Fulvio Golob: Golf. Die schönsten Fairways der Welt

Disclaimer: Mir wurde vom Verlag ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt

„Der Golfsport ist die wahrscheinlich älteste Sportart“, schreibt der Autor in seiner Einleitung. Kein guter Start für das Buch, denn selbst wenn man, wie es der Autor tut, den Golfsport auf das römische Paganica zurückführt, haben Sportarten wie Hurling oder sicher auch Ringen eine größere Tradition. Ein verzeihbarer Fehler, doch leider zeugt die Qualität der restlichen Texte ebensowenig von guter Recherche.

Insgesamt bespricht der italienische Golf-Journalist Fulvio Golob auf den 304 Seiten seines Buchs Golf. Die schönsten Fairways der Welt 55 Plätze, fein säuberlich aufgeteilt auf Mittel- und Südamerika (6 Plätze), Nordamerika (10 Plätze), Ozeanien (3 Plätze), Asien (8 Plätze), Afrika (3 Plätze) und Europa (25 Plätze davon 13 auf den brittanischen Inseln), die jeweils auf 4-8 Seiten besprochen werden. Zu jedem Platz gibt es dabei einen Ausschnitt aus der Weltkarte, um die geographische Lage zu kennzeichnen, sowie eine kleine Scorekarte der 18 Löcher. Die restlichen Seiten werden dann mit dem begleitenden Text und Bildern gefüllt – wobei es leider nur eines der für Coffee-Table-Books typischen Doppelseiten-Bilder gibt.

Doch die Krux des Buches sind nicht die – ordentlichen, aber nicht überragenden – Fotos, sondern die Texte. So behauptet Golob im Text zum New South Wales Golf Club, Alister MacKenzie war in Australien „von der Weite der Landschaft derart beeindruckt, dass es ihm gelang, neue Aufträge zu bekommen“. Dabei lag die viele Arbeit MacKenzies in Australien vielmehr daran, dass MacKenzies Lohn für Royal Melbourne alleine zu hoch war. Deshalbt vermittelte der Club den schottischen Star-Architekte gegen Gebühr an andere Golfclubs, um die Kosten zu decken. Dass Golbo anschließend Eric Apperly, der MacKenzies Arbeit komplettierte, Eric Appleby nennt, zeugt weiter von der oberflächlichen Recherche.

Ähnliche Fauxpas finden sich in diversen Texten, beispielsweise zu Pinehurst No. 2, wo Golbo behauptet James Walker Tufts „ließ einen 9-Loch-Parcours anlegen (…) Ab Dezember 1900 nahm er Unterricht beim schottischen Immigranten Donald Ross, der im Jahr 1907 zusätzliche neun Löcher anlegte: Pinehurst No. 2 war geboren.“ Ganz so war es in Wirklichkeit nicht: Als Ross ankam, existierten laut offizieller Historie des Clubs bereits 18 Löcher, die Ross überarbeitete. Pinehurst No. 2 war dagegen – ein kleiner Tipp liegt im Namen – der zweite Platz des Resorts, und der erste, den Ross komplett selbst gestaltete. Erschwerend kommt hinzu, dass die Besprechung von Pinehurst No. 2 komplett veraltet ist, wie man an den Bildern sieht. Sie zeigen noch den mit Rough übersäten alten Look des Platzes, den Coore/Crenshaw seit 2010 cool komplett zurückgeführt haben. Denn leider wurde das 2008 erstmals erschienene Buch für diese 2013er-Version nicht etwa überarbeitet sondern nur neu aufgelegt.

Dass der Autor (und/oder der Übersetzer) schließlich bei Augusta National

  • vom „Grünen Sakko“ redet
  • behauptet der Platz sei 1934 eröffnet worden und nicht 1933
  • sich dann selber darin widerspricht seit wann das Masters ausgetragen wird
  • und ernsthaft die Behauptung aufstellt, Loch 17 (und nicht nur ein Baum) sei Präsident Eisenhower gewidmet, der das gesamte Loch (!) abreißen wollte, weil er darauf so erfolglos war

zeigt dann leider noch einmal in aller Deutlichkeit, wie schwach dieses Werk recherchiert und geschrieben ist.

2 Comments

  • Christoph sagt:

    Tja, das hat der Verlag dann wohl so gewollt?

    Wenn die Texte schon nicht so prall sind, sind denn wenigstens die Bilder interessant?

    • Linksgolfer sagt:

      Jein. Wie gesagt, sie sind ordentlich, aber nicht überragend. Da gibt es im Coffee-Table-Bereich auch deutlich Besseres, wie die Bücher von David Cannon oder Gary Lisbon.
      PS: Das auf der Startseite oben gelistete Bild ist das Centerfold des Buchs…

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