Masters 2013: Statistiken und Randnotizen zu den ersten zwei Tagen

Schnecken-Alarm

Knapp 6 Stunden Spielzeit wurden von den letzten Flights für die zweite Runde benötigt. Ein unhaltbarer Zustand, da sind sich alle drüber im Klaren. Nun hat sich endlich einmal ein Offizieller entschlossen die Regeln, die es für diesen Fall gibt, anzuwenden – und alle heulen rum weil es angeblich den Falschen getroffen hat. European-Tour-Schiedsrichter John Paramor drückte ausgerechnet dem chinesischen Teenager Tianlang Guan einen Strafschlag auf. Was war passiert? Am 10. Loch hatte der Flight von Guan, Ben Crenshaw und Matteo Manassero über ein Loch Rückstand nach vorne und wurde von Paramor gewarnt, dass sie auf der Uhr sind. Jedem, der den Flight beobachtet hatte, war klar, dass der Grund dafür Guan hieß, der sich vor jedem langen Schlag 1-2 Minuten Zeit statt der erlaubten 40 Sekunden nahm. Also tat Paramor das, was er auch schon mit Ross Fisher bei der Wales Open gemacht hatte: Er warnte Guan. Und warnte ihn. Und warnte ihn. Und warnte ihn. Bis er an der 17 für den zweiten Schlag erneut seine Zeit signifikant überschritt und den fälligen Strafschlag bekam. Es ist der erste Strafschlag in der Geschichte des Masters, deren Offizielle vor dem Turnier ankündigten etwas gegen Slow Play unternehmen zu wollen – so wie die LPGA Tour und Paramors European Tour, die regelmäßig Strafschläge raushauen. Und auch in der Major-Geschichte gab es schon Strafschläge: Zuletzt bekam Gregory Bourdy bei der PGA Championship 2010 einen. Nur Tim Finchem sitzt auf seinem Hintern und hält die Hände still: Die PGA Tour verteilte zum letzten Mal vor 18 Jahren an Glen Day eine Strafe und erteilt den Schleichern damit einen Freibrief. Und trägt damit indirekt eine große Mitschuld an der Strafe von Guan und dem Slow-Play-Problem auf den Plätzen der Welt.

Der erste Titelträger

Trotz Strafschlag hatte Tianlang Guan gestern Grund zum Jubeln. Als einziger Amateur schaffte er den Cut und sicherte sich damit bereits jetzt die Trophäe für den Leading Amateur. Mit 14 Jahren und 5 Monaten brach Guan darüber hinaus Matteo Manasseros Rekord für den jüngsten geschafften Cut in Augusta um mehr als zwei Jahre und dazu den PGA-Tour-Rekord von Bob Panasik um mehr als ein Jahr, der 1957 bei der Canadian Open mit 15 Jahren, 8 Monaten und 20 Tagen im Wochenende war. Nur um eine Woche verpasste Guan darüber hinaus den Rekord des jüngsten Major-Teilnehmers überhaupt, den weiterhin Young Tom Morris hält, der bei der Open Championship 1865 14 Jahre, 4 Monate und 25 Tage jung war.

Tiger-Trouble

Tiger Woods bekommt heute Nacht bestimmt noch Albträume von der 15. Als er einen perfekten dritten Schlag mit dem Wedge machte, traf er den Flaggenstock, der Ball wurde zurück katapultiert und landete im Wasser. Das statt des sicheren Birdies resultierende Bogey sorgte dafür dass Woods eine 71 statt einer 69 spielte und die Runde auf dem siebten Platz beendete. Eine signifikante Änderung, denn Tiger Woods hat noch nie ein Major gewonnen wenn er in der zweiten Runde nicht unter 70 gespielt hat und außerhalb der Top 5 in das Wochenende ging. Doch damit nicht genug des Ärgers: Im Interview direkt nach der Runde erzählte Woods, dass er seinen fünften Schlag von zwei Yards weiter hinten ausführte. Normalerweise kein Problem – wenn der Ball nicht von der Grünseite ins Hindernis gerollt wäre und damit den Kreuzungspunkt veränderte. Denn damit hätte Woods von der falschen Stelle gespielt, was laut Regelbuch mit der Disqualifikation zu bestrafen ist.

Was Langer währt

Zum 30. Mal spielt Bernhard Langer dieses Jahr in Augusta. Man sollte meinen der Deutsche habe in dieser Zeit alles gesehen. Doch gestern gelang ihm etwas, was er in seiner Karriere noch nie geschafft hat: ein Eagle an Loch 2, dem ersten Par 5 des Platzes. Es waren für den Anhausener die ersten gewonnenen Kristallgläser seit er in der Schlussrunde 2004 die 15 in zwei unter Par spielte. Durch diesen Rückenwind vermied der 55-Jährige den zuletzt traditionellen Einbruch in der zweiten Runde und schaffte seinen ersten Cut seit 2005.

