Darren Clarkes Captain’s Picks: Der Kandidatencheck

Übermorgen gibt Europas Kapitän Darren Clarke bekannt, welche drei Spieler das europäische Ryder-Cup-Team 2016 komplettieren werden. Wie in den letzten Jahren versuche ich in guter alter Tradition anhand von Ergebnissen und Statistiken zu prognositzieren, auf welche Spieler die Wahl fällt. Bisher hat dies immer sehr gut geklappt, allerdings ist das Rennen in diesem Jahr so eng wie nie. Zuerst müssen wir allerdings evaluieren, wer überhaupt die Kandidaten sind, die sich eine Chance ausrechnen können. Ein guter Ansatzpunkt dafür ist die World Points List. Die einzige Frage ist, wo man die Grenze setzt. Unter den Spielern mit Ryder-Cup-Erfahrung dürfte Francesco Molinari der erste ohne Chancen sein. Sein verpasster Cut bei der Barclays in dieser Woche dürfte der letzte Sargnagel gewesen sein. Bei den Rookies dürfte Tyrrell Hatton der erste Aussichtslose sein. Offenbar weiß er dies auch selbst und ist diese Woche nicht in Dänemark angetreten. Somit bleiben noch fünf Kandidaten für die drei Plätze: Martin Kaymer, Sören Kjeldsen, Russell Knox, Thomas Pieters und Lee Westwood. Die Methodik ist dabei wie immer: Anhand von verschiedenen Kategorien werden die Spieler aufgelistet und Punkte von 5 (Platz 1) bis 0 (Platz 5) verteilt.

Die European Points List

Diese Liste ist in erster Linie dazu da, um den Eindruck zu wahren, dass aktive European-Tour-Mitglieder eine bessere Chance haben, ins Team zu kommen. Die vier direkt darüber Qualifizierten hätten sich aber auch über die World Points List qualifiziert. Von daher ist sie relativ überflüssig. Dennoch nehme ich sie immer wieder mit auf, weil die Platzierung hier dem Kapitän eine gewisse Solidarität zur European Tour signalisiert. Indem sie eines der Kriterien ist, wird berücksichtigt, dass es in diesem Jahr bsw. Vorurteile gegenüber Russell Knox gibt, da er kaum in Europa spielt.

  1. Sören Kjeldsen 1.848.805
  2. Thomas Pieters 1.761.162
  3. Martin Kaymer 1.676.849
  4. Lee Westwood 1.525.566
  5. Russell Knox 839.727

World Points List

Diese Liste hat eine größere Bedeutung, was man auch darin sieht, dass über sie direkt fünf Plätze vergeben werden.
Darren Clarke wird daher großen Wert auf die Platzierung legen.

  1. Russell Knox 141,22
  2. Thomas Pieters 141,18
  3. Sören Kjeldsen 121,19
  4. Martin Kaymer 120,90
  5. Lee Westwood 117,67

Weltranglistenpunkte 2016

Vielleicht noch wichtiger als die World Points List, die ja bekanntlich schon seit dem 3.September 2016 geführt wird (und als x-ten Beweis für die Scheinheiligkeit der Olympia-gläubigen Funktioniere die Olympische Spiele ausklammert), ist die Form seit Jahresbeginn. Insbesondere im Hinblick auf Russell Knox ist dies interessant, da Knox erst zur neuen Saison European-Tour-Mitglied wurde und seine Punkte teilweise nicht zählten. Hier sieht man noch einmal sehr deutlich, wie dominant Knox war.

  1. Russell Knox 140,20
  2. Thomas Pieters 111,26
  3. Martin Kaymer 86,82
  4. Lee Westwood 82,97
  5. Sören Kjeldsen 75,14

Ergebnisse in den letzten 8 Wochen

Idealerweise würden die Kapitäne ihre Wildcards erst kurz vor Begnn des Ryder Cups verteilen – schließlich will man ja keine Spieler aufstellen, die gute Ergebnisse im Sommer hatten aber seither keinen Ball mehr treffen. Daher werden Darren Clarke und seine Vize-Kapitäne einen großen Augenmerk darauf legen, welche Ergebnisse die Spieler in den letzten 1-2 Monaten eingefahren haben.

  1. Pieters 1 – 2 – 4 – 86 – 30 – 29
  2. Kaymer 6 – 15 – 7 – 36 – 13
  3. Knox 62 – 1 – 22 – 30 – 10
  4. Kjeldsen 8 – 21 – 64 – 33 – 9 – 21
  5. Westwood 27 – 85 – 22

Major-Ergebnisse

Der Ryder-Cup ist die größte Bühne im Golfsport: johlende Fans, große Erwartungshaltungen. Mit anderen Worten: der Druck ist riesengroß. Das Vergleichbarste damit sind die vier Major-Turniere. Auf sie arbeiten alle hin, hier ist der Druck am Größten. Entsprechend besitzen die Ergebnisse hier eine besondere Bedeutung für Darren Clarke.

  1. Kaymer 7 – 13 – 37 – 49
  2. Kjeldsen 33 – 9 – MC – 7
  3. Knox 22 – 30 – 23 – MC
  4. Westwood 85 – 22 – 32 – 2
  5. Pieters 86 – 30 – N/A – N/A

Ryder Cup Bilanz

Danny Willett, Chris Wood, Andy Sullivan, Rafa Cabrera Bello und Matthew Fitzpatrick: Europa geht mindestens mit fünf Rookies an den Start. Auch wenn Bradley, Reed, Dubuisson, Donaldson und Co. längst bewiesen haben, dass dies unwichtig ist, hält sich immer noch die Maxime man dürfe nicht zu viele Rookies im Team haben. Gut für Kaymer und Westwood, die unter den Kandidaten die einzigen mit Ryder-Cup-Erfahrung sind.

