Die wahren Pound for Pound Longhitter der European Tour

Pound for Pound
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Vor einigen Tagen versuchte sich die offizielle Webseite der European Tour an einem originellen Artikel. Angelehnt an den Boxsport, wo Journalisten und Experten in einem Pound-for-Pound-Ranking die Kämpfer verschiedener Gewichtsklassen miteinander vergleichen, wollte Keith Pelleys PR-Abteilung die „Pound for Pound Biggest Hitters“ auf der European Tour küren. Ein Ansatz, der durchaus seinen Reiz hat. Schließlich hat ein Hüne wie Robert Karlsson physisch andere Voraussetzungen als beispielsweise ein Fabrizio Zanotti.

Das System, mit dem die Autoren ans Werk gingen, war allerdings so fehlerhaft und unseriös, dass es die gesamte Idee ruinierte. Denn man teilte einfach die durchschnittliche Drivelänge durch das Gewicht der jeweiligen Golfer. Was auf den ersten Blick vielleicht noch logisch aussieht, ist es keineswegs. Denn die Drivelänge steigt nun mal nicht proportional zum Gewicht. Schließlich liegen zwischen dem ersten und dem letzten des Driving-Distance-Rankings rund 50 Yards und zwischen dem leichtesten und schwersten Golfer liegen ebenfalls rund 50 Kilo. Oder um die Absurdität an einem konkreten Beispiel zu belegen: SSP Chawrasia, vorletzter in der Driving Distance Kategorie (und teilweise 30 Yards kürzer als andere Golfer seiner Gewichtsklasse), würde im Pound-for-Pound-Ranking auf Platz 19, deutlich vor Bomber Nicolas Colsaerts und fast auf Augenhöhe mit Rory McIlroy liegen.

Hinzu kommt, dass die Formel sogar noch dem widerspricht, was die Autoren angeblich selber damit bezwecken wollen.

But what if you were to take weight and size out of the equation to provide a level playing field?

Denn die Berechnung erfolgt letztlich nur anhand des Gewichts der einzelnen Spieler. Ob nun ein 65kg schwerer Spieler 180cm groß ist wie Brandon Stone oder 170cm klein ist wie Eduardo de la Riva, hat keinen Einfluss auf das Ranking. Dabei ist die Hebelwirkung ein nicht zu unterschätzendes Kriterium bei der Generierung von Länge. Vor allen Dingen aber vernachlässigt die Formel eine Sache völlig. Die, um die es eigentlich gehen sollte: die Länge der Drives. Wenn ich beim Kugelstoßen keine 10 Meter schaffe, kann ich mich nicht hinstellen und sagen: „Wenn ich bedenke, dass David Storl 40 Kilo und Tomasz Majewski 60 Kilo mehr wiegen als ich, bin ich Pound for Pound der beste Kugelstoßer Europas“. Und genauso darf man eben auch nicht aus den Augen verlieren, wenn jemand den Ball regelmäßig über 300 Yards prügelt.

Doch die Idee ist zu reizvoll, um nicht einmal darüber nachzudenken, ob man nicht doch irgendwie zum Ziel kommt, ohne all diese Punkte zu vernachlässigen. Die unten stehende Liste entstand unter folgender Prämisse: Ich habe von allen Spielern in der European-Tour-Statistik die durchschnittliche Drivelänge, das durchschnittliche Körpergewicht und die durchschnittliche Körpergröße gebildet. Anschließend habe ich die Driving Distance erst mit Gewicht und dann mit Größe der einzelnen Spieler in Relation gesetzt und aus den beiden Ergebnissen eine Summe gebildet. Das daraus resultierend Pound for Pound Ranking hält zumindest dem Augentest stand: Longhitter sind stark präsent, aber Hünen wie Thomas Pieters (85kg, 196cm) fallen aus den Top 50. Kurzwürste wie SSP Chawrasia (Platz 170) sind nicht plötzlich in den Top 20 und mit Prom Meesawat (271,9 Yards. 95kg. 191cm) gibt es einen würdigen, unangefochtenen Träger der roten Laterne.

Pound for Pound Ranking

  1. Sebastien Gros (311,7 Yards. 73kg. 181cm) (European Tour Liste: 6.)
  2. Dean Burmester (315,6 Yards. 81kg. 183cm) (ET: NR)
  3. Jbe Kruger (293,3 Yards. 63kg. 166cm) (ET: 1.)
  4. Rory McIlroy (302,4 Yards. 73kg. 175cm) (ET: 17.)
  5. Charl Schwartzel (302,4 Yards. 72kg. 180cm) ET: 9.)
  6. Richard Sterne (295,3 Yards. 68kg. 170cm) (ET: NR)
  7. Clement Berardo (300,8 Yards. 72kg. 180cm) (ET: 10.)
  8. Brandon Stone (297,1 Yards. 65kg. 180cm) (ET: 2.)
  9. Louis Oosthuizen (299,5 Yards. 72kg. 178cm) (ET: 30.)
  10. Pelle Edberg (297,4 Yards. 73kg. 173cm) (ET: 18.)
  11. Haydn Porteous (303,3 Yards. 80kg. 178cm) (ET: NR)
  12. Tom Lewis (298,3 Yards. 72kg. 178cm) (ET: NR)
  13. Callum Shinkwin (303 Yards. 80kg. 180cm) (ET: NR)
  14. Nicolas Colsaerts (306,8 Yards. 80kg. 188cm) (ET: NR)
  15. Joakim Lagergren (291,7 Yards. 65kg. 175cm) (ET: 3.)
  16. Romain Wattel (295,4 Yards. 73kg. 175cm) (ET: NR)
  17. Lucas Bjerregaard (305,8 Yards. 83kg. 188cm) (ET: NR)
  18. Scott Hend (301,1 Yards. 82kg. 180cm) (ET: NR)
  19. Tyrrell Hatton (292,9 Yards. 73kg. 173cm) (ET: 26.)
  20. Andy Sullivan (293,3 Yards. 72kg. 175cm) (ET: NR)
  21. Thorbjörn Olesen (291,2 Yards. 69kg. 175cm) (ET: NR)
  22. Branden Grace (297,5 Yards. 65kg. 180cm) (ET: NR)
  23. Tommy Fleetwood (295,2 Yards. 76kg. 178cm) (ET: 28.)
  24. Marcel Siem (299,9 Yards. 75kg. 189cm) (ET: NR)
  25. Ryan Fox (306,4 Yards. 98kg. 179cm) (ET: NR)
  26. Rikard Karlberg (294,3 Yards. 73kg. 180cm) (ET: 24.)
  27. Laurie Canter (302,6 Yards. 85kg. 185cm) (ET: NR)
  28. Haotong Li (294 Yards. 70kg. 183cm) (ET: NR)
  29. Sergio Garcia (295,6 Yards. 80kg. 178cm) (ET: NR)
  30. Steve Webster (287,3 Yards. 70kg. 173cm) (ET: 13.)
  31. John Parry (282,2 Yards. 64kg. 170cm) (ET: 4.)

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