Einzelgänger

Bubba Watson darf weiter machen. Weil Jason Day an den letzten beiden Löchern knapp das Birdie verpasste, blieb der amtierende Champion aufgrund der 10-Schläge-Regel im Rennen und vermied es als erster Titelverteidiger seit Mike Weir das Wochenende zu verpassen. Weil Watson als letzter mit vier über Par ins Clubhaus kam und eine ungerade Zahl an Spielern den Cut schafften, darf Bubba heute die Atmosphäre von Augusta auf besondere Art aufsagen: er darf als Einzelflight auf die Runde gehen. Für Watson, der gerne schnell spielt und auf Runden oft abgelenkt wird weil es so langsam voran geht, sicher eine Erleichterung. Es würde nicht überraschen wenn er die 18 Loch in einem Drittel der Zeit des Führungsduos absolvieren würde.

Birdie-Festival

Die erste Runde sorgte für ein Festival der roten Zahlen. Insgesamt 33 Runden wurden unter Par gespielt, die vierthöchste Zahl überhaupt nach den ersten Runden 2009 (38), 1992 (35) und 1993 (34). Hauptgrund dafür war Loch 15, das in der ersten Runde sage und schreibe zehn Eagles gestattete, drei mehr als in jeder Turnierrunde seit 1934.

Sieger-Spekulationen

Laut Justin Ray von ESPN waren 13 der letzten 14 Masters-Gewinner nach zwei Runden in den Top 5 platziert, aber nur zwei der letzten 13 Sieger haben auch nach 36 Loch geführt. Sollten sich diese Trends bestätigen, würden die Top-Favoriten Fred Couples, Marc Leishman, Angel Cabrera, Jim Furyk und Brandt Snedeker heißen.

Der neue Cut…

…kam in diesem Jahr nicht zur Geltung. Vor dem Turnier hatte Augusta-Chairman Billy Payne angekündigt, dass nicht nur die Top 44 und Schlaggleiche sondern die Top 50 ab sofort im Wochenende sind. Doch weil die 10-Schläge-Regel ins Spiel kam, hatte dies keine Auswirkung. 61 Spieler lagen am Ende innerhalb von zehn Schlägen zum Führenden – und es wären sogar noch neun mehr gewesen hätte Jason Day an der 16 nicht ein Birdie gespielt. Damit kann der Australier nicht damit rechnen von Webb Simpson, Matteo Manassero und Graeme McDowell eine Weihnachts-Grußkarte zu bekommen, die bis zuletzt hofften noch dabei zu sein. Hätte Day an der 18 noch ein Bogey kassiert wäre es das größte Masters-Feld der Geschichte gewesen. So bleibt der Rekord für die meisten Spieler im Cut weiterhin bei 64 im Jahr 1966.

Team Australia

Man mag es kaum glauben angesichts ihrer dominanten Rolle im Golfsport, aber bis heute hat noch nie ein Australier das Masters gewonnen – in erster Linie weil Greg Norman so viele Siegchancen wegwarf. Doch dieses Jahr steht das Kontingent aus Down Under so gut wie nie da. Lediglich vier Spieler haben sie am Start, aber allesamt mit Siegchancen: Jason Day führt, Marc Leishman ist Zweiter, Adam Scott belegt Platz sechs und John Senden liegt auf Platz 13.

Team Germany

Mit Martin Kaymer und Bernhard Langer haben es tatsächlich zwei Deutsche ins Wochenende geschafft. Es ist das dritte Mal in der Masters-Geschichte, dass wir zwei Teilnehmer am Samstag und Sonntag haben. 1996 und 2004 durften Alex Cejka und Bernhard Langer je vier Runden absolvieren.

Statistiken im Schnelldurchlauf

  • Mit nur drei Bogeys nach 36 Loch stellte Tiger Woods seinen persönlichen Rekord ein
  • Warum Titelverteidiger Bubba Watson so weit hinten liegt? Er hatte bisher sechs Dreiputts, nur Craig Stadler hatte genausoviele. Martin Kaymer, der nach der Runde wieder über sein putten klagte hatte nur einen
  • Jamie Donaldson hatte in der ersten Runde auf Loch 6 das erste Hole-in-One seit Chris DiMarco 2004
  • Kein Spieler traf mehr Fairways als Bernhard Langer, der wie David Toms lediglich drei verfehlte. Ian Poulter traf in zwei Runden hingegen weniger als Langer in seiner ersten
  • Kein Spieler traf mehr Grünbunker als Y.E. Yang, der sage und schreibe neun Mal in ihnen lag – und nur fünf Mal das Par rettete
  • Die Löcher 1, 4 und 12 bereiteten den Spielern bisher das größte Kopfzerbrechen. Alleine auf ihnen verlor der durchschnittliche Spieler zusammengerechnet mehr als einen Schlag

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