  1. Kaymer (4 Siege, 3 Niederlagen, 3 Unentschieden; 2:1 in den Einzeln)
  2. Westwood (20 Siege, 15 Niederlagen, 6 Unentschieden; 3:6 in den Einzeln)
  3. die Rookies

Match Play Qualität

Leider finden bei den Profis nur wenige Match Play Events statt wodurch man echte Spezialisten nur schwer herausfiltern kann. Doch wenn man zum WCG-Match-Play und dem Matchplay auf der European Tour noch Sudden-Death-Playoffs und Teamevents wie die Seve Trophy hinzunimmt, bekommt man ein besseres Bild.

  1. Kaymer (2:1 bei Einzeln im Ryder Cup, 2. beim Accenture Matchplay 2011, ansonsten aber nie übers Achtelfinale hinaus gekommen. 4:2 in Playoffs)
  2. Westwood (Abgesehen von 2012 beim Dell Matchplay spätestens in Runde zwei raus, 3:5 Playoff-Bilanz, 2:2 in Einzeln der Seve Trophy)
  3. Knox (Einzige Referenz ist das Dell Match Play in diesem Jahr wo er mit Sieg, Unentschieden und Niederlage in der Gruppenphase ausschied)
  4. Pieters (Schied mit Sieg, Unentschieden und Niederlage in der Vorrunde des Dell Match Play 2016 aus. Verlor zuvor in Runde 1 des Paul Lawrie Matchplay 2015)
  5. Kjeldsen (5 Matches bei der WGC, kein einziger Sieg. Bei Team-Wettbewerben (Eurasia Cup, Seve Trophy und Royal Trophy allerding zuverlässig, wenn auch gegen schwache Gegner)

Platzerfahrung

Es ist zwar ein recht begrenzter Datensatz, da in Hazeltine nur die PGA Championships 2009 und 2002 stattfanden. Dennoch dürfte dies in die Überlegungen von Darren Clarke einfließen.

  1. Westwood (2009: 3. / 2002: MC)
  2. Kaymer / Kjeldsen (2009: 6.)
  3. Knox / Pieters (N/A)

Driving Distance

Hazeltine ist mit mehr als 7.000 Metern Länge ein richtiger Brecher. Entsprechend lohnt es sich, wenn man vom Tee nicht 20 Metern hinter den Gegnern liegt.

  1. Pieters 301,1
  2. Kaymer 290,3
  3. Westwood 287,3
  4. Knox 279,3 (PGA: 285,6)
  5. Kjeldsen 273,3 (PGA: 275,2)

Putting

Eigentlich jeder Ryder Cup wird auf den Grüns entschieden, entsprechend sollte man viele Spieler im Team haben, die gut putten können. Leider gibt die European Tour keine perfekten Statistiken her, aber die Kategorie Putts pro Green in Regulation sollte über die Dauer einer ganzen Saison ein recht guter Indikator sein. Wenn aber auch Spieler dabei sind, die auf der PGA Tour aktiv sind, habe ich den Strokes Gained Putting eine höhere Wertigkeit gegeben wodurch Kjeldsen noch an Lee Westwood vorbeizieht.

  1. Kjeldsen 1,792 (SGP +.272)
  2. Westwood 1,792
  3. Knox 1,799 (SGP -.074)
  4. Pieters 1,806
  5. Kaymer 1,813

Gesamtergebnis

32 Punkte: Martin Kaymer
29 Punkte: Thomas Pieters
27 Punkte: Russell Knox
25 Punkte: Sören Kjeldsen
24 Punkte: Lee Westwood

Wenn alles normal läuft, sollten Martin Kaymer, Thomas Pieters und Russell Knox das Rennen machen. Martin Kaymer dürfte von allen Kandidaten am wenigsten zittern. Weil Clarke nicht drei Rookies nominieren wird und Kaymer in allen Punkten besser da steht, als die andere Alternative Lee Westwood, sitzt er fest im Sattel.
Bis zu dieser Woche hätte Pieters auf der Kippe gestanden, aber mit seinem Sieg bei der Made in Denmark – die Darren Clarke mehr oder weniger als Qualifikationsturnier ausgelegt hat – sollte er sich ins Feld gespielt haben. Dass so ein Recency Bias durchaus Einfluss haben kann, bewies Edoardo Molinari, als er in der letzten Qualifikationswoche in Gleneagles gewann und nur dadurch ins Team kam.
Der dritte Platz muss an Russell Knox gehen. Er war mit riesigem Abstand der beste europäische Golfer der Qualifikanten über das letztes Jahr und hat gerade erst ein Turnier gewonnen. Würde er von Darren Clarke übergangen, wäre es die größte Ungerechtigkeit seit Colin Montgomerie 2010 den Weltranglisten-Achten Paul Casey aus dem Team gelassen hat. Um sein Gesicht nicht zu verlieren, würde in dem Fall sicher Lee Westwood, nicht Sören Kjeldsen den dritten Platz einnehmen. Denn dann könnte Darren Clarke argumentieren er könne sich nicht noch einen Rookie im Team leisten – auch wenn das von keinerlei Daten unterstützt wird.

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