Inselkoller: TPC Sawgrass und seine Nachahmer

Es gibt Dinge im Golfsport, die schlichtweg genial sind. Die perfekt manikürten Fairways und Grüns von Augusta National. Die Stadionatmosphäre bei der Phoenix Open. Oder die Partisanen-Mentalität beim Ryder Cup. Was diese Dinge so genial macht, ist vor allen Dingen eines: ihre Einzigartigkeit. Würde jemand heute ein Par 3 bauen, das so perfekt gepflegt ist wie Augusta National, ein Stadion drum herum errichten und dann Europa gegen USA darauf antreten lassen: es würde niemals den gleichen Reiz erzielen.

Und genau so ist es mit der Players Championship und Pete Dyes legendärem 17. Inselgrün. Einmal im Jahr ist es ein großes Vergnügen zu sehen, wie selbst die besten Spieler der Welt an einem Schlag verzweifeln, den sie eigentlich im Schlaf beherrschen. Aus lächerlichen 125 Metern ein 363 Quadratmeter großes Grün zu treffen. Die Bilanz in diesem Jahr war besonders verheerend. 69 Bälle landeten im Wasser. Seit 2003 wurden nur ein Mal mehr Bälle nass. Bei insgesamt 510 Schlägen, die ins Grün ausgeführt wurden (etliche davon aus der Drop Zone und damit aus noch kürzerer Entfernung) fand also fast jeder siebte ein nasses Grab.

Wenn also die Besten der Besten schon solche Probleme haben. Wie soll es dann dem typischen Amateur-Golfer gehen, der die gleiche Aufgabe mit Handicap 18 und zittrigen Knien bewältigen soll? Natürlich ist die 17 ein geiles Loch, das jeder in seinem Leben einmal spielen sollte. Aber es ist nun mal ein cooles Loch in genau dieser Umgebung und genau diesem Szenario. Und dennoch glaubt mittlerweile fast jeder Club, dass er ein Inselgrün besitzen muss, um seinen Mitgliedern etwas zu bieten.

Doch tut man den Mitgliedern damit wirklich einen Gefallen? Einen Ballschlucker auf einem Resortplatz zu bauen, den man einmal im Leben spielt, ist eine ganz andere Sache, als ihn auf einem Platz zu bauen, den zu 90% Mitglieder spielen. Zumal viele Architekten dabei das grundlegende Prinzip der 17 von Sawgrass vergessen. Es ist ein kurzer Schlag auf ein großes Grün. Der normale Golfer hat in Sawgrass zwischen 84 und 117 Meter zu bewältigen, eine Distanz, für die die meisten zwischen Pitching Wedge und Eisen 7 benötigen. Und trotzdem werden hier Jahr für Jahr 100.000 Bälle versenkt. Es macht also keinen Sinn, ein Inselgrün für größere Entfernungen zu bauen. Und doch wird es wieder und wieder gemacht.

Beispiel Gut Kaden: Auf Bahn C9 findet sich ein Inselgrün als Abschluss eines Par 4s, das von weiß 332 Meter und von rot 271 Meter lang ist. Um eine Distanz wie in Sawgrass zu bekommen, müssten Herren den Drive gut 210 Meter schlagen und Damen 180-190 Meter. Eine Länge, die für die meisten utopisch ist. Als Resultat wird das Grün entweder aus Distanzen angespielt, aus denen die Erfolgschance gering sind. Oder der Ball wird noch einmal vorgechippt, bis die Distanz vernünftig ist.

Beispiel Hardenberg: Die Bahn 11 des Niedersachsenkurses hat ein Inselgrün, das ein reines Marketing-Tool für die Prospekte ist. Rein golftechnisch ist es jedoch aberwitzig. Zwischen 181 und 127 Meter sind vom Tee zum Keilerkopf zu bewältigen. Ja, die Abschläge sind erhöht, wodurch es sich kürzer spielt. Aber es macht den Schlag auch windanfälliger. Und mit einem Wedge dürfte hier selten jemand am Abschlag stehen.

Natürlich trägt Pete Dye keine Schuld daran. Er hat das Inselgrün nicht erfunden. Auch schon vor TPC Sawgrass gab es dieses Designelement. Doch erst seitdem die Players Championship in die heimischen Wohnzimmer flimmert, hat ein regelrechter Boom eingesetzt. So wie Clubbesitzer und Spieler seit den Masters-Übertragungen wegen jedem braunen Grashalm im Sekretariat auf die Barrikaden gehen, halten sie auch Inselgrüns für das Non Plus Ultra. Doch es reicht, sich ein paar Stunden an ein solches Grün zu setzen, um zu verstehen wie kontraproduktiv es ist. Der goldene Grundatz „Know your audience“ gilt nicht nur bei Vorträgen, sondern auch auf dem Golfplatz. Wenn ein Großteil der Mitglieder zwei Bälle aufteet, im Wasser versenkt und frustriert zum nächsten Tee weitergeht, freut sich einzig und allein der nächste Golfball-Taucher. Die 17 von Sawgrass ist genial. Aber niemand braucht sie im GC Hintertupfingen.

3 Comments

  • Christoph sagt:

    Das mit dem großen Grün hat man auf anderen Plätzen auch nicht verstanden.
    http://www.kiawahgolf.de/images/birdiemaker/birdiemaker08.jpg
    138m bei 18m Grüntiefe und das Grün dann noch leicht abschüssig, da werde ich auch immer zum PAR3-Vorleger.

  • Reinhard sagt:

    Und doch …… es ist ein tolles Erlebnis ein Inselgrün zu spielen!
    Der Reiz des ‚Risk and Reward‘ ist nun einmal einzigartig.
    Und hier gut nun einmal kein ‚Vorlegen‘. Über das Wasser muss man!

    Zum einen kann ich auch für mich in Anspruch nehmen Sawgrass No. 17 bereits zweimal im Leben gespielt zu haben. Einmal mit 2 Bällen im Wasser – danach muss man droppen!!! Beim zweiten Mal mit einem Par. Und es war ein tolles Erlebnis, dass ich jedem Golfer wünschen würde!

    Und außerdem gibt es hier in Deutschland die Möglichkeit dieses Par 3 im Maßstab 1:1 auch selber zu spielen. West Golf in Pulheim hat eine originalgetreue Kopie dieses Loches für jedermann

    http://west-golf.com/unsere-anlage/players-course/

    Es stimmt aber auch: Länger … muss ein Inselgrün (oder ein Schlag darauf) nicht sein!

    • Wobei ein Inselgrün – wenn man es ganz genau nimmt – kein Risk-Reward-Loch ist. Das Risk-Reward-Prinzip basiert darauf, dass man einen Schlag sparen kann, wenn man den riskanteren Weg nimmt. Bei Inselgrüns gibt es keinen alternativen Weg, jeder muss das Risiko gehen. Ich glaube, man nennt es deshalb auch „Heroic Design“ (bin mir aber nicht sicher). Aber auch das hat seinen Reiz.

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