Tigers Tagebuch: Arrogante Golfer, Paddy Gilmore und Zitterphil

Montag, 8. Juli

Ich liebe Arnold Palmer. Und nein, ich rede nicht von dem Getränk. Der King besitzt eine Weisheit, die nur wenige von uns Profigolfern je erreichen werden. Jüngster Beweis: sein Statement, dass ich immer noch Jack Nicklaus‘ Rekord holen kann. Eine absolut nachvollziehbare Aussage: So lange man mehr Majorstarts als die Differenz vor sich hat, ist das immer möglich. Wenn mich einer fragt ob Martin Kaymer sich Nicklaus‘ Marke holen kann, würde ich auch immer ohne zu Zögern Ja sagen. Hat allerdings noch keiner getan…

Die nächste Chance bietet sich in zehn Tagen bei der Open Championship in Muirfield. Ja, dort wo ich die schlechteste Runde meines Lebens geschossen habe. Warum? Schauen Sie selbst.




Sie können Sich also vorstellen, was ich die nächsten 1 1/2 Wochen jeden morgen als erstes tue. Ich habe mir sämtliche verfügbare Wetter-Apps auf mein Tablet geladen, Gullane einprogrammiert und werde jede einzelne Vorhersage studieren. Bisher sieht es fast zu schön aus um wahr zu sein. Knackig warm, kein Regen, kein Wind. Wenn das so weiter geht, kann ich den vermaledeiten Driver zu Hause lassen. Ansonsten muss ich es vielleicht wie Ian Poulter machen um eine Waffe zu finden mit der ich das Fairway treffe.


Dienstag, 9. Juli

Es ist so weit: Gary Player hat die Hosen runtergelassen. Und man muss wirklich ohne Neid anerkennen: Nicht jeder Profigolfer wird mit 77 Jahren noch so aussehen. Man achte übrigens auf die Schuhe. Das Video ist ein weiterer Coup unserer Marketing-Abteilung. Allerdings habe ich noch einen klitzekleinen Tipp, Gary: Es ist vielleicht nicht so ratsam sich außerhalb der Kamera irgendwo im Gürtelbereich auf den Körper zu schlagen und zu prahlen „This is like a piece of wood“.

Dennoch ist es ein guter Anschauungs-Unterricht wie man in unserem Business fit und konkurrenzfähig bleibt. Wer so ein Fitness-Regime befolgt, muss auch keine unschuldigen Waldtiere ablecken und sich als Konsequenz auf einen nicht enden wollenden Rechtsstreit mit der PGA Tour einlassen.

Mittwoch, 10. Juli

Woran erkennt man, dass das nächste Major die Open Championship ist? Im Gegensatz zu den anderen drei Majors enthält das Scripting von Nike auch langärmlige Oberteile. Ich muss gleich erst einmal Steini fragen ob ich vertraglich verpflichtet bin, die für einige Minuten zu tragen. Ich hoffe nicht, denn meine App kündigt mir mittlerweile bis zu 27 Grad für die Open an. Vielleicht ziehe ich Corey Pavins Ryder-Cup-Regenjacke drüber. Die ist schön luftig.

Insofern ist die Akklimatisierung hier im heißen Florida vielleicht besser als das was Voldemick macht. Der ist mit seiner ganzen Familie schon in Schottland, lässt sich für seine Teilnahme an der Scottish Open vermutlich fürstlich entlohnen und gibt für die Medien den weltgewandten Bon Vivant. Was für ein David Simms. Nichtsdestotrotz drücke ich ihm diese Woche die Daumen und hoffe er wird das Turnier gewinnen. Wieso? Seit Lee Trevino 1971 hat niemand mehr die Open gewonnen, der in der Woche davor siegreich war.

Donnerstag, 11. Juli

Yes! Die nächste Bestenliste, die ich dominiere. Okay, es mag auf den ersten Blick beleidigend wirken als arrogantester Golfer bezeichnet zu werden, aber ich sehe es so: Man könnte vermutlich eine Liste aufstellen über Golfer mit dem blassesten Teint und ich würde den ersten Platz belegen. Schließlich bin ich für den Großteil der Bevölkerung der einzige Golfer, den sie kennen. Ach, das war jetzt auch wieder arrogant? So what! Wer sind die arroganteste Basketball-Spieler? LeBron James und Kobe Bryant! Wer ist der arroganteste Leichtathlet? Usain Bolt! Und wer ist der arroganteste Fußballer? Cristiano Ronaldo. Merkt ihr was? Es sind auch die Besten. Wisst ihr wer dagegen sicher nett ist? Paul Stankowski und Cristian Cevaer

Freitag, 12. Juli

Ich kann nicht mehr zählen wie oft mir Elin vorgeworfen hat, ich hätte als Vater versagt. Doch heute spüre ich zum ersten Mal sie könnte recht haben. Sam Alexis ist mitterweile 6 Jahre und 1 Monat alt. Das heißt in spätestens vier Jahren muss sie sich für die U.S. Women’s Amateur qualifiziert haben. Und ehrlich gesagt hat sie bisher noch kein nennenswertes Talent gezeigt. Das hat sie vermutlich von der Mutter geerbt. Ich würde es mal so sagen: Ihre Chance auf eine Profikarriere ist in etwa so groß wie die Chance, dass einer von diesen Jungs die Hauptrolle in „Happy Gilmore 2“ spielt. Obwohl Paddy Harrington anscheinend wirklich wirklich wirklich wirklich scharf drauf ist.



Samstag, 13. Juli

Abflug! Heute geht es zur Open Championship. Und natürlich fliegen wir wie immer als Fab 5 nach Großbritannien: Ich lade Joe, Steini und meinen PR-Chef Glen Greenspan in den Jet, mache kurz noch einen Zwischenstopp in Österreich um Lindsey zu holen und los geht die wilde Luzi. Ich verschweige Euch die Details, denn was im Jet passiert, bleibt im Jet. Ich sage nur so viel: Jeder darf 16 Liter Bier und 1 Liter Hochprozentiges nach Großbritannien einführen und beim Abflug haben wir 100 bzw. 10 Liter an Bord. Schließlich gibt es Grund zu Feiern: Steini hat wieder einen kleinen Nebenverdienst eingetütet. Am 28. Oktober zeigen Rory und ich wieder der chinesischen Bevölkerung wie man Birdies erzielt ohne vorher ein einziges Mal das Fairway zu berühren.

Sonntag, 14. Juli

Ich liebe es ja früh auf dem Golfplatz zu stehen, aber das heute war wirklich ungewöhnlich. Zwar habe ich schon vor dem Abflug versucht, meine innere Uhr umzuprogrammieren, aber als wir um 8 Uhr morgens gelandet sind, weigerte sich mein Körper dennoch zu ignorieren, dass es nicht mehr 3 Uhr nachts sein soll. An solchen Tagen sollte man nur Dinge tun, die man auf Autopilot kann. Also bin ich gleich erst mal nach Muirfield gefahren um ein paar Bälle zu schlagen und mit Jason Day und Dustin Johnson auf die Runde zu gehen. Weil John Daly wegen einer Verletzung absagen musste, musste die beiden ihren Plan eines reinen J-und-D-Flights canceln und haben mich stattdessen mitgenommen.



Es war ein großer Spaß, denn mit Jason und Dustin hatte ich zum ersten Mal zwei Flightpartner, die noch mehr Schiss hatten Driver zu spielen. Keiner von uns hat ihn auch nur einmal gezückt – wieso auch wenn man sein Eisen 4 mal eben 285 Yards die Bahn runterhauen kann. Da füllt sich mein Herz mit warmen Erinnerