Die scheinheilige Sexismus-Debatte um Ted Bishop

Am vergangenen Freitag musste Ted Bishop seinen Hut als Chef der PGA of America nehmen. Was hatte der 60-Jährige getan, dass er einen Monat vor seinem ohnehin beschlossenen Rückzug mit Fackeln und Mistgabeln aus dem Amt gejagt wurde? Gelder unterschlagen? Angestellte misshandelt? Einen Mord begangen? Nein, er hatte Ian Poulter via Twitter ob seiner kritischen Äußerungen gegenüber Nick Faldo als „kleines Mädchen“ bezeichnet. Ein wahrlich dummer Schachzug, der wieder einmal zeigt, dass manche Menschen ihre Finger von sozialen Netwerken lassen sollten. Aber ein Vorgang, der alleine einer Amtsenthebung würdig wäre? Das ist zumindest fragwürdig. Zumal der Beleidigte Ian Poulter selber im Zuge von Sergio Garcias dummer Äußerung gegenüber Tiger Woods noch meinte: „Wir alle machen Fehler und ich habe auch schon viele gemacht. Aber er [Sergio] hat sich aufrichtig entschuldigt“.

Doch für Ted Bishop wurden andere Maßstäbe angelegt. Nicht etwa, weil Ian Poulter ein unantastbares Denkmal ist, sondern weil die Bezeichnung „Kleines Mädchen“ als sexistische Entgleisung kategorisiert wurde. Nun kann man treffend darüber diskutieren ob diese Kategorisierung stimmig ist. Fakt ist jedoch, dass sich kaum Profigolferinnen darüber echauffierten. Die Empörung kam, angetrieben vom Social Media Mob, in erster Linie von männlichen Golf-Journalisten, die den seit dem Ryder Cup ohnehin angeschlagenen Bishop zur Persona non Grata erklärten und seine Entlassung befeuerten.

Es war also ein Erfolg für die Golfmedien, dass die PGA of America prompt reagierte und Bishop absägte. Doch für die Sexismus-Diskussion ist es ein Rückschritt. Denn durch die prompte Reaktion wird die Öffentlichkeit in den Glauben versetzt, die PGA of America würde alles für die Gleichberechtigung der Frauen tun, wenn in Wirklichkeit von den 28.000 Mitgliedern nur 1.100 (knapp 4%) weiblich sind. Zum Vergleich: Immerhin 23% aller Golfer in den USA sind weiblich. Ein Ungleichgewicht, das den meisten Medien bisher kein Wort wert war. Warum auch? Schließlich sind sie es, die den Sexismus im Golfsport in den letzten Jahren konsequent vorangetragen haben.

Beispiel „Golf Digest“. 1969, 19 Jahre nach der Erstaugabe, hatte es zum ersten Mal eine Frau auf das Cover geschafft. Gut, in den realen Zeiten von „Mad Men“ verständlich. Doch auch in den 45 Jahren seither zierte lediglich 21 weitere Male eine Frau das Titelbild. Meistes noch nicht einmal wegen ihrer sportlichen Leistungen, sondern wegen ihres Aussehens. So gab es im April einen handfesten Skandal als mit Paulina Gretzky eine Frau das Titelbild zierte, deren größte golferische Leistung es ist, sich Dustin Johnson geschnappt zu haben. Die zwei Titelgirls davor: Moderatorin Holly Sonders und Swimsuit-Model Kate Upton. Man musste bis 2008 zurückgehen um mit Lorena Ochoa die letzte Profigolferin auf dem Titel zu finden. Erst der Aufruhr über das Gretzky-Cover führte dazu, dass Michelle Wie vor kurzem die Kioske zierte.

Und auch beim Konkurrenten Golf Magazine sieht es trotz des aktuellen Stacy-Lewis-Covers (die erste Frau seit 11 Jahren) nicht besser aus. Besonders wenn man einen Blick auf den Facebook-Account riskiert, wo regelmäßig solche Einträge zeigen, was man wirklich vom Frauengolf hält und nur zwei Tage nach der gespielten Sexismus-Empörung dieser Beitrag die Pinnwand zierte:

Doch es sind nicht nur die amerikanischen Medien, die dem Frauengolf einen Bärendienst erweisen, in Deutschland sieht es nicht viel besser aus. Auch in diesem Blog wird viel zu wenig über den Frauen-Golfsport berichtet, müssen wir selbstkritisch gestehen. Was zum einen daran liegt, dass unsere Zeit und unsere Möglichkeiten limiert sind, zum anderen an der Verfügbarkeit von Golf-Übertragungen der LPGA. Dies hat sich dank der Kollegen der Golf Post in diesem Jahr gebessert, die die Schlussrunden der LPGA vorbildlich als Stream anbieten – leider hilft dies aber auch nichts, wenn man auf dem Land wohnt, wo die Telekom keine vernünftige Internet-Leitung bereitstellt. Aber ich schweife ab.

