Die Halbzeitbilanz der deutschen Golfprofis

Obwohl wir erst Ende Mai haben, nähert sich der Profigolf seinem Bergfest. Die PGA Tour hat über 50% ihrer Turniere gespielt und die European-Tour-Saison ist schon fast sechs Monate im Gang. Zeit, einmal zu schauen wie sich unsere deutschen Profis auf der PGA-, European-, LPGA-, Ladies European-, Champions- und Challenge-Tour in dieser Saison bisher geschlagen haben. Zwar ist besonders der Blick auf die zweite Liga und die LPGA Tour aufgrund des späten Saisonstarts bisher noch nicht allzu repräsentativ, aber leichte Tendenzen lassen sich auch dort schon nach den ersten fünf-sechs Turnieren erkennen.

Martin Kaymer

Saisonbeginn mit einem Sieg, zwei weitere Top-5-Platzierungen, verpasster Cut beim Masters, solides Ergebnis bei der Players Championship, durchwachsene Runden bei Europas Prestige-Turnier. Was ist nur mit Martin Kaymer los? Eine berechtigte Frage. In 2010! Denn das war die Bilanz von Kaymer zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Es folgten ein Major-Sieg, zwei weitere Top-Tens bei Major-Turnieren, zwei weitere Siege auf der European Tour und der Sieg im Race to Dubai. Mit 20 Weltranglistenpunkten mehr als vor einem Jahr (bei zwei zusätzlichen Starts) steht Kaymer von der reinen Bilanz her sogar besser da. Warum also schieben alle Panik? Inklusive Kaymer, dessen Schwungumstellung (oder wie er es nennt: Schwunganpassung) und völlig überraschende Trennung von seinem Caddie den Anschein von Verunsicherung erwecken. Wenn Kaymer nach der French Open noch immer nicht zu seiner üblichen Form zurückgefunden hat, dann gibt es vielleicht Anlass zur Sorge. Bis dahin ist 2011 als eine typische Kaymer-Saison einzuordnen.

Sandra Gal

Erst eine Deutsche gewann vor diesem Jahr auf der LPGA Tour. Sandra Gal verdoppelte diese Zahl. Mit ihrem Sieg bei der Kia Classic, zwei weiteren Top-Ten-Platzierungen (bis dahin hatte sie in ihren drei Jahren auf der Tour nur zwei) und einem 15. Rang beim ersten Major des Jahres hat sich die 26-Jährige in die Weltspitze vorgespielt – von Platz 126 zu Beginn des Jahres bis auf Rang 33 des Rolex Rankings. Kein Wunder, dass das Gelegenheitsmodel DER Medienstar bei der Ladies German Open war. Egal was noch kommt, für Gal ist 2011 auf jeden Fall schon eine Traumsaison.

Bernhard Langer

„Daumen Hoch“, ließ sich in den vergangenen Jahren die Leistung des Vorzeige-Seniors einfach beschreiben. In diesem Jahr lautet das Motto leider „Daumen kaputt“. Die notwendige Operation kostete ihn nicht nur die Teilnahme am Masters und den ersten beiden Senioren-Majors des Jahres, sondern vermutlich auch sein Abo auf den Champions-Tour-Spieler des Jahres, da Tom Lehman die Abwesenheit des Deutschen in Siege ummünzte. Dass Langer ansonsten wieder vorne mitgemischt hätte steht außer Frage. In seinen vier Starts vor der Verletzung fuhr er bereits einen Saisonsieg ein.

Alex Cejka

14 Turniere hatte Alex Cejka nach 22 Wochen im Jahr 2010 gespielt. Ein sattes Pensum – das er in diesem Jahr noch mal locker übertrifft. Bis dato sind es bereits 17 Turniere. Ein Resultat seines übermütigen mutigen Versuchs die Mitgliedschaften auf PGA Tour und European Tour zu kombinieren. Damit dieser Plan aufgeht muss er möglichst früh seine PGA-Tourkarte sichern um danach seine 13 Turniere auf der European Tour voll zu bekommen. Das Problem: Trotz seiner drei zusätzlichen Turniere hat er nur 336.000 Dollar eingespielt, 60.000 weniger als vor einem Jahr. Schlagzeilen hat er eher durch seine bizarre Zehenverletzung gemacht als durch sein Spiel. Wenn er nicht schnell in Form kommt (oder besser gesagt: seine guten Turniere mit einer schwachen Schlussrunde nicht weiter kostspielig verbockt) und die restlichen 500.000 Dollar für seine Tourkarte erspielt, läuft er in Gefahr eine zweijährige Mitgliedschafts-Sperre auf der European Tour zu riskieren. Denn wenn er die Fall Series braucht um sich ein weiteres Jahr auf der PGA Tour zu sichern, kann er seine 13 Pflichtturniere auf der European Tour auf keinen Fall mehr zusammenbekommen. Denn die Priorität liegt klar in den USA wie man sehen konnte als er seine Anmeldung für die BMW PGA Championship kurzfristig zurückzog um doch lieber beim Colonial zu spielen (und dort verletzungsbedingt aufgab).

