Montrose Golf Links – im Kampf mit der Natur

Unsere Bewertung

5 Linksgolfer

Erklärung der Bewertungsskala

Wie sehr sich das britische Golf-System vom deutschen unterscheidet, illustriert das verschlafene schottische Städtchen Montrose auf perfekte Art und Weise. Wer hier her kommt, staunt erst einmal über die drei Clubhäuser auf der gegenüberliegenden Seite des ersten Tees: der Mercantile Golf Club, der Caledonia Golf Club und der bereits seit 1810 bestehende Royal Montrose Golf Club. Der Platz gehört dabei keinem von ihnen, er ist in öffentlicher Hand. Ein Jahresticket kostet umgerechnet rund 500 Euro. Wer noch das Sozialleben in einem der Clubs genießen will, zahlt zusätzlich noch mal zwischen 200 und 300 Euro dazu. Wenn in Großbritannien über die sinkende Zahl an Golfspielern berichtet wird, geht es dabei zumeist um diejenigen, die sich den zweiten Betrag sparen. Denn an Menschen, die den Schläger auf einem dieser günstigen und dennoch exzellenten Plätze schwingen, fehlt es beileibe nicht.

Der Montrose Golf Links hat ein viel gravierenderes Problem als Spielermangel: natürliche Erosion. Nach einem unspektakulären Auftaktloch findet man sich mit dem zweiten Abschlag bereits direkt an der Montrose Bay wieder, der der Platz grob bis zum siebten Loch folgt. Wenn man hier oben steht und auf den breiten und fast schon beschaulichen Strand hinunterschaut, hat man keine Vorstellung davon, was hier in den Wintermonaten passiert. Bei Sturm knallt die Brandung ungehindert auf die ungeschützte Steilküste und trägt immer mehr Land ab – 1994 ging dabei sogar die Teebox von Loch 6 verloren. Jahr für Jahr holt sich die Natur ein Stückchen mehr zurück, so dass die Bahn zwei im Verlauf der letzten Jahrzehnte zu einem ungeplanten Dogleg geworden ist. Bestrebungen, die Erosion zu stoppen, hat die Gemeinde nicht, klagt eines der Clubmitglieder – es ist ja nur ein Golfplatz. Stattdessen hat das verwaltende Komitee beschlossen, den Montrose Golf Links in den kommenden Jahren umzubauen, um sich eine längere Lebenszeit zu erkaufen.

Der gut 6000 Meter lange Par 71 müsste auf den ersten Blick für heutige Golfprofis ein Pushover sein. Und dennoch: Bei den letzten Qualifyings für die Open Championships 1999 und 2007 sowie bei den Starts der EuroPro Tour seit 2013 hat der Montrose Golf Links seine Zähne gezeigt: 5 unter Par hat nach zwei Runden gereicht, um 2013 und 2014 zu gewinnen. Dieses Jahr ging es über drei Runden und es brauchte schon eine Fabelrunde von James Wilkinson, der mit einer 63 den Platzrekord einstellte, um auf 12 unter Par zu kommen. Die Schwierigkeit hat dabei natürlich drei typisch britische Ursachen: die Topfbunker, den Ginster und den Wind. Wer in einem der Fairwaybunker landet, kann schon mal einen verlorenen Schlag einkalkulieren – wenn man nicht gerade ein Par 5 mit Rückenwind spielt, wie bei mir an der 470 Meter langen 6. Landet der Ball im Ginster, kann man mit zwei verlorenen Schlägen rechnen, da das Spielgerät definitiv verloren ist. Und wenn der Wind geht, kommen die Szenarien a) und b) natürlich deutlich häufiger ins Spiel.

Das Design der einzelnen Löcher ist dabei ein Auf und Ab. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn das hauptsächlich von Harry Colt entworfene Layout (Old Tom Morris und Willie Park jr. leisteten Vorarbeit) liegt zum Teil auf einer Düne und zum Teil im flachen Gebiet am Rande der Stadt, auf dem sich auch der leichtere Broomfield Course befindet. Dies führt dazu, dass es etliche erhöhte Abschläge gibt und einige Löcher, die bergauf gespielt werden, wie Loch 5 – ein sehr nettes, kurzes Par 4.

Die größte Stärke sind aber die Par-3-Löcher. Die kurze 3, dessen Grün auf einer Düne liegt, ist bei Wind eine Art Sekt oder Selters: Wer hier das Grün kurz oder lang verfehlt, kann den Ball in hohem Rough suchen. Vor allen Dingen bleibt aber die lange, brutale 16 in Erinnerung. Mit gut 200 Metern Länge, gerne auch in den Wind spielend, ist sie ohnehin schon schwierig genug. Aber dann wartet auch noch ein 40 Meter tiefes Grün mit einer so enormen Ondulierung, dass ein Par hier schon ein Wunder ist. So wie bei diesem jungen Mann.

Allerdings ist die 16 fast das einzige Grün, in dem viel Bewegung ist. Die meisten Oberflächen sind bretteben und etwas langweilig. Das gilt leider auch für die gesamten Grünkomplexe, denn das Bunkering ist – gerade wenn man es mit den anderen Plätzen der Gegend vergleicht – uninspiriert und lässt ein Konzept vermissen. Ganz im Gegenteil übrigens zum Fairwaybunkering, das strategisch klug eingesetzt wurde und dafür sorgt, dass auch 450 Jahre (!) nach der ersten offiziellen Aufzeichnung von Golfsport in Montrose der Platz noch immer eine Herausforderung bleibt. Natürlich gibt es in der näheren Umgebung deutlich bessere Plätze, aber für gerade mal 60 Pfund (am Sonntag sogar nur 40 Pfund, da man in Montrose offensichtlich sehr gläubig ist und sonntags lieber in die Kirche geht) liegt der Montrose Golf Links auch ein-zwei Preiskategorien darunter.

Gespielt am: 23.9.2015

Disclaimer: Der Bericht entstand im Rahmen einer Einladung. Anreise, Greenfee und Logie wurden gestellt.

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