die zwei, ein 226 Meter langes Par 3, habe ich kaum eine Erinnerung mehr.

Mit der 3, ein von den Back Tees 300 Meter kurzes Par 4, geht der Spaß los. Bei Rückenwind ist das Grün mit dem Abschlag zu erreichen, allerdings verbunden mit einem Risiko. Wer das (breite) Fairway verfehlt, kann den Ball abschreiben. Und der dem Grün vorgelagerte Bunker ist auch nicht ohne. Hinzu kommt eine schöne Ablenkung, da man vom höher gelegenen Tee erstmals perfekte Sicht aufs Meer hat. Die 4, ein mittelanges Par 4, führt vom Wasser weg. Dafür reizt ein erstklassiger Grünkomplex, der nach rechts in eine Senke abfällt und clever mit Bunkern verteidigt ist. Die ideale Linie ins Grün ist daher von der linken Fairwayseite – und die hat Whitman gut mit Bunkern verteidigt.

Im Anschluss geht es für zwei Löcher über eine Straße. Die unglückliche Konstruktion liegt daran, dass man an Bahn 6 den kleinen Hafen von Inverness ins Blickfeld des Golfers bringen wollte. Das scharfe Dogleg nach links zwingt den Golfer zu entscheiden, ob und wie weit er den Weg über „Mac Isaac’s Pond“ abkürzen will. Und es macht den Abstecher über die Straße lohnenswert. Nach dem neuen siebten Loch mit dem Atlantik im Hintergrund, geht es mit der 8 am Wasser entlang – und zugleich an einem beliebten Fußweg, der zum Strand von Inverness führt. Highlight des Lochs ist auch hier wieder das etwas höher gelegene Grün, das ein Doppelgrün mit Bahn 13 bildet – das einzige der Anlage. Und wenn der Wind von hinten weht, ist es aufgrund des flachen Geländes durchaus mit dem zweiten Schlag erreichbar.

Hier findet sich schließlich auch das Halfway-Home, denn es ist zentraler Punkt der Anlage. Sieben Bahnen haben hier entweder ihre Teebox oder ihr Grün: 8, 9, 11, 12, 13, 14 und 15. Die Bahn dazwischen ist allerdings das Highlight. Vom Tee der 10 fällt erst einmal die Kraterlandschaft auf der rechten Seite des Fairways auf. Dann, dass das Fairway scheinbar ins Meer abfällt. Eine reizvolle optische Täuschung. Auf der 11, einem von den Backtees 567 Meter langen Brecher, landet der Drive in einer Senke, aus der man sich dann mit den nächsten Schlägen hocharbeiten muss. Die 13 erfordert einen blinden Bergauf-Drive über jede Menge Unkraut, und die 14 von Cabot Links ist schließlich eine Hommage an die berühmte Bahn 7 von Pebble Beach. Ein von den Backtees 93 Meter kurzes Par 3 bergab. Viel Glück bei der Wahl des richtigen Schlägers!

Das große Finale von Cabot Links wird schließlich von zwei Spielbahnen eingeleitet, die rechts des Atlantiks entlangführen. Obwohl beide im Birdiebook gerade aussehen, bieten sie großen spielstrategischen Reiz aufgrund der Anlage der Grüns und der Fairwaybunker. Insbesondere die 16 sieht mit ihrem natürlich ondulierten Fairway aus, als hätte man sie direkt aus Schottland importiert. Das Schlussloch, das wir nach einem Par 3 erreichen, muss sich allerdings eine Kritik gefallen lassen.

Der blinde Abschlag über eine Kuppe ist suboptimal. Um zu sehen, ob die Bahn frei ist, muss man gut 50 Meter nach vorne gehen. Für den Spielfluss ist so ein Schlussloch alles andere als ideal. Das Grün der 18 liegt direkt neben der Bar und dem Restaurant von Cabot Links und besitzt eine Flutlichtanlage. Wenn die letzten Golfer eingekommen sind, laufen hier auch schon mal Einheimische und Restaurantbesucher mit Puttern drüber und haben bei Dunkelheit ihren Spaß. Eine schöne Idee. Und wer sich dabei um die Grüns sorgt. Der Starter erzählt am ersten Tee, dass es sogar erlaubt ist, die Trolleys über die Grüns zu ziehen, weil der Untergrund hart und das Fescue-Gras stressresistent ist.

Gespielt am: 22.8.2017

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