Masters Countdown. Teil 4: Horton Smith

Der Name von Horton Smith ist für immer mit der Golflegende Bobby Jones verbunden. Als Jones unmittelbar nach seinem einzigartigen Grand Slam seinen Rücktritt erklärte, ging Smith in die Geschichtsbücher als der letzte Golfer ein, der Bobby Jones besiegt hatte; 1930 bei den Savannah Open – und das obwohl dieser während des Turniers zweimal den Platzrekord verbesserte. Vier Jahre später, als Jones aus Ärger über die USGA sein eigenes Turnier ins Leben rief, war Horton Smith der erste Spieler, der das Masters – oder Augusta National Invitational, wie es damals noch hieß – gewann. 1936 triumphierte er erneut in Augusta und gewann damit sein zweites und letztes Major.

Geboren am 22. Mai 1908 in Springfield, Missouri als Sohn eines Farmer-Ehepaars, ging er die übliche Karriere eines Golfers in der Frühzeit des Sports. Mit 11 Jahren besserte er die Familienkasse als Caddie im Springfield Country Club auf und nutzte jede frei Minute um selber spielen zu können. Mit 14 war er Jugendmeister des Clubs, ein Jahr später Stadtmeister aller Altersklassen. Überzeugt von seinem Talent, brach er das College ab und versuchte sich als Golfprofi. Ein Beruf, der zur damaligen Zeit ähnlich niedrig angesehen war wie ein Schausteller. 1927 gab er gleich in drei verschiedenen Clubs den Headpro, zwei in Missouri und einer in Kalifornien, und schaffte gleichzeitig die Qualifikation für seine erste US Open (die er auf Platz 44 beendete).

Im Jahr darauf nahm er schließlich die Stelle ein, die ihm seinen Spitznamen einbrachte. Weil er von seinem neuen Arbeitsplatz in Joplin, Missouri wie aus dem Nichts auf der PGA Tour auftauchte, gewann und wieder verschwand, nannten ihn seine Kollegen nur noch den „Joplin Ghost“ – ein Umstand, der in seinem benachbarten Geburtsort Springfield nicht gut aufgenommen wurde. Aus diesem Grund spielen Joplin und Springfield seit fast acht Jahrzehnten um den Horton Smith Cup und die Ehre das Idol als das Ihre bezeichnen zu dürfen. Denn nichts weniger war Horton Smith.

Mit 32 Karriere-Siegen auf der PGA Tour belegt er immer noch Platz 15 der ewigen Bestenliste. Die vielleicht überragendste Phase seiner Karriere spielte sich 1928 und 1929 ab. Zwar war sein bestes Ergebnis bei einem Major nur ein zehnter Platz bei den US Open, doch insgesamt gewann er in diesen 14 Monaten neun Turniere und belegte bei 15 weiteren den zweiten Platz. Der Hauptgrund dafür war sein überragendes Putten. Es geht die Legende, dass er seit 1929 keinen Putt, der kürzer als zwei Meter war, verschoben haben soll. Angeblich hat der große Sam Snead während einer gemeinsamen Runde sogar despektierlich seinen Finger in den Hals gesteckt, weil er vom ständigen Eingeloche seines Spielpartners so genervt war. Kein Wunder, dass ihn der legendäre Byron Nelson als überragenden Chipper und Putter seiner Ära bezeichnete. Denn auch Smiths erster Masterssieg kam erst mit einem Chip-In am 68. Loch und einem 7-Meter-Birdie-Putt auf dem 71. Loch zu Stande.

Doch seine Verdienste für den Golfsport gehen weit über das hinaus, was er auf dem Platz geleistet hat – obwohl er dort immerhin als erster Spieler überhaupt eine Frühform des Sand Wedges benutzt hatte. Als bei den Kansas City Open ein Blitz in der Nähe von Smith einschlug und zwei Zuschauer tötete, reifte in ihm der Entschluss, das Spiel für Spieler und Fans sicherer und besser zu machen. Die Chance dazu bot sich 1952, als er zum Präsidenten der PGA gewählt wurde. Dort führte er nicht nur eine Winter-Turnierserie in der Karibik ein, er setzte auch eine verbesserte Krankenversicherung für die Spieler durch und startete erste (kleine) Anstrengungen, dass Afro-Amerikaner leichter Zugang zu Turnieren bekamen. Sogar das heute gültige Punktesystem beim Ryder Cup geht auf Smith zurück.

All das führte dazu, dass er 1990 in die World Gold Hall of Fame aufgenommen wurde, und das Magazin Golf Digest Smith im Jahr 2000 auf Platz 38 der besten Golfer aller Zeiten wählte. Doch das größte Kompliment wurde dem Joplin Ghost, der am 15. Oktober 1963 viel zu früh an Morbus Hodgkin verstarb, noch zu Lebzeiten gemacht. Bobby Jones bezeichnete Smith aufgrund seiner freundlichen Art und seiner gewählten Sprache als einen fantastischen Spieler und Menschen – und indirekt damit als einen würdigen Nachfolger seiner selbst.

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