Martin Kaymer nimmt Abschied von der PGA Tour

Im Vorfeld der Wyndham Championship war viel davon zu lesen, welchen Platz Martin Kaymer belegen muss, um doch noch in die Playoffs um den FedEx-Cup einzuziehen. Dieses Ziel hat er mit seinem 14. Platz verfehlt. Doch was niemand zuvor berichtet hat, ist, dass es nicht nur um die Playoffs ging: es ging auch um seine Mitgliedschaft auf der PGA Tour. Von der kann sich der Mettmanner nämlich jetzt erst einmal verabschieden, wie ein Sprecher der PGA Tour mir auf Anfrage offiziell bestätigte.

Denn die PGA-Tour-Membership ist nicht nur ein Privileg, sondern auch eine Pflicht. Und zu der gehört neben einem jährlichen Mitgliedsbeitrag von $100, der Zahlung mit gedeckten Schecks (sonst gibt es $200 Strafe) und einem Verhalten, das eines Profis würdig ist, auch die Teilnahme an 15 von der PGA Tour sanktionierten Turnieren. Die Wyndham Championship ist Kaymers dreizehnter Start auf der PGA Tour. Ganz klar: der Deutsche hat sich verzockt. Im letzten Jahr hatte er bereits vor der Wyndham Championship 14 Turniere auf dem Konto. Dieses Jahr hat er bei seiner Turnierplanung die Playoffs als gegeben angesehen und deshalb einschließlich der PGA Championship weltweit insgesamt nur 17 Turniere (im Vergleich zu 19 im Vorjahr) gespielt, um für die Schlussphase der PGA-Tour-Saison fit zu sein. Doch die findet jetzt ohne ihn statt.

Spieler wie Kaymer, die eine andere Tour als die PGA Tour ihre Heimat nennen, genießen besondere Privilegien. Amerikaner dürfen lediglich für je fünf Starts auf der PGA Tour einmal auf einer anderen Tour antreten. Kaymer darf so viele Starts in Europa wahrnehmen, wie er möchte – unter einer Bedingung.

Such foreign PGA TOUR member shall be eligible for this “home circuit” exception to provisions of these Regulations with regard to conflicting tournaments provided he has played, or committed to play, in a minimum of 15 PGA TOUR cosponsored or approved tournaments in the season

Was passiert, wenn jemand die Mindest-Starts verfehlt, ist im Handbuch der PGA Tour klar geregelt – sogar explizit für den Fall von Spielern wie Kaymer, die eine andere Tour ihre Heimat nennen:

Any PGA TOUR member who (…) in the case of a Regular Member (…) takes advantage of the provisions of Section A-2d of Article V (“home circuit exception”) to the conflicting event rule for foreign members and thereafter fails to honor his commitment to play in at least 15 PGA TOUR cosponsored or approved tournaments (…) shall lose his PGA TOUR membership as of the conclusion of the season in which he fails to play such 15 events and shall not be eligible to apply for reinstatement to PGA TOUR membership for one season.

Kurz gesagt: Wenn Tim Finchem nicht „außergewöhnliche Umstände“ gelten lässt, kommt er am Sonntag der Tour Championship vorbei, schnappt sich Kaymers Mitgliedsausweis und zerschneidet ihn wie eine überzogene Kreditkarte. Dies heißt keineswegs, dass Martin Kaymer im Jahr 2016 nicht mehr auf der PGA Tour antreten wird. Wer auf diese Art und Weise seine Mitgliedschaft verfallen lässt, darf nach aktuellem Stand bis zu zwölf Mal auf der PGA Tour starten – WGCs und Majors eingerechnet. Dies bedeutet, dass Kaymer seine bisherige Taktik blockweise Auftritte in den USA und Europa zu starten, um den Reisestress zu reduzieren, vermutlich nicht mehr beibehalten kann – wobei der durch Olympia 2016 komprimierte Turnierplan diese Problematik ein wenig reduziert.