Marcel Siem

Zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr hatte Marcel Siem sieben verpasste Cuts, landete sechs Mal im Geld und hatte als bestes Ergebnis einen 22.Platz. Dieses Jahr liegt das Verhältnis bei 7:7 mit einem 13. Platz als Top-Platzierung und in etwas dem gleichen Einkommen wie 2010 nach der PGA Championship. Grund zur Sorge bereitet jedoch ein Blick auf die Statistik. Seit 2004 war sein Schlagdurchschnitt nur einmal schlechter als die aktuelle Zahl von 72,37 (ein Problem das anscheinend auf sein Putting zurückzuführen ist). Dies mag im Verlauf der Saison noch zu korrigieren sein. Besorgniserregend ist aber vor allen Dingen Siems Leistung in Pressure Rounds, das heißt den Runden in denen es um etwas geht. Wenn es um den Cut geht, in Runde zwei, liegt sein Schlagdurchschnitt bei 72,69 und in Schlussrunden gar bei 73,29 – oder exakt zwei über Par. Viel Geld, das am Ende des Jahres im Portemonnaie fehlt. Auch weil man bei Siem fast immer ein Doppelbogey oder schlechter einplanen muss. In den letzten sieben Turnieren hat er im Schnitt pro Runde (!) mindestens einen dieser Aussetzer eingestreut.

Florian Fritsch

Wohl kaum jemand hätte erwartet, dass Florian Fritsch so schnell Fuß auf der European Tour fasst. Zwei Top-11-Platzierungen in drei Starts sind eine beachtliche Leistung. Der erste Schritt zur Verteidigung der Tourkarte ist damit getan, viele weitere fehlen aber noch. Während das Spiel von Fritsch positiv überrascht, war eine Änderung seiner Turnierplanung eine negative Überraschung. Auf seiner Homepage war die Madeira Islands Open noch fest eingeplant, auf der Entry List fand er sich dann plötzlich nicht mehr wieder. Eine Entscheidung, die aus zweierlei Gründen etwas befremdlich wirkt: Zum Einen aufgrund des auf dieser Seite vielfach angesprochenen Re-Rankings. Mit einer Teilnahme hätte er theoretisch noch die Chance gehabt, sich für die BMW PGA Championship zu qualifizieren und auch die Ausgangslage für die French und Scottish Open wäre besser gewesen. Vor allen Dingen aber war es ein duales Turnier, das sowohl für die Geldrangliste der European Tour als auch die der Challenge Tour zählte. Und wie das Beispiel Stephan Gross Jr. im vergangenen Jahr gezeigt hat, kann es ganz schnell von der European Tour zurück in die dritte Liga gehen wenn man sich nicht rechtzeitig zumindest die Challenge Tour Karte sichert. Dass Florian Fritsch dies weiß, zeigte er mit seinem – leider erfolglosen – Start bei der Telenet Trophy in dieser Woche. Doch die ist nicht einmal ein Drittel von der Madeira Islands Open (die für das CT-Ranking auf 500.000 Euro begrenzt war) wert. Hoffentlich spielt Fritsch auf der European Tour weiterhin gut genug, dass sich dieses ausgelassene Turnier nicht rächt.

Caroline Masson

Die 22-Jährige machte sich bei der Ladies German Open ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk. Mit einem vierten Platz beendete sie das Turnier als beste Deutsche nachdem sie zuvor schon einen zweiten Platz in der Saison einfuhr. Die Top-Ten-Platzierungen Nr. 4 und 5 in ihrer Ladies European Tour Karriere, die 2009 mit dem Sieg bei der Qualifying School (noch als Amateurin) einen imposanten Anfang nahm. Die beeindruckende 2011er Saison spiegelt sich auch in den Ranglisten wieder. In der LET-Geldrangliste belegt sie aktuell Platz 5 und im Rolex Ranking machte sie einen Sprung um 60 Plätze auf Rang 155. Massons Ziel in naher Zukunft den Sprung auf die LPGA Tour zu schaffen scheint angesichts dieser Form nicht unrealistisch.

