Silves Golf, Algarve

Unsere Bewertung

3 Linksgolfer

Erklärung der Bewertungsskala

Viele der schönsten Golfplätze sind nur über geheime Schleichwege erreichbar. Wer zum Beispiel in Garlstedter Heider spielen will, kann sich eigentlich darauf einstellen, dass er sich verfährt. Auch Silves Golf ist ein wenig abseits gelegen. Über schmale Straßen voller Schlaglöcher, vorbei an Gewächshäusern und Zitronenplantagen gelangt man zu der Golfanlage. Dort angekommen wartet aber bereits die erste Enttäuschung: Ein unspektakuläres, kleines Clubhaus, das an Schlichtheit nur noch von den Bahnen 17 und 18 übertroffen wird, die sich parallel ohne großartige Begrenzung nebeneinander herziehen und vom Parkplatz aus einsehbar sind. Keine einladende Visitenkarte.

Nun muss man entschuldigend hinzufügen, dass der Platz erst im Jahr 2006 gebaut wurde und viele Anpflanzungen noch in den Kinderschuhen stecken, dennoch sind die Schlussbahnen sowohl optisch als auch spielstrategisch uninspiriert. Das hat man offensichtlich auch selber erkannt, denn hinter dem reizvoll erhöhten Grün von Loch 1 wartet eine Bruchbude an der eine Werbetafel mit einem neuen Clubhaus lockt, das dem Besucher einen Blick auf einen deutlich ansprechenderen Teil des Platzes gewähren würde. Denn diese Ecken hat die Par-70-Anlage durchaus zu bieten. So unspektakulär sich die ersten vier Bahnen auch daher ziehen (drei kurze Par 4 und ein kurzes Par 3), das Grün von Loch 4 offenbart einen Blick über einen Teil des Platzes, den man so dann doch nicht mehr erwartet hätte. Im Tal zwischen zwei großen Hügeln warten zwei traumhafte Par5-Löcher. Beide warten mit verschiedenen Abschlagsterrassen zwischen 10 und 30 Meter Höhe auf und Loch 13 bietet dazu noch einen schön eingebetteten See (mit überflüssiger Fontäne), der interessante strategische Überlegungen ermöglicht: außen rum spielen oder aggressiv über den Teich abkürzen?

Auch auf der anderen Seite des entfernter liegenden Hügels geht es ansprechend weiter. Dort haben die Architekten zwei längere Par3-Löcher eingebaut. An Bahn 6 spielt man 20 Meter in die Tiefe, an Loch 12 geht es logischerweise dann auf ein erhöhtes Grün. Das waren dann aber auch schob fast alle Bahnen, die es sich zu spielen lohnt. Allenfalls Bahn 9 und 10, die ebenfalls mit einem beträchtlichen Höhenunterschied aufwarten, und die Bahn 11, ein kurzes Par 4 das mutige Golfer dazu lockt über die Ausgrenze direkt anzugreifen, entwickeln noch einen gewissen Reiz. Doch für ein Land in dem alle paar Kilometer ein Golfplatz lockt, ist dies zu wenig, um sich von der Konkurrenz abzuheben.

Zumal auch noch andere Dinge nicht gerade für Silves Golf sprechen. Eine Driving Range ist auch hier wieder nicht anzufinden, stattdessen liegen zwei Abschlagmatten dort, von denen man in einen viel zu kleinen Netzkäfig schlagen kann. Und auch die Wasserverträglichkeit ist nicht besonders. Zwar sind solche Unmengen an Regen wie sie in den vergangenen Wochen (und vor allem während der heutigen Runde) gefallen sind für Portugal eher ungewöhnlich, doch in Gramacho haben die Fairways schließlich auch nicht geschwommen. Anders bei Silves Golf wo jeder Schritt – egal ob Fairway oder Rough – ein Vabanque-Spiel in puncto nasse Füße war. Entsprechend war auch der Pflegezustand: Die Fairways haben in 2010 offensichtlich noch keinen Friseurtermin bekommen und die Bunker waren hart wie Beton.

All diese Dinge werden in der Hauptsaison sicherlich keine Rolle spielen, doch das grundsätzliche Designproblem bleibt. Aus Silves Golf hätte man einen wunderschönen 9-Loch-Platz machen können, als 18-Loch-Anlage hingegen bleiben viele Wünsche offen. Besonders die Tatsache, dass die Eröffnungs- und Schlusslöcher, die meist am prägnantesten in Erinnerung bleiben, so fade gerieten, lässt den Wunsch nach einer Wiederholung der Runde doch sehr gering ausfallen.

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