Eine Teilnahme an den Playoffs zum FedEx-Cup 2016 kann er aber auf jeden Fall vergessen, selbst wenn er die größte Saison seiner Karriere hinlegt. Nicht alle werden darüber traurig sein, denn dies bedeutet, dass der Deutsche in diesem und im nächsten Herbst wieder vermehrt bei den europäischen Turnieren zu sehen sein wird. Und auch für Kaymer muss es kein Nachteil sein: Er wird das Jahr sicherlich nutzen, um darüber nachzudenken, ob ihm die 12 Starts nicht vielleicht sogar reichen und wo er in Zukunft den Schwerpunkt seiner Karriere legen will. Falls er möchte, hat er nach seinem „Strafjahr“ jederzeit die Möglichkeit, auf die PGA Tour zurückzukehren.

Any PGA TOUR member who resigns from membership while playing under a multi-season exemption and thereafter notifies PGA TOUR that he desires to rejoin as a member after having fulfilled the one (1) season waiting period, as applicable, referred to above in this Section D.2, shall be entitled to rejoin the TOUR at the beginning of any season remaining in his exempt period, and shall be entitled to the remaining portion of such multi-season exemption.

Kaymers Exemption für den Sieg bei der Players Championship gilt noch bis 2019, er könnte also 2017-2019 wieder als volles PGA-Tour-Mitglied antreten. Dann müsste er allerdings einen konsequenteren Spielplan verfolgen, als es in 2015 der Fall war, und im Frühjahr und Sommer mehr Starts einplanen. Ob dies zu seiner Philosophie von Profigolf passt, muss man nach den letzten Jahren bezweifeln.

4 Comments

  • Obelix sagt:

    Naja, dasmacht doch dann keinen so großen Unterschied. Wenn Martin in diesem Jahr auf 14 Turniere auf der PGA Tour kam (incl. WGC’s und Majors), dann werden es im kommenden Jahr halt die 12, die er spielen darf. Ich denke, er sieht das relativ entspannt.
    Ich könnte mir auch vorstellen, dass er dann etwas mehr auf der ET spielen wird. Was ja auch für die Qualifikation zum Ryder-Cup nicht das schlechteste sein muss.

    Ich bin eher darauf gespannt, ob man ihn eventuell bei der KLM Open, oder der Porsche European Open sehen wird. Wären ja durchaus interessante Alternativen.

    • Wenn man ignoriert, wie sehr ihn der Aufriss, der bei der BMW Open um ihn gemacht wird, stört. Und dass er statt um 1,44 Millionen Dollar um 330.000 Euro spielt. Ja, dann ist Griesbach eine interessante Alternative.

      • Obelix sagt:

        @ Linksgolfer:
        Natürlich hast du Recht, dass der Vergleich zwischen den Preisgeldern bei den FedEx-Cup-Play-Offs und der Porsche European Open lächerlich ist. Aber da ich davon ausgehe, dass es Martin nicht um das Geld geht (davon hat er eh genug), ist dieser Aspekt zu vernachlässigen.
        Beim Punkt, dass er sich bei Heimspielen, wegen des Rummels um seine Person herum, nicht sehr wohl fühlt, muss ich dir Recht geben.

        Ich denke, er wird aus neun Turnieren (KLM Open European Open, Dunhill Links, British Masters, Portugal Open, Turkish Airlines Open, WGC-HSBC, BMW Masters und das Finalturnier in Dubai), wohl sechs oder sieben auswählen und spielen.
        Aber das ist erst einmal nur meine Meinung.

  • SebSwo sagt:

    FINAL SERIES auf der European Tour muss jetzt das Ziel sein…KLM Open, Porsche European Open, Dunhill Links und British Masters oder Poirtugal Masters davor zur Vorbereitung machen Sinn. Da gibt es ja dann schon jede Menge Ryder-Cup-Punkte zu gewinnen.

    PS: Aber was ich ein starkes Stück finde, wie selbstverständlich sein Management bezüglich Wyndham Championship von den Fedex Cup Playoffs auf der Webseite sprach…

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