Als Vorreiter in Sachen Sexismus in Deutschland hatte sich lange Zeit die Golf Punk hervorgetan, die unter dem Vorwand von Regelkunde spärlich bekleidete Damen über ihre Seiten hüpfen ließ: die Bunker Babes. Glücklicherweise ist dies zumindest in Deutschland ein Relikt der Vergangenheit, und tatsächlich verirrt sich sogar ab und an eine Profigolferin auf das Titelbild – allerdings auch nur mit viel Haut, wie zuletzt bei Lexi Thompson. Das ist aber immer noch besser als das deutsche Golf Magazin, das (soweit zumindest das Cover-Archiv zurückreicht, man möge mich sonst gerne korrigieren) noch gar keine Frau auf dem Titel hatte. Oder das deutsche Golf Journal, das nach einem einmaligen Versuch im Juli 1998 (!) ebenfalls auf das weibliche Element verzichtet. Einzig die Golf Time tut sich hier ausnahmsweise vorbildlich hervor. Im Juni 2013 präsentierte sie anlässlich des Solheims Cups ein rein auf die sportlichen Leistungen bezogenes Titelbild. Dummerweise hatte ihr Chefredakteur kurz zuvor in einer Kolumne alle Frauen, die für weibliche Mitglieder in Augusta National eintreten, als „naive Emanzen“ bezeichnet, so dass man wohl auch hier nur schwer von einem Hort für Gleichberechtigung sprechen kann.

Ja, Sexismus im Golf ist leider immer noch allgegenwärtig. Darüber kann auch nicht die erstmalige Aufnahme von weiblichen Mitgliedern bei der R&A hinwegtäuschen. Man muss sich nur einmal am Herren- oder Seniorennachmittag auf irgendeine Clubterrasse setzen und den Altherrenwitzen oder den herabwürdigen Kommentaren gegenüber weiblichen Golfern lauschen. Es ist eine Attitüde, die auch von der Golfindustrie mit offenen Armen bedient wird. Noch in diesem Jahr brachte Dunlop allen Protesten zum Trotz Golftees in Form von nackten Frauenkörpern heraus, und Blogger Geoff Shackelford wies zurecht auf einen aktuellen, sexistischen Werbespot von Wilson hin. Ganz zu schweigen davon, was Mercedes und Samsung, zwei Hauptsponsoren der PGA of America, in den letzten Jahren in die Welt gesetzt haben.

Sollte es stimmen, dass Ted Bishop auch auf Drängen dieser und anderer Sponsoren aus dem Amt gedrängt worde sein, ist dies an Scheinheiligkeit nicht mehr zu überbieten. Nein, niemand sollte Ted Bishop eine Träne nachweinen. Man sollte sich nur nicht gemütlich zurücklehnen und den Golfsport für diese Entscheidung feiern. Die PGA of America kann noch so viele Präsidenten feuern, die R&A und Augusta National können dutzende Frauen in ihre Reihen aufnehmen: Solange die Golfindustrie, die Golfmedien und wir selber und nicht hinterfragen, wird dem Golfsport weiterhin zurecht ein frauenfeindliches Image anhängen.

5 Comments

  • Pitchmarker sagt:

    Danke für diesen erhellenden Beitrag. Volle Unterstützung von mir. Ich halte übrigens auch die Bezeichnung Proette für eine Profigolferin für in hohem Maße fragwürdig und sogar schmierig. War War Steffi Graf etwa eine Tennisette? Haben wir eine Kanzlerette oder vielleicht doch eher ein spezifisches Problem im Golf, wie es der Beitrag m.E. zutreffend andeutet?
    Es grüßt der Pitchmarker.

  • ulric thiede sagt:

    ich kann nicht nachvollziehen, warum es frauenfeindlich sein soll, schöne weibliche Körper abzubilden. Es ist auch ebenso wenig frauenfeindlich, wenn die Golffachzeitschriften nun mal wenig weibliche Golfer auf ihren Titeln abbilden. Die Golf-Redakteure haben einfach ein so echt sicheres Gefühl, daß wir männliche Golfer lieber männliche Golf-Heroen abgebildet sehen als die LPGA-Ladies. Man mag das unter dem Topos „political incorrectness“ gern kritisieren, aber es schmeckt so schal wie ein abgestandenes Bier, weil es wirklich spannendere und wichtigere Themen gibt, die durch die Titel-Persönlichkeit in den Fokus gerückt werden sollen. Sorry, aber diesmal hat der Linksgolfer einen Fehlschlag in abseitiges Rough abgeliefert.

  • Frank Drollinger sagt:

    Ted Bishop hat sich Golf-Politisch persönlich gemeldet und das ist für einen Verband natürlich schwer. Scheinheilig ist als Sitationsbeschreibung für ich etwas schwierig, da aus meinen Erfahrungen die Situation so ist, dass das Board der PGA es nicht besser weiß. Im Prinzip sind bei der PGA unabhängig vom Land alles gute Leute – die EGO Problematic wird jedoch vor Kunden-Benefits gestellt.

    Bishop hat seine Energie in kleine Scharmützel investiert anstatt die wirlichen Probleme zu definieren und nach Prioritäten-Liste anzugehen. Für mich bedeutet das eine Methodendefinition (keine Philosophie) und Gesundheitsschutz bis und nach dem Ballimpact.

    Die PGA´s werden sich erst dann positiv für den Golfer ändern, wenn sie müssen.

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