Talking Stick North

Unsere Bewertung

6 Linksgolfer

Erklärung der Bewertungsskala

Wenn es ein Markenzeichen gibt, das die Plätze von Bill Coore und Ben Crenshaw auszeichnet, dann ist es die leichte Begehbarkeit. Das Duo ist starker Verfechter der Theorie, dass man Golf am Besten zu Fuß spielen sollte. Aus diesem Grund sind die Wege zwischen den Grüns und den nächsten Abschlägen kurz und das Terrain ohne absurde Steigungen. Die meisten Amerikaner interessiert das natürlich nicht. Sie nehmen trotzdem wie immer ein Cart und kurven drauf los. Als bekennender Läufer wollte ich diese seltene Gelegenheit jedoch nutzen und Hackengas geben. Doch im Pro-Shop kam die Ernüchterung: „Pull Carts oder Push Carts haben wir hier nicht.“ Da tragen aufgrund meines Rückens nicht in Frage kam, musste ich mich also auch widerwillig in ein Cart setzen. So gab es bereits vor der Runde Abzüge in der B-Note.

Talking Stick North ist Teil eines Resorts der Pima-Maricopa-Stämme zu dem – natürlich – auch ein Casino gehört. 1998 eröffneten hier zwei Golfplätze, die vom bekannten Designteam Bill Coore (ein Einwohner von Scottsdale) und Masters-Sieger Ben Crenshaw gestaltet wurden. Der North Course, der seit kurzem den Beinahmen O’odham (für die Pina Indianer) trägt, genießt dabei völlig zurecht das höhere Ansehen. Dass Coore und Crenshaw einen so guten Ruf genießen, verdanken sie spektakulären Landstrichen auf denen ein Architekt nur gut aussehen kann. Bei Talking Stick hingegen hatten sie es mit einem echten Langweiler zu tun: ein brettebenes Grundstück ohne besondere Features. Für Architekten ist so eine Aufgabe ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite gibt es abgesehen von den spektakulären Bergen in der Ferne nichts, was den Golfer begeistern kann und über Designschwächen hinwegtäuscht. Auf der anderen Seite ist es aber wie eine weiße Leinwand. Man kann jedes Loch so routen und designen wie man möchte, weil man keine Rücksicht auf natürliche Features nehmen muss.

Es gibt Architekten, die mit Baumaschinen anrücken und auf so einem Gelände Himmel und Hölle in Bewegung setzen würden (Beispiele sind Shadow Creek in Las Vegas oder Kingsbarns in Schottland). Doch das ist nicht die Art von Coore-Crenshaw. Sie arbeiten mit dem, was die Natur ihnen bietet – und schaffen es dennoch ein besonderes Erlebnis abzuliefern. Auf Talking Stick North erreichen sie das mit einem eleganten, cleveren Bunker-Design.

Dabei besitzt das erste Highlight kaum einen Bunker. Die 510 Yards lange Bahn 2 könnte auf den ersten Blick ein wenig öde wirken. Ein breites Fairway mit Out of Bounds auf der linken Seite und keinerlei Hindernisse bis auf zwei Grünbunker. Man könnte also einfach die Bahn auf der rechten Seite entlang spielen bis zum Grün. Doch wer das tut, bekommt es beim Schlag ins gerade mal 25 Meter tiefe Grün mit den zwei Bunkern zu tun. Eine klassische Risk-Reward-Situation: Wer das Out of Bounds angreift, bekommt einen leichteren Schlag ins Grün.

Die gleiche Situation haben wir an der 415 Yard langen Bahn 3. Nachdem meine drei Mitspieler zusammen fünf Drives ins Aus geballert hatten, wählte ich den sicheren Drive nach rechts. Das Problem ist nur, dass der Winkel von dort das Aus noch mehr ins Spiel bringt als der Drive. Und wie bestellt slicete ich meinen Schlag ins Grün ebenfalls in die Wüste.

Auch die nächsten beiden Löcher besitzen ein gemeinsames Feature: einen zentralen Bunker. Auf der 433 Yards langen 4 braucht man von den Backtees 239 Yards um ihn zu überwinden, auf der 391 Yards langen 5 liegt er zwischen 239 und 256 Yards. Damit sollten sie für die meisten Golfer tatsächlich ins Spiel kommen und wer in ihnen liegt, kann das Green in Regulation abschreiben. Doch wie geht man so ein Loch strategisch an? Für die 5 geben die Architekten einen dezenten Hinweos. Sie heißt „Left is Right“ und signalisiert dem Spieler damit, dass er den Drive links vom Bunker anhalten sollte, weil so der beste Winkel ins Grün gegeben ist.

Im Anschluss gönnt sich der Platz eine kleine Atempause, bis es auf den Back 9 wieder mit einigen Highlights weitergeht. Das erste ist ein Visuelles. Die Pinnacle Peak genannte 10 liegt in direkter Spielrichtung auf den 966 Meter hohen Namensgeber. Im Anschluss folgt das beste Par 3 des Platzes – und das obwohl es auf der Scorekarte nach einem absurden Loch aussieht. Mit 261 Yards von den Backtees wirkt es eher wie ein drivebares Par 4 – zumal auf der direkten Linie zum Grün ein enormer Bunker lauert. Allerdings ist das Ganze ein visueller Trick, denn zwischen Bunker und Grün liegen 30 Yards, so dass man durchaus die direkte Linie wählen kann. Wer es sich dennoch nicht zutraut, kann auf der linken Seite vorlegen – wer allerdings zu weit links geht und den Hügel mit dem Drive überfliegt, muss damit rechnen, seinen Ball in den Büschen zu suchen. Ein Loch, das wirklich die Gehirnzellen anstrengt.

Die 12 ist schließlich mein Lieblingsloch auf dem gesamten Platz. Ein trockener Flusslauf teilt das Fairway in zwei Hälften. Die direkte Linie erlaubt einen perfekten Winkel ins Grün, erfordert aber von den Backtees 237 Yards carry auf ein schmales Ziel. Konservativ ist es, das rechte Fairway anzuspielen. Allerdings muss man so gleich zwei Mal diese Waste Area überspielen.

Der Rest des Platzes ist solide Handwerkskunst, mit dem Grün der 16 als positiver Ausreißer nach oben. Das 194 Yards lange Par 3 sieht unspektakulär aus, besitzt aber ein großes, stark onduliertes Grün, das Klasse aussieht, herausfordernd ist und einfach nur Spaß macht.

Talking Stick North ist bei weitem kein Weltklassekurs, was angesichts des Geländes und der klimabedingten Restriktionen beim Bau der Löcher auch einfach nicht möglich ist. Aber im Vergleich zu dem, was ansonsten in Scottsdale geboten wird, ist es ein echtes Highlight. Allerdings sollte man sich im Club die Anschaffung von Pull Carts noch einmal überlegen.

Gespielt am: 4.12. 2016

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