Gracehill Golf Club – der Weg nach King’s Landing

Unsere Bewertung

3 Linksgolfer

Erklärung der Bewertungsskala

Wer mit dem Auto in Richtung Stranecum fährt, um eine Runde im Gracehill Golf Club zu spielen, wundert sich vielleicht, warum sich vor und hinter einem so viele Busse die schmalen, welligen Straßen entlangschlängeln. Denn es sind nicht etwa Golfer, die ein vermeintliches Hidden Gem spielen wollen. Es sind Fans der HBO-Hitserie „Game of Thrones“, die nur wenige hundert Meter entfernt vom 1775 gegründeten Anwesen Gracehill eine ihrer Pilgerstätten gefunden haben: die Dark Hedges, in Fankreisen besser als „Road to King’s Landing“ bekannt.

Die eindrucksvolle Allee mit den hunderte Jahre alten Buchen diente einst als Auffahrt zur Villa, heute fährt man ein paar Meter weiter die Straße zum Clubhaus hinauf. 1995 gestaltete Frank Ainsworth hier einen Parkland-Platz im amerikanischen Stil. Doch wer nach Irland fährt, will in erster Linie Linksgolf spielen – besonders wenn innerhalb von nur 45 Minuten Fahrtzeit etliche Weltklassekurse zur Verfügung stehen. Dass Gracehill trotz seines spottbilligen Greenfees von 20/25 Pfund nicht gerade ein Tourismusmagnet ist, merkt man überall. Birdiebooks gibt es ebensowenig wie Abschlagtafeln, und ein Entfernungsmarker steht lediglich 150 Yards vom Grün entfernt. Wer also kein GPS- oder Lasergerät dabei hat, spielt den Platz quasi blind.

Entsprechend orientierungslos ging ich auf die Suche nach dem ersten Tee, das mich – als ich es endlich gefunden hatte – noch orientierungsloser zurück ließ. Denn das erste Grün liegt erhöht, eingebettet zwischen Bäumen hinter einem Bach und wirkt im ersten Moment eher wie ein Par 5 als ein Par 4 – besonders wenn man den Abschlag direkt hinter das einzige Baumstämmchen ablegt und rauschippen muss. Dass am Ende ein Par heraussprang, zeigt dann aber doch, dass man sich mit zuviel Informationen über Distanz und Co. ab oft nur aus dem Konzept bringt und es manchmal besser ist, einfach nur aus dem Bauch zu spielen.

Der Bach mit seinen schicken roten Brücken begegnet dem Spieler auf der Runde öfter und ist eine schöne, idyllische Abwechslung. Denn was danach folgt ist erst einmal relativ monoton. Die meisten Bahnen auf den Front 9 von Gracehill laufen relativ uninspiriert nebeneinander her. Das nächste Highlight liefert erst das Loch 6, oder genauer gesagt das als eine Art Punchbowl angelegte Grün des Par 4s. Allerdings sind die Seiten des Punchbowls nicht kurz gemäht, so dass man eine unangenehme Lage bekommen kann, wenn man das Grün verfehlt. Früher war die Schwierigkeit des Lochs noch höher, da ein mächtiger Baum das Grün auf der linken Seite verteidigte. Vor einigen Jahren fiel er einem Sturm zu Opfer und heute bleibt nur noch der Stumpf als optischer Augenreiz.

Das alles erfahre ich zwei Löcher später von drei netten Clubmitgliedern, die mich nicht einfach durchwinken sondern gleich in ihre Runde aufnehmen. Ein Umstand, über den ich nicht gerade unglücklich bin, denn zum Einen sind die Nordiren ein extrem freundliches Volk und zum anderen muss ich die Entfernung zur Fahne nicht weiter mit dem Auge lasern. Mit der neuen Gesellschaft verändert sich auch der Platz etwas zum Positiven, denn die Back 9 von Gracehill haben deutlich mehr Charakter.

Die 11 ist ein Par 3, das rund 160 Meter carry über einen Teich geht. Die 13, ein langes Par 4 das zurecht Stroke Index 1 trägt, führt durch eine enge Schneise hinaus und macht in der Drivelandezone einen scharfen Knick nach rechts. Die 14 trägt den bezeichnenden Namen Wing’N’Prayer und ist ein 200 Yards (für Frauen 148 Yards) langes Par 3 über Wasser. Und auf der 15 muss man, wenn die Abschläge hinten gesteckt sind, den Drive gut 200 Meter schlagen, um eine Heidelandschaft zu überwinden (einer der Spielpartner erzählte, bei Turnieren im Club chippt schon mal manch einer den Ball die 60 Yard lange Abschlagbox runter und legt vor, was allerdings nicht für die Qualität des Lochs spricht). Und schließlich führt die 18 von einem erhöhten Abschlag in einem Dogleg nach links auf ein erhöhtes Grün zu und gewährt zumindest im April den Blick auf einen schick rosa blühenden Kirschbaum.

Doch im Endeffekt kann man niemandem guten Gewissens empfehlen Plätze wie Portstewart oder Royal Portrush links liegen zu lassen und stattdessen diesen handelsüblichen Parkland-Platz zu spielen. Denn Irland ist nun mal auch nicht die trockenste Gegend der Welt, wodurch man auf den knüppelharten Linksplätzen einfach bessere Platzverhältnisse hat als auf einem weichen Parklandplatz. Wer allerdings jeden Tag Golf spielen und seinen Geldbeutel ein wenig schonen möchte, ist hier an der richtigen Adresse. Zumal der Abstecher zu den Dark Hedges wirklich sehenswert ist.

Gespielt am: 19.4.2016

Disclaimer: Dieser Bericht entstand im Rahmen einer Pressereise. Greenfee, Anreise und Logie wurden bezahlt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.