Sand Valley Golf Resort

Unsere Bewertung

7 Linksgolfer

Erklärung der Bewertungsskala

Zu meiner Runde auf Sand Valley in Nekoosa, Wisconsin kam ich wie die Jungfrau zum Kind. Eigentlich war der Plan im Vorfeld des Ryder Cups genau ausgeklügelt: Cog Hill, Black Wolf Run, Whistling Straits und Lawsonia Links. Aber dann veränderte ein Pro in Whistling Straits alles. „Wenn ihr schon hier seid, solltet Ihr Sand Valley spielen. Der Platz ist nagelneu und hat 9 Löcher für Preview Play offen“. Eine kurze Google-Suche später wurden alle Pläne über den Haufen geworfen. Denn nicht nur hatte Sand Valley seit dem 1.9. bereits alle 18 Löcher für Preview Play geöffnet. Auf der Website standen auch zwei magische Worte: Coore-Crenshaw.

Bill Coore und der ehemalige Masters-Sieger Ben Crenshaw gehören zusammen mit Tom Doak zu meinen absoluten Lieblings-Architekten der Moderne. Zwar habe ich mit dem australischen Barnbougle Lost Farm bisher nur einen Platz des Duos gespielt, aber der war gigantisch. Und die Bilder von Cabot Cliffs, dem Dormie Club, Bandon Trails, Friar’s Head sowie der Restauration von Pinehurst No. 2 erfüllen alles, was ich mir von einem Golfplatz erträume. Es führte also kein Weg daran vorbei: Sand Valley musste gespielt werden.

Das Resort im Nirgendwo von Wisconsin ist das neueste Prestigeprojekt von Mike Keiser. Der Eigentümer von Bandon Dunes will sein Erfolgrezept aus dem pazifischen Nordwesten in den Mittleren Westen übertragen. In den nächsten Jahren sollen hier vier Golfplätze (zur offiziellen Eröffnung des Coore-Crenshaw-Platzes im Juni 2017 sollen auch die ersten 6 Löcher des zweiten Platzes von David McLay Kidd bespielbar sein), zahlreiche Lodges und ein Clubhaus entstehen. Bisher ist alles aber noch eine einzige Baustelle. Der Weg zum Platz führt über eine Schotterstraße, die vor ein paar Hügeln Sand und einem Container endet, in dem sich der Pro-Shop befindet. Überall stehen Baumaschinen herum – und dazwischen sprießen wie in einer Oase 18 Spielbahnen.

Das Erste, was auffällt, sind die unglaublichen Dimensionen des Platzes. Auf den vier Löchern, die man vom Starterhäuschen sehen kann, würde in Deutschland mindestens eine 18-Loch-Anlage gebaut werden. Wenn es an einer Sache hier nicht mangelt, dann ist es Platz. Bevor Mike Keiser es in einen Golfplatz verwandelte, dröhnten hier Quads über die Sandhügel, die ein Relikt der Eiszeit sind. Vor 10000 Jahren wurde alles noch vom Lake Michigan verdeckt. Dann schmolz das Eis, ermöglichte den Abfluss des Wassers und hinterließ jede Menge Sand – ideale Voraussetzungen für einen Golfplatz.

Resultat sind perfekte, linksartige Bedingungen, die Coore und Crenshaw ideal auf den Platz anwenden. Sand Valley spielt sich extrem hart, wodurch die 6317 Meter von den Backtees effektiv deutlich kürzer sind. Überhaupt ist der Platz, der wie Bandon Dunes nur zu Fuß bewältigt werden darf, nicht darauf ausgelegt, Spieler zu bestrafen. Die Fairways sind so breit, dass die meisten mit dem Ball, mit dem sie an Tee 1 abschlagen, auch an der 18 einlochen. Die Herausforderung sind die Fairwaybunker, das Spiel auf den großen, ondulierten Grüns und die richtige Strategie.

Dies fängt bereits an der ersten Bahn an. Das selbst von den Backtees gerade mal 306 Meter kurze Par 4 verlockt bei Rückenwind dazu, das Grün anzugreifen. Doch die direkte Linie besteht aus Wasteland, geradeaus kann schnell das Fairway ausgehen, und das Grün ist schwer zu halten. Ich spielte einen perfekten Drive 40 Meter vors Grün, chippte 8 Meter zu lang und versenkte den Birdieputt vom Vorgrün. In der Gruppe hinter mir attackierte ein Spieler das Grün, der Ball rollte jedoch hinten rüber und eine steile Senke hinab. Resultat: Ein Bogey. Nun mag manch einer denken, es sei unfair, dass ein perfekter Drive in einem Bogey resultiert. Aber zu einem guten Golfschlag gehört nun mal mehr als eine perfekte Ausführung.

