Sind die Ballwascher in Winston Links wirklich besser als auf dem Old Course in St. Andrews?

Wer hier gelegentlich landet wird bemerkt haben, dass ich auch ein großer Freund von Golfplatz-Rankings bin. Sobald irgendwo ein neues Ranking verfügbar ist, besorge ich es mir. Sei es bei den großen Golfmagazinen in den USA oder in UK, selbst die (etwas seltsamen) Rankings im deutschen Golf Magazin nehme ich zur Kenntnis. Und natürlich auch das bisher für mich objektivste deutschsprachige Ranking im Golf Journal habe ich wohlwollend zur Kenntnis genommen. Bis zum 29. Juni diesen Jahres. Seit dem Datum zweifele ich an der Qualität der Rankings im Golf Journal.

Ballwaschanlage Mitte unten auf Winston Links. Dafür kann es keinen Bonus gegeben haben…

Grund dafür war die Meldung, daß Winston Links vor dem Old Course in St. Andrews plaziert ist. Nun denn. Der Sache wollte ich auf den Grund gehen und besorgte mir die Juli Ausgabe des Golf Journals. Und tatsächlich. In dem Ranking der besten Golfplätze in Europa (bei dem die Idee an sich toll ist) stand Winston Links vor dem Old Course. Ich dachte mir, OK, die werden wohl einen Grund für die Platzierung haben. Sofort eine Mail an die Redaktion mit der Bitte um etwas mehr Details. Ich wollte einfach nur den Grund verstehen. Selbstverständlich kann ich mit meinen bisher gespielten knapp 350 Plätzen nicht mit der Erfahrung der zu Rate gezogenen Experten mithalten, aber irgendwie meine ich schon, mir ein Bild machen zu können und vergleichen zu können. Ach ja. Ich habe nach einer Woche immer noch kein Feedback der Redaktion bekommen. Schade eigentlich…

Hinter der schönen Kiste ist die Ballwaschanlage. Ist doch nett. Oder? :-)

Nun aber zurück zum Thema. Winston Golf ist ein guter, aussergewöhnlicher Platz in Deutschland. Aber bester deutscher Platz in Europa und besser als der Old Course? Ich weiß nicht so recht. Ich habe mal versucht, den Grund zu ermitteln und dazu die Kriterien des Golf Journal genutzt.

Anspruch: OK. Der Old Course ist nicht der schwerste Platz der Welt von Gelb, wenn man auf dem Fairway bleibt und das Wetter gut ist. Aber ist das wirklich wichtig, um einen Platz unter den „besten“ zu platzieren? Ich denke nein. Denn schwere Plätze zu bauen ist nicht schwer. Das kann fast jeder… Die Kunst besteht eher darin, einen Platz für jeden gut spielbar zu machen, für Erfolgsergebnisse für den Spieler zu sorgen und gleichzeitig die besten herauszufordern .

Design: Ganz ehrlich. Auch wenn ich die Einzelwertungen nicht kenne, das kann es nicht sein. Den Old Course als das Beispiel für Golfplatzdesigner in aller Welt und Template Holes wie dem Eden Hole mit Winston Links überhaupt zu vergleichen ist für mich schon fast ein Frevel. Das Design des Winston Links ist nett, aber nicht großartig. Aussergewöhnlich sind die spitzen Sandberge, die überhaupt nicht in die Mecklenburger Landschaft passen. Aber so etwas passt auch in keine andere Region, in der Linskkurse der Normalfall sind. Spitze Kegelberge sind nicht unbedingt ein Synonym für einen Linkskurs.

Kulisse: OK. Darüber kann man streiten. Der Old Course lebt für viele von den Bildern, die jeder Golfer aus Magazinen im Kopf hat. Aber man darf den Platz eigentlich nicht auf das Clubhaus des R&A, die Swilcan Bridge und das Road Hole reduzieren. Der Herr Maiwald hat dazu im Bericht einen schönen Kommentar geschrieben, der viel Wahres enthält. Aber was ist an der Kulisse des Winston Links so herausragend? Der Wald, den man so oft sieht und auf den ersten 9 auch streift? Das kann es nicht sein. Die schon angesprochenen Kegelberge? Auch nicht. Gut. Gelegentlich fliegt die RAF über den Old Course. Aber wer erlebt das schon?

Service: Vielleicht ist es das. Obwohl beim Old Course eigentlich alles da ist, was man sich wünscht. Es gibt eine sehr gute Range (OK. Die ist etwas entfernt), es gibt ein großartiges Putting Grün beim Loch 1 des Old Course. Kann es auch nicht sein. Vielleicht sind es die Ballwaschanlagen. Aber dort sind ganz objektiv die Geräte beim Old Course viel schöner! Vielleicht sind es die fehlenden Umkleidekabinen. Ins R&A Clubhaus kommt man ja nicht hinein. Wer sich aber etwas vorbereitet, geht zum Clubhaus des Links Trusts. Da kann man sich auch umziehen. Und für ein Getränk nach der Runde ist die Auswahl an unterschiedlichen Lokalen nirgends größer als in der der Nähe des Loch 18 des Old Course.

Nun denn. Genug ausgelassen. Am besten ist es natürlich, wenn sich jeder ein eigenes Bild der beiden Plätze macht. Das ist sowieso immer das beste. Ansonsten freue ich mich über Kommentare von allen, die schon beide Plätze gespielt haben.

P.S.: Was der Nord Course von Green Eagle überhaupt in der Liste verloren hat (Platz 99), wird mir ein ewiges Rätsel bleiben…

1 Comment

  • ulric thiede sagt:

    vermute einmal, daß die Qualität der Golf-Journal-Ranker umgekehrt proportional zu ihren gelebten Erfahrungen im Bewerten von Golfplätzen ist. Wer diese hässlichen spitzen Kegel in der mecklenburgischen Küstenlandschaft als schön, zielführend oder golfdesignerisch sinnvoll empfindet, dem kann man nun wirklich nicht helfen. Es ist kein Sakrileg, wenn Ahnungslose den Winston Kurs höher als den Old Course einschätzen, sondern der finale Ausweis der eigenen golferischen Ignoranz bei größtmöglicher Fresse als bundesdeutscher Maßstab. QED.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.