Golf Club Foehr

Unsere Bewertung

6 Reisegolfer

6 Linksgolfer

Erklärung der Bewertungsskala

Wir reden gerne über Golf und noch lieber über Golfplätze. In einem dieser Gespräche schwärmte Architekt Christian Althaus von seinem jüngsten Baby, den Golf Club Foehr. Da die Meinung eines Architekten nicht gerade objektiv ist, beschlossen wir, den Platz selber einmal unter die Lupe zu nehmen. Und da – Disclaimer – der Golf Club Foehr uns großzügigerweise anbot, greenfreefrei zu spielen, saßen wir wenige Wochen später auf einer Fähre der Wyker Dampfschiffs-Reederei um uns von den vermeintlichen Qualitäten des Platzes zu überzeugen: Der GC Föhr ist einer der ältesten Clubs Deutschlands, in seinem heutigen Zustand aber noch sehr jung: 2009 expandierte der Club von 18 auf 27 Löcher, 2014 wurden zwölf der alten Löcher renoviert.

Linksgolfer: Wir beide sind ja Fans von George Pepers True Links-Buch. Der Golf Club Foehr sieht auf den ersten Blick aus wie einer, aber erfüllt er Deiner Meinung nach alle Kriterien, um sich als echter Linksplatz zu qualifizieren?

Reisegolfer: Im heutigen Zustand würde ich schon sagen, dass sich der Platz als Linkskurs qualifizieren könnte. Für mich ist der Platz eine Art deutsches Formby. Trotz, oder gerade wegen des Waldes, wo wir beide ja etwas unterschiedliche Meinungen haben.

Die Bäume sind ja tatsächlich kein Kriterium für Peper, dennoch glaube ich, dass er den Cut nicht ganz schaffen würde. Peper fordert, das sich ein echter Linksplatz das ganze Jahr über hart und schnell spielen soll – und das wird der Golf Club Foehr nicht ganz hinbekommen. Aber dass er überhaupt in die erweiterte Diskussion kommt, ist schon eine Auszeichnung – schließlich gibt es auf Föhr so gut wie keine natürlichen Dünen. Das heißt, die gesamten Linksbahnen sind künstlich angelegt. Und anders als bei Winston „Links“ finde ich, dass man dies überhaupt nicht bemerkt.

Das stimmt. Die Anlage sieht sehr natürlich aus. Und ist mit den „Abraumhalden“ bei Winston Links auf keinen Fall zu vergleichen. Natürliche Dünen hat man bei moderneren Linkskursen ja sowieso kaum noch. Umwelt- und Naturschutzauflagen lassen eben zurecht kaum noch natürliche neue Linkskurse entstehen. Das muss aber nichts heissen. Siehe Cabot Links oder Kingsbarns. Das waren vorher eine Mine und ein landwirtschaftliches Gelände.

Mittlerweile durfte Christian Althaus auch noch etliche alte Bahnen restaurieren und dem wilden, mutigen Stil seiner neuen Löcher anpassen. So gelungen das auch ist: Man fragt sich, warum die letzten sechs Löcher nicht auch gemacht wurden, denn der optische Unterschied und der Qualitätsabfall der alten Bahnen ist schon beträchtlich. Wohl auch deshalb hat man sie auf alle drei 9-Loch-Schleifen verteilt, denn wären sie alle auf einer, würden alle nur die anderen 18 Löcher spielen wollen. Es ist allerdings eine etwas befremdliche Entscheidung alle Schleifen mit 1-2 alten Löchern enden zu lassen. Denn, wie man weiß, bleibt bei vielen Golfern der letzte Eindruck besonders hängen. Und damit hat der Golf Club Foehr meiner Meinung nach ein ernsthaftes Problem.

Die Schluss- und Anfangslöcher sind auch mein einziger Kritikpunkt an meiner ansonsten sehr guten Bewertung der gesamten Anlage. Speziell das Shaping der Bunker auf den Schlusslöchern passt leider nicht zu den ansonsten grossartigen Löchern der zwei Umbauphasen. Das ist meines Wissens auch Christian Althaus bewusst. Aber ich finde es geht etwas zu weit, dies als befremdliche Entscheidung zu benennen. Ich denke hier sind auch andere Gründe verantwortlich. Zum einen kann man mit den 3 Schleifen, die alle am Clubhaus beginnen und enden, den Verkehr besser steuern. Und zum anderen darf man nie vergessen, dass all die Umbauten auch Geld kosten. Der Golf Club Foehr ist ein privater Club, bei dem die Mitglieder entscheiden. Geld ohne Ende werden die auch nicht haben. Dort hat man keinen Investor, so wie bei dem neuen Platz im Süden der Nachbarinsel, der einfach mal seine Schatulle öffnet und alle möglichen Re-Designs finanziert. Irgendwann wird der Club auch die Schlusslöcher anpassen.

Naja, es gab mal einen Föhrer Präsidenten (und kurzzeitigen Landesminister) mit dem schönen Namen Knud Knudsen, der 1984 im Alleingang im Namen des Clubs das Gelände gekauft und die Mitglieder vor vollendete Tatsachen gestellt hat. Dem hat man heute mit einem Gedenkstein quasi ein Denkmal gesetzt. Also so ganz demokratisch muss es offenbar nicht immer zugehen. Es ist halt einfach schade, denn meiner Meinung nach wäre der Golf Club Foehr ohne diese sechs Löcher ein Kandidat für die Top 10, vielleicht sogar Top 5 in Deutschland. Oder siehst Du das anders?