Sand Valley gehört zu den Plätzen, auf denen man einen Caddy buchen kann. Ein teures Vergnügen, aber für die erste Runde durchaus sinnvoll. So gibt es beispielsweise auf der Bahn 2 einen blinden Schlag ins Grün, bei dem man wissen sollte, dass es rechts vom Grün steil bergab geht. Und auf den Grüns gibt es immer wieder versteckte, kleine Ondulierungen, die man beim ersten Mal übersieht.

Was man hingegen nicht übersehen kann, ist die Brillanz der 18 Bahnen. So ist Bahn 3, das erste Par 3 (192 Meter von den Backtees, 175 Meter von den Standard-Herrentees, 137 Meter von den Standard-Damentees), auf der rechten Seite ebenfalls von einem hohen Hügel verteidigt. Wer kurz oder rechts bleibt, liegt zwar noch auf dem Kurzgemähten, aber nur mit den Kurzspielfähigkeiten eines Phil Mickelson ist noch das Par möglich. Auch wenn der Platz noch zwei weitere starke Par 3s hat (Bahn 5 spielt sich bergab auf ein Donald-Ross-ähnliches Turtleback-Green und die grandiose, kurze Bahn 8 besitzt ein Skyline Green), sind die Stärken wie eigentlich immer bei Coore-Crenshaw die Par 5s.

Gleich fünf von ihnen finden sich hier – zwei auf den Front 9, drei auf den Back 9 – und eines ist stärker als das andere. Bahn 4 ist ein richtiger Test: Das 527/509/452 Meter lange Par 5 verläuft vom Tee zum Grün beständig bergauf, wurde aber ohne visuelle Tricks angelegt und spielt sich relativ straight forward. Die 7 (514/490/417 Meter) ist hingegen schon etwas trickreicher. Der Abschlag geht einen Anstieg hinauf und ist daher halb blind. Anschließend macht die Bahn eine rechts-links-Kurve mit einem imposanten Bunker im Knick. Und beim von hinten nach vorne abfallenden Grün sollte man die richtige Ebene erreichen, um einen Dreiputt zu vermeiden.

Ein visueller Augenschmaus ist die 10 (515/495/418 Meter). Vom Tee sieht man zwei Fairways, die von einem Bunker getrennt werden. Spielstrategisch macht das Ganze allerdings nur begrenzt Sinn, denn das wesentlich schmalere, linke Fairway liefert keinen Vorteil beim Spiel ins Grün. Doch selbst der einfache Weg ist nicht ohne Probleme. Denn genau in der Landezone des zweiten Schlages wird das Fairway schmaler und lauert auf der rechten Seite ein gigantischer, tiefer Bunker, der sich bis zum Grün zieht.

Das vielleicht reizvollste Par 5 ist die 12. Mit 456/445/396 Metern Kürze bietet das Loch eine reelle Birdiechance – solange man mit dem Drive den Fairwaybunker auf der rechten Seite und den Baum in der Mitte des Fairways aus dem Spiel lässt. Das letzte Par 5 findet sich schließlich auf der 18. Auf der Scorekarte sieht die Schlussbahn mit 503/478/420 Metern nicht besonders lang aus, aber die Bahn geht stark bergauf, insbesondere in der zweiten Hälfte. Zudem bestraft, wie auf der 10, auch hier ein langer Bunker auf der rechten Seite unplatziert vorgelegte Bälle.

Alleine für diese fünf Bahnen lohnt der Umweg nach Nekoosa. Zudem gibt es noch einige fantastische Par 4s wie die 1, 2, 6 und 9. Auch wenn alles noch im Bau ist, kann man sich sehr leicht vorstellen, dass Sand Valley den Erfolg von Bandon Dunes wiederholen wird. Zumal für die weiteren Plätze noch Weltklasse-Architekten wie Tom Doak oder Gil Hanse zu den Kandidaten gehören. Nimmt man noch hinzu, dass Wisconsin in den nächsten Jahren mit der U.S. Open 2017 in Erin Hills und dem Ryder Cup 2020 in Whistling Straits ohnehin zum Mekka für Golf-Fans wird, dürfte es in der Zukunft schwierig werden, in Sand Valley eine Startzeit zu bekommen.

Gespielt am: 5.10.2016

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