Golf Platja de Pals

Unsere Bewertung

5 Linksgolfer

Erklärung der Bewertungsskala

Wer eine Runde in Platja de Pals spielt, bewegt sich auf historischem Boden. Denn am 12.April 1972 wurde hier mit der Open de España die European Tour ins Leben gerufen. Am Ende triumphierte der spätere spanische Ryder Cupper Antonio Garrido mit einem Score von 1 über auf dem Par-73-Layout. Erstaunlich eigentlich, denn das wunderschön in einen Pinienwald geschlagene Design von Sir Fred Hawtree ist zumindest heute ein exzellenter Resort-Platz für Spieler aller Handicap-Klassen. Natürlich zahlt es sich aus, wenn man sich in Platja de Pals vom Gehölz fern hält, doch der Platz ist fair genug, dass man auch von dort den Ball zumindest ins Spiel zurück bringen kann.

Seit 1966 wird in Platja de Pals Golf gespielt. Damit ist die Anlage, die im nächsten Jahr ihren 50.Geburtstag feiert, der älteste Golfplatz der Costa Brava. Und auch im Fast-Senioren-Alter beweist er immer noch, dass er mit den jüngeren, vermeintlich hübscheren Konkurrenten in der Nachbarschaft mithalten kann. Wenn man heute das Land zum ersten Mal sieht, kann man sich kaum vorstellen, dass hier vor 70 Jahren noch gähnende Leere war. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es nur Dünen, erst da wurde der gigantische Pinienwald gepflanzt, der mit seinen wunderschönen Schirmkronen heute eine atemberaubende Kulisse für die Golfbahnen liefert.

Dieser ungewöhnliche Mix sorgt für ein spannendes Spielerlebnis. Denn das Layout von Platja de Pals ist ein Parkland-Platz, der sandige Boden sorgt aber für einen linksartigen Untergrund und spielt sich schnell und hart. Deshalb würde der selbst von den weißen Tees nur 6263 Meter lange Platz für Profis heute kaum noch so hohe Ergebnisse wie 1972 liefern. Doch für Otto Normalvergolfer ist er dadurch ideal. Nicht, dass er ein Pushover wäre, aber er liefert bei normalem Spiel gleichermaßen ein gesundes Maß an Erfolgserlebnissen und Katastrophen. So begann ich meine Runde mit einem (glücklichen) Birdie und einem Par, versenkte am dritten Tee meinen Abschlag in der Seitentasche meines eigenen Bags, vermurkste anschließend unter Lachkrämpfen einige Löcher, fing mich dann wieder, um am Ende nur um 5cm einen Eagle-Putt zu verfehlen.

Wie für einen Touristenplatz im Süden mittlerweile üblich, dominieren Carts das Bild auf den Fairways. Doch Platja de Pals lässt sich mindestens genauso gut zu Fuß bewältigen und ist ein sehr angenehmer Spaziergang. Was das Design des Platzes angeht, sticht vor allen Dingen die exzellente Platzierung der Fairwaybunker ins Auge. Auf den meisten Löchern – und besonders in Doglegs – wurden sie nur auf eine Seite gebaut. Wer ihnen aus dem Weg gehen will, kann also versuchen den Drive auf die Seite ohne Hindernisse zu platzieren. Wer jedoch aggressiv in Richtung der Bunker spielt und versucht, den Drive dahinter, davor oder knapp daneben zur Ruhe kommen zu lassen, wird mit einem deutlich angenehmeren Schlag ins Grün belohnt. Ein strategisches Designelement, das immer einen positiven Eindruck hinterlässt.

Auch sonst merkt man, dass Hawtree mit Platja de Pals vielen Designprinzipien der großen Meister gefolgt ist. So sorgt er mit drei kurzen Par 4s (289, 313 und 315 Meter von weiß) für einen nicht zu schwierigen Start in die Runde, der dem Spieler einige Anlaufschwächen gewährt und den Spielfluss nicht gleich zum Stocken bringt oder für Staus am ersten Tee sorgt. Doch danach folgen gleich die zwei schwierigsten Löcher auf den Front 9: ein langes Par 4 von 377 Metern und ein 479 Meter langes Par 5. Dennoch können die Front 9 noch nicht vollends überzeugen. Die Bahnen haben ein etwas montones Feeling und der einzige Ausreißer, Loch 7, hebt sich nur durch ein fragwürdiges architektonisches Stilmittel ab: eine Reihe von Bäumen, die das gesamte Fairway kreuzen. Optisch ein Hingucker, was die Spielstrategie angeht jedoch ein einziges Glücksspiel.

So richtig reizvoll wird die Runde erst ab der 9, einem schicken Par 3 mit Forced Carry über Wasser und einem gut von Bunkern verteidigtem Grün. Danach folgt ein kurzes, aber schmales Par 4 mit einem erhöhten Grün; das kürzeste und attraktivste Par 3, das seine Schwierigkeit dadurch erhält, dass man aus den Bäumen über Bäume in das tiefliegende Grün spielen muss; und die äußerst schwierige Bahn 12, ein (von weiß) 421 Meter langes Dogleg Par 4, das in einem langgezogenen, erhöhten Grün endet, das von Bäumen eingerahmt wird. Diese vier Bahnen von Platja Pals gehören mit zum attraktivsten, was die Costa Brava an Golf zu bieten hat. Besonders wenn man eine späte Startzeit bucht und die langsam sinkende Sonne ein traumhaftes Sonnen- und Schattenspiel über die Fairways, die Bäume und in den Himmel zaubert.

Allerdings zahlt man dafür auch einen stattlichen Preis. 89 Euro ist die Rack Rate in der Hochsaison, die allerdings nur Juli und August sowie ganzjährig Wochenende und Feiertage umfasst. Den Rest der Zeit kann man auf den Hof fahren und für 78 Euro aufteen. Wer allerdings vorab über einen der vielen Teetime-Anbieter an der Costa Brava bucht, kann auch schon mal eine Runde für um oder unter 50 Euro spielen. Ein absolut fairer Preis für einen fairen Platz mit angenehmem Flair.

Gespielt am: 22.10.2015

Disclaimer: Dieser Bericht entstand im Rahmen einer Einladung. Greenfee, Anreise und Logie wurden gestellt.

2 Comments

  • Christian sagt:

    Ich habe mich beim Bild der 11 gefragt, ob man diese wohl am besten nur mit dem Putter spielt? Hängt man sonst nicht nur in den Baumkronen?

    • Nein, das ist kein Problem. Man hat ja einen erhöhten Abschlag und muss nur ein Eisen 8, maximal 7 nehmen. Das fliegt im hohen Bogen darüber – zumindest in der Theorie. In der Praxis bin ich natürlich mit einem miesen Schlag in den Bäumen hängen geblieben 😉

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