Muirfield und die Frauen

Am vergangenen Donnerstag gab die Honourable Company of Edinburgh Golfers, die den Muirfield Golf Club führt, bekannt, dass sie auch in Zukunft keine Frauen in ihren elitären Zirkel aufnehmen wird. Weil die erforderliche Zweidrittelmehrheit für eine Satzungsänderung um 16 Stimmen verfehlt wurde, bleibt der Austragungsplatz der Open Championship weiter im 19. Jahrhundert stecken. Oder besser gesagt: der ehemalige Austragungsort der Open Championship, denn die R&A (die sich ironischerweise erst 2004 vom Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews abspaltete, weil die Regulierungsbehörde des Golfsports erkannte, es ist schlecht für das Image, wenn man Teil eines male-only clubs ist) gab umgehend bekannt, dass man Muirfield aus der Rotation für die Open Championship streichen wird. Dass man dieses Jahr die Open im ebenfalls rein männlichen Royal Troon austragen lässt, ist von der halbherzigen Entscheidung allerdings nicht betroffen.

Die Reaktionen waren so, wie man es in der heutigen Zeit erwarten durfte. Feministinnen nutzten es für den obligatorischen Rundumschlag, Chauvinisten verwiesen darauf, dass man einem Privatclub ja wohl nicht vorschreiben dürfe, wen man aufnimmt. Schließlich sind ja selbst in Schottland reine Frauen-Golfclubs gang und gäbe. Kurz: beide Seiten verschanzten sich in ihren Schützengräben und feuerten aus allen Rohren. Erfreulicherweise blieb die Diskussion in den meisten Teilen sehr sachlich, auch wenn es einige Ausrutscher gab, wie die von BBC-Fossil Peter Alliss, der in einem Interview sagte: „Wenn eine Frau Mitglied werden will, sollte sie einfach ein Mitglied heiraten.“

Die Folgen sind in erster Linie ein PR-Desaster für den Golfsport, der wieder ein Mal den Makel der Elitären und ewrig gestrigen bekommt. Die Folgen für Muirfield dürften sich hingegen in Grenzen halten. Bis 2019 ist die Open Championship ohnehin schon vergeben, turnusmäßig wäre der Club vermutlich frühestens 2023 wieder mit der Austragung dran. Aufgrund des knappen Entscheids der Mitglieder wird es in naher Zukunft sicherlich eine weitere Abstimmung geben, die das Ergebnis vermutlich korrigieren und Muirfield den Platz in der Open-Rota wieder aufnehmen lässt.

Deshalb ist das Interessante weder die Entscheidung des Clubs (der auf dem Papier machen darf, was er will), noch die Entscheidung der R&A (die als Institution alle Golfer vertreten muss und deshalb Diskriminierung nicht tolerieren darf). Das Interessante ist die Diskussion und die Argumentation die davon angestoßen wurde – besonders auf Seiten der Pro-Diskriminierungsfraktion. Denn diese Seite ist fest davon überzeugt, dass sie legitime Argumente hat. Und genau diese lohnt es sich, ein wenig zu untersuchen.

Als ein Privatclub darf der Club aufnehmen, wen er will

Ein Club wie Muirfield ist per se ein Club, in dem nicht jeder Mitglied werden kann. Finanzielle Verhältnisse sind ebenso entscheidend wie eine Empfehlung eines Mitglieds. Doch es ist nun mal ein Unterschied, ob jemand wegen etwas, was ihm in die Wiege gelegt wurde, nicht Mitglied werden darf. Man stelle sich einmal vor, der Club würde in seinen Richtlinien festlegen, dass nur Weiße, Anglikaner oder Heterosexuelle Mitglieder werden dürften. Wie sähe dann die Einschätzung dieser Diskriminierung aus? In all diesen Fällen gäbe es sicherlich niemanden, der Muirfield verteidigen würde. Das Einzige, was dieses Argument zeigt, ist, wie selbstverständlich es auch heute noch ist, dass Frauen benachteiligt werden dürfen.

Frauen können nicht golfen

Ja, dieses Argument wurde von der Nein-Fraktion tatsächlich durch die Blume ins Spiel gebracht. In einem offenen Brief an die Mitglieder schrieben die Testosteron-Verteidiger laut dem Guardian „Es braucht eine besondere Sorte Damengolfer, um all die Dinge zu erfüllen, die von ihnen erwartet wird, und die Gesamtheit der Damenmitglieder ist vielleicht nicht in der Lage diesen Standard zu erfüllen.“ Gemeint war laut diesem Artikel in erster Linie die Tatsache, dass in Muirfield vor allen Dingen Foursomes mit zur zwei Bällen gespielt werden und die Spielgeschwindigkeit. Dabei weiß doch nun wirklich jeder, der einmal Golf gespielt hat, dass sich Frauen und Männer besonders in diesem Punkt nichts geben. Hier werden einfach nur Vorurteile als Argumente ins Rennen geführt.

Es gibt doch auch exklusive Clubs für Frauen

Das Lieblingsargument aller Verteidiger der reinen Männerbastion. Und auf den ersten Blick könnte man geneigt sein, dem zuzustimmen. Argumente, wie das im Spicy Golf Forum getätigte „Ich darf doch auch nicht in die Frauensauna“, kann man ebenso noch mit einem Lächeln, abtun wie die Frage warum es exklusive Frauen-Fitnessstudios gibt. (Hier die Antwort) Wenn aber in die Diskussion geworfen wird, dass es reine Golfclubs für Frauen in Schottland gibt, kommt man erst einmal in Grübeln. Tatsächlich gibt es laut der Website Scottish Golf Historyneun Golf Clubs nur für Frauen. Warum werden diese nicht gezwungen Männer aufzunehmen, wenn es andersrum gefordert wird? Auch wenn diese Diskussion an die plumpe Argumentation erinnert, als Michelle Wie auf der PGA Tour startete und einige männliche Kollegen protestierten, sie dürften ja auch nicht im Rock auf der LPGA Tour antreten, ist es ganz interessant, die neun Clubs einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Ladies Putting Club of St Andrews Der Club hat nicht mal ein Clubhaus und als Golfplatz das Himalayas Putting Grün in St. Andrews. Gegründet wurde er für die Ehefrauen von Mitgliedern im großen, reinen Männerclub.

St. Rule St Andrews und St. Regulus St Andrews Auch diese beiden Clubs waren eine Reaktion auf die Männerclubs in St. Andrews und wären ohne diesen Ausschluss vermutlich nicht gegründet worden. Als Golfplatz nutzen sie genau wie die Männer die Anlagen des St. Andrews Links Trust.

Aberdeen Ladies Der Club entstand 1892, weil Frauen sonst nirgends Golf spielen durften. Nachdem den Damen der Zugriff auf das Land der Universität verboten wurde, arrangierte man sich mit Royal Aberdeen, wo ein zweiter Platz für sie gebaut wurde.

Carnoustie Ladies Auch dieser Club entstand wie der Ladies Putting Club für die Ehemänner einer reinen Männer-Gesellschaft, dem Dalhousie Golf Club. Der Club zählt gerade mal 100 Mitglieder und ein Spielrecht auf dem öffentlichen Carnoustie Golf Links muss extra gekauft werden.

Ladies Panmure Nachdem man 1889 den Bau eines Platzes für Damen beschloss, dessen Löcher keine 30 Meter und damit die physischen Kapazitäten der Damen übersteigt, entstand 1893 der Ladies Club als Reaktion auf den reinen Männerclub.

Troon Ladies Entstanden als Reaktion auf den rein männlichen Royal Troon

Lundin Ladies Der erste Club auf der Liste mit einem eigenem Golfplatz. Natürlich nur 9 Löcher. Männer dürfen dort übrigens spielen und sogar eine Jahres-Spielberechtigung erstehen. Die Gründung des Clubs entstand als Reaktion auf den Lundin Golf Club, der bis 2015 keine Frauen zuließ

Machrihanish Ladies Nachdem es den reinen Männerclub schon 14 Jahre gab, wurde 1890 der Ladies Club gegründet. Bis 1967 waren die Damen allerdings nicht einmal unabhängig, sondern wurden vom Männerclub mit gemanagt.

Dies sind alle reinen Damenclubs in Schottland. Und wie man sehen kann, haben alle von ihnen ihre Entstehungsgeschichte darin, dass sie eine Reaktion auf die Ausgrenzung durch reine Männerclubs waren. Hätte es diese nicht gegeben, gäbe es heute auch keine reinen Damenclubs. Die Männer haben sich ihre Exklusivität selber gewählt, den Damen ist diese aufgezwungen worden. Aus genau den gleichen Gründen gab es in den USA früher auch Clubs nur für schwarze Golfer, da diesen zu den meisten anderen Clubs der Zutritt verwehrt wurde (und weiße Mitglieder nicht in solchen Clubs Mitglied werden wollten – eine weitere Parallele zu heute).

Frauenclubs, die eben aus diesen Gründen entstanden sind, haben jedes Recht auch heute noch Männer auszuschließen. Warum? Nun, man sollte sich einfach mal die Mitgliederstruktur der vermeintlich geläuterten Clubs anschauen, die in den letzten fünf Jahren ihre „No women, no dogs“-Klausel aufgehoben haben. Denn eine Satzungsänderung ist einfach, die Änderung der Mentalität ist etwas anderes. Wenn man das Frauenverbot nur symbolisch aufhebt und dann wie Augusta National nicht einmal eine Handvoll Frauen aufnimmt, ist damit die Ungleichberechtigung der Frauen wirklich passé?

Hinzu kommt ein gravierender Unterschied zwischen den reinen Männerclubs wie Troon oder Muirfield und den reinen Frauenclubs: Die Männer haben sich für ihre Plätze das beste Land und die besten Golfplatzarchitekten gesichert und dazu noch die besten Clubhäuser gebaut. Für die Frauen fielen nur minderwertige Plätze mit kleinen Clubhäusern ab – fast wie die Angestellten-Trakte in den Häusern der adligen Gesellschaft. Sich gegen die Mitgliedschaft von Frauen in Muirfield oder Troon mit dieser Argumentation zu wehren, wäre in etwa so, als würde man den geringen Frauenanteil in Managerpositionen damit verteidigen, dass ja in der Altenpflege kaum Männer arbeiten.

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