Nicolas Meitinger

Schon bizarr: Da startet Meitinger drei Mal auf der epd-Tour und kommt nicht über Platz 19 heraus. Und dann landet er auf der Challenge Tour bei seinen ersten drei Starts des Jahres auf Platz 4 und feiert bei der Allianz Challenge de France den ersten Sieg seiner Karriere. Um die Spielberechtigung für 2012 muss sich der 27-Jährige dadurch keine Sorgen mehr machen. Doch wenn man jetzt schon mal bewiesen hat, dass man sich auf diesem Level durchsetzen kann, will man natürlich auch mehr. Denn die Hälfte des vermutlich nötigen Preisgeldes für ein eingeschränktes Spielrecht auf der European Tour hat Meitinger bereits zusammen. Dass er zuletzt jedoch drei Mal in Folge den Cut verpasste geht allerdings in die falsche Richtung.

Anja Monke

Ein wenig Stillstand ist 2011 bei Anja Monke zu verfolgen. Das zeigt auch der Blick auf das Rolex Ranking, wo sie seit Beginn des Jahres immer um Platz 150 herum zu finden ist. Die 34-Jährige, die alleine schon wegen ihres Geburtstages sympathisch ist, münzte zwar den Heimvorteil bei der Ladies German Open in einen 11. Rang um und feierte zuvor in der Türkei schon einen fünften Platz. Dennoch hat die dreifache LET-Siegerin, die die letzten drei Jahre zwei Mal in den Top 10 der LET-Geldrangliste beendete, höhere Ansprüche. Mit aktuell Platz 26 ist sie aber noch nicht so weit davon entfernt, dass dies nicht mehr erreichbar wäre.

Maximilian Kieffer

Der 20-Jährige legt bisher ein überraschend gutes Debüt auf der Challenge Tour hin. Bei fünf Starts gelang ihm vier Mal der Cut und nur ein Landsmann verhinderte, dass er einen Sieg verbuchen konnte. Das Preisgeld für den zweiten Platz bringt ihn aktuell auf Platz 18 im Challenge-Tour-Rankings, der zumindest ein eingeschränktes Spielrecht auf der European Tour bringen würde. Aber das ist natürlich nur eine Momentaufnahme. Dennoch: Mit dieser Leistung dürfte Kieffer schon mal die Challenge-Tour-Teilnahme 2012 gesichert haben. Mehr durfte man nicht erwarten, alles was dazu kommt ist ein Bonus.

Bernd Ritthammer

In seinem zweiten Jahr auf der Challenge Tour fehlen dem 24-Jährigen noch die Spitzenergebnisse (Bestleistung war ein 23. Platz), dennoch steht er im Challenge-Tour-Ranking leicht besser da als 2010, wo er zwei Mal in den Top-Ten landete. Das verdankt er vor allen Dingen dem geschafften Cut bei der vergleichsweise hoch dotierten Madeira Islands Open, der die Hälfte seines Jahresverdienstes ausmachte. Mit zwei zweiten Plätzen auf der drittklassigen epd-Tour besserte er sein Taschengeld ein wenig auf, aber für den Sprung in die erste Liga des Profigolfs scheint ed derzeit noch nicht zu reichen.

Benjamin Miarka

Auf der drittklassigen epd-Tour hat er bei vier Starts in diesem Jahr zwei Mal nicht den Cut geschafft. Für jemanden mit Challenge-Tour-Spielrecht ein enttäuschendes Resultat. Entsprechend sieht es auch auf der Challenge Tour für den 29-Jährigen aus. Immerhin schaffte er zuletzt zwei Mal in Folge den Cut, kam dabei aber noch nicht in die Top 40. Ob er noch einmal an sein bestes Jahr 2008 anknüpfen kann, wo er 58. der Geldrangliste wurde, scheint fraglich. Auf jeden Fall ist ein Aufstieg (und die Etablierung) auf die European Tour aufgrund seines Alters und der Formschwäche in diesem Jahr unwahrscheinlich.

Max Kramer

Irgendwie hat es den Anschein, als ob der 27-Jährige auf der Challenge Tour ein wenig überfordert ist. Bei fünf Starts in dieser Saison schaffte er nicht einmal den Cut, von seinen 9 gespielten Runden beendete er nur eine unter 70. Damit knüpft er leider nahtlos an seine bisherige Challenge-Tour-Karriere an, in der er bei 18 Starts nur vier Cuts schaffte und noch nie in den Top 25 landete. Vielleicht ist er aber auch nur unterfordert. Bei der BMW International Open 2009 belegte er immerhin Platz 44 – und verdiente das Dreifache von dem was er bei allen Challenge-Tour-Starts zusammen einnahm.

Daniel Wünsche

Der 25-Jährige bestreitet seine erste Challenge-Tour-Saison und hat bisher noch nicht richtig in Tritt gefunden. Bei vier Starts brauchte er im Schnitt 73.73 Schläge pro Runde und schaffte dementsprechend noch nicht einmal den Cut. Wenn er nicht bald in Schwung kommt, droht wieder der Rückzug auf die epd Tour, auf der für ihn in diesem Jahr zwei Top-4-Platzierungen zwei verpassten Cuts gegenüberstehen.

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