Stoke Park Country Club

Unsere Bewertung

5 Reisegolfer

7 Golfnerd

Erklärung der Bewertungsskala

Die Reise stand unter keinem guten Vorzeichen. Irgendwas zwickte schon ganz früh morgens in Hamburg in meinem Rücken. Im Flieger wurde es noch schlimmer. Als ich nach der Landung am Airport Heathrow ins Taxi stieg, konnte ich mich kaum noch bewegen. Hexenschuss. Die Muskulatur machte loddar-artig dicht.

Es folgte eine dem üblichen Verkehrsinfarkt geschuldete einstündige Fahrt, die vom Flughafen durch die wunderhässliche Londoner Vorstadt Slough führte. Der Taxifahrer nutzte dann auch noch meine geistige und körperliche Unbeweglichkeit aus und stellte mir 70 britische Pfund in Rechnung. Totaler Nepp.

Für einen kurzen Moment dachte ich, dass ich völlig umsonst nach Buckinghamshire gekommen war. Doch dann blickte ich in stark gebückter Haltung vom Hotelzimmer auf den ersten Abschlag des Stoke Park Country Clubs – und mein Kämpferherz erwachte. Ich musste hier einfach Golf spielen.

Denn Stoke Park ist für mich heiliger Boden. Hier trug einst James Bond gegen Auric Goldfinger das wahrscheinlich legendärste Golfmatch der Filmgeschichte aus. Hier entwarf Harry Colt 1908 einen der schönsten Parkland-Kurse Großbritanniens – und er schuf ein Par-3, das zum Vorbild für das legendäre 16. Loch „Redbud“  in Augusta National wurde. Hier wurde mit „Layer Cake“ einer meiner Lieblings-Gangsterfilme gedreht. httpv://www.youtube.com/watch?v=4thL6DPmA_g

Ich griff zu einer Hardcore-Selbstmedikamention. Zuerst ein hartes Schmerzmittel (leicht überdosiert), sieben schnelle Bier im Hotelrestaurant (normale Dosis), danach ein heißes Bad und die im Zimmer befindliche Begrüßungs-Schampuspulle in Rekordzeit (total überdosiert und auch irgendwie bäh). Danach ab ins Himmelbett mit Blick auf den lodernden Kamin. Stoned Park. Gute Nacht.

Am nächsten Morgen war mein Rücken wieder heil. Vor Freude machte ich 20 Probeschwünge auf dem feudalen Balkon und traf dann auf meinen Playing Partner Alexander Rose, der das Blog golficiency schreibt.

Wir spielten an diesem Tag das legendäre 007-Match nach. Alex war Bond, ich der dicke Goldfinger. Nach 18 Löchern hatten wir Filmgeschichte umgeschrieben. Der dicke Goldfinger gewann.

Am nächsten Tag wagte ich mich noch einmal alleine auf den Platz und spielte noch einmal 18 Loch. Das Leben war schön, der Rücken hielt – und ich grinste voller Glück wie die irre Katze von Hong Kong Pfui.

Dementsprechend kann ich diesen Platz nur empfehlen. Anbei ein paar Gründe:

    • Der erste Abschlag an Loch 1 wird auf einem Präsentierteller zelebriert (und das Par-5 endete für mich Birdie und Par).
    • Der gesamte Platz (Loch 1-27) ist eine gesunde Mischung aus Terror und purer Schönheit.
    • Strategie ist mehr als Länge gefragt.
    • Loch Nummer 7 ist einfach Masters-Feeling (UND JA, mein Schwung sieht scheiße aus – aber der Ball war immerhin auf dem Grün).

  • Die kleine Driving Range hat etwas sehr monumentales.
  • Das Clubhaus ist die Wucht.
  • Man kann mit gutem Gewissen Slazenger- und Penfold-Hearts-Bälle spielen, ihr Titleist-Kapeiken!
  • Es gibt einen James-Bond-Devotionalien-Schrein im Keller.