Da sind wir wohl beide der selben Meinung, dass der Golf Club Foehr nach einer Anpassung der Schlusslöcher zu den 5 bis 10 besten deutschen Golfplätzen gehören kann. Bis dahin ist es für deutsche Verhältnisse ein sehr guter Platz, der auf jeden Fall die Anreise per Fähre ab Dagebüll wert ist. Ich werde auf jeden Fall wieder nach Föhr kommen, um den Platz noch mal zu spielen. Auch sonst bietet die Insel ja viele Möglichkeiten, ein paar schöne Tage zu verbringen.

Man kann ja auch mit Flugzeug nach Foehr kommen wovon die vielen startenden und landenden Kleinmaschinen zeugen. Empfandest Du das bei Deiner Runde als störend?

Nicht wirklich. Es starteten zwar regelmässig kleine Motorflugzeuge, aber so viele sind es dann auch nicht. Wenn ich spiele, konzentriere mich auf mein Golf und den Platz.

Wo siehst Du die größten Stärken des Platzes? Welche Löcher haben es Dir am meisten angetan?

Ganz klar der Linkscharakter des Platzes. Auch ohne Meerblick. Bei vielen Löchern hat der Golf Club Foehr auch dem in Deutschland alleinstehenden Budersand etwas voraus. Bei speziellen Löchern kommt mir sofort die 3 von Blau in den Sinn. Man hat Optionen und Risiko wird belohnt. Und die Par 3 Löcher sind natürlich klasse. Dabei stechen für mich Rot 3 und Rot 6 hervor. Die bleiben im Kopf. Was gefällt Dir denn am besten?

Natürlich auch Blau 3. Ich habe den Platz ja ein paar Stunden vor Dir gespielt und meine kurze SMS lautete glaube ich „Blau 3. Wow!“. Auch bei den Par-3-Löchern sind wir einer Meinung. Ich kann mich nicht erinnern, in Deutschland eine bessere Kombination an Par 3s gesehen zu haben – nur Gelb 3 fällt leicht ab. Erstaunlich ist dabei, wie variantenreich sie sind. Auf der Scorekarte sind alle sechs im Bereich zwischen 133 und 167 Metern. Aber wenn man sie spielt, ist die Bandbreite deutlich größer, da sie in alle Himmelsrichtungen ausgerichtet sind und der Wind hier ein großer Faktor ist. Ich glaube das kürzeste Par 3 spielte sich an dem Tag etwa 115 Meter, das längste über 180 Meter. Ansonsten ist gelb 8 noch klasse – und das sage ich nicht nur, weil ich mit Birdie vom Loch gegangen bist und Du sogar einen Eagle-Putt hattest.

Fairerweise muss man allerdings sagen, dass wir klassischen Vierer gespielt haben und ich an dem Loch von einem Abschlag von rot profitiert habe. Aber es ist schon ein richtig toller Platz geworden. Abwechslungsreich, interessante Grüns (wobei auf Gelb die Ondulierungen manchmal übertrieben sind) und auch fürs Auge sehr angenehm. Hat was.

Was mir sehr gut gefallen hat, sind die vielen strategischen Überlegungen, vor die man gestellt wird. Es ist definitiv kein Platz, wo jeder Spieler gezwungen wird, die Löcher auf eine ganz bestimmte Weise zu spielen. Das macht ihn meiner Meinung nach für Damen und Herren und Spieler unterschiedlicher Handicapbereiche herausfordernd ohne zu frustrieren, da es immer eine Alternativroute gibt. Hat sich dieser Eindruck bei Dir im Flight auch bestätigt?

Ja. Auf jeden Fall. Unsere Mitspieler waren seit vielen Jahre Mitglieder im Golf Club Foehr und wir wurden auch oft auf verschiedene Optionen an einem Loch aufmerksam gemacht. Der Platz bietet für jeden etwas. Spieler jeder Spielstärke können Herausforderungen und Freude haben. Das ist für mich immer sehr wichtig. Ist ja auch eines der 13 Prinzipien für Golfarchitektur von Alistair MacKenzie.

Eigentlich erfüllt der Platz alle 13 – bis auf eines: man muss desöfteren mal nach verlorenen Bällen suchen (und findet dabei auch zahlreiche fremde). Aber dieses Prinzip missachten ja auch so gut wie alle britischen Plätze mit ihren undurchdringlichen Ginsterbüschen. Nun hat der Golf Club Foehr ja 27 Löcher. Wir hatten das Glück alle spielen zu können, aber wenn man Dir sagen würde, Du darfst nur 18 spielen: Welche Kombination würdest Du wählen? Ich denke, ich würde mich für blau und rot entscheiden – und wenn ich Deine Kommentare richtig interpretiere, gehst Du da konform, oder?

Ja. Ich würde mich auch für blau und rot entscheiden. Gelb ist auch recht nett, aber dort hat man es wie gesagt mit den Ondulierungen der Grüns etwas übertrieben. Aber wie gesagt. Im Ganzen ist es ein toller Platz.

Wo würdest Du ihn unter Deinen vielen gespielten Golfplätzen einordnen? Das Top-50-Ranking des Golf Magazins, das bei uns beiden ja schon für viel Belustigung gesorgt hat, führt ihn auf Platz 31 und im Landesvergleich weit hinter Apeldör, Altenhof und Kaden – und auch deutlich hinter Pseudo-Links wie Winston oder Wittenbek.

Grundsätzlich halte ich ja das gesamte diesjährige Ranking im Golf Magazin für einen Witz. Vor allem bei den Plätzen, die ich schon gespielt habe, und bei denen ich vergleichen kann. Und bei den oben angesprochenen Plätzen im Norden verstehe ich absolut nicht, warum diese vor Föhr platziert sind. Ich kann es mir nur dadurch erklären, dass die meisten Bewerter den umgebauten Platz noch nicht kennen. Oder ein „David Krause Fanclub“ hat es geschafft, mehrfach Stimmen abzugeben. Man weiß es nicht…

Gespielt am 8.8.2015

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