Der Reisegolfer sagt:

Das war es dann also fast mit England. Das letzte Wochenende. Zum Abschluss wollten wir uns dann noch mal was Schönes gönnen. Nach langem überlegen entschied ich mich für den Stoke Park Club. Das ist nicht ein reiner Golfclub. Mehr ein Country Club, bei dem man unter anderem auch Golf spielen kann. Zudem werden auch Übernachtungen und Arrangements angeboten. So ein Arrangement haben wir dann gebucht. Den „18 Hole Break“.

Der Club (mehr das Clubhaus) müsste Filmfans bekannt sein. Der bekannteste (unter anderem) hier gedrehte Film ist „Goldfinger“ aus der James Bond Reihe. Gert Fröbe als „Auric Goldfinger“ und Sean Connery als „James Bond“ lieferten sich hier ein interessantes Match, bei dem kräftig gemogelt wurde. Ausserdem wurden hier noch andere Filme gedreht. U.a. Bridget Jones, Wimbledon, Layer Cake u.s.w..

Nach einem netten Abend mit feinem Dinner stand ich am nächsten Morgen um 06.00 Uhr auf, um bei hervorragendem Licht ein paar Bilder zu schiessen (siehe unten im Album). Danach duschen, Frühstück, auschecken und beim Proshop melden. Um halb zehn ging es dann auf die Runde. Diesmal alleine mit Nicole. Der Platz hat dreimal 9 Löcher. Nach den Designern Colt und Alison und nach dem Gründer des Clubs (1908) Lane Jackson genannt. Wir begannen auf Loch 19 (Jackson) und spielten nach der Halfway Pause auf Loch 1 weiter. Dadurch konnten wir leider nicht das Loch 18 spielen, auf dem die Golfszene in Goldfinger gedreht wurde. Hatte ich versucht. Gab aber leider ein Turnier an dem Tag. Man kann halt nicht immer alles haben im Leben. War aber auch so recht nett. Bei dem Platz handelt es sich um einen klassischen Parklandkurs mit recht grossen Grüns, die wir beide als recht schnell empfanden. Musste ich mich auch erst wieder dran gewöhnen. Auf der Lane Jackson Runde konnte man fast immer das Clubhaus sehen. Die ersten 18 sind dagegen mehr im Wald und nur zum Anfang und zum Ende beim Clubhaus. Naja. Ehrlich gesagt sind beim Alison Kurs die letzten drei Löcher beim Clubhaus. Also nicht nur im Wald. Bevor mich jemand verbessert.

Wetter war gut, Platz in gutem Zustand und unser Spiel war anständig. Also eine gute Runde. Nicole war nur etwas traurig, dass wir Hugh Grant nicht getroffen haben. Der ist hier Mitglied. Nach einem kleinem Imbiss auf der hübschen Terrasse ging es dann am Spätnachmittag zurück nach Staines.

Tja. Das war es dann wohl für mich mit Golf in England. Am Montag noch mal 9 Loch in Datchet und dann ist Schluss. Dienstag kommen die Packer und nehmen auch meine Schläger mit. Bin ein wenig wehmütig. Waren drei Jahre mit vielen schönen Erlebnissen, tollen Golfplätzen, vielen Ausflügen in Südengland und Urlauben in Wales, Cornwall, Devon und Schottland. Ich werde in Zukunft versuchen, einmal im Jahr für eine Woche zurückzukehren. Regionen kennen lernen, die ich noch nicht kenne und schöne Golfplätze erkunden. Da gibt es noch viel zu entdecken hier. Die Westküste von Wales, East Anglia, Yorkshire, Northumberland, den Lake District, Nordirland, Irland, East Lothian… Das braucht einige Jahre. Ab nächste Woche arbeite ich dann in Bochum. Mal sehen, wie es in der Region mit Golf aussieht. Würde mich über Kommentare mit Golf-Tipps zur Region freuen. Dort kenne ich mich eigentlich überhaupt nicht aus. Aber das kann man ja ändern.

Abschliessend kann ich nur sagen: „Good bye, England. See you next time“.

P.S.: Am Samstag haben wir bei Ebay sofort die DVD mit „Goldfinger“ bestellt. Habe ja nun etwas mehr Bezug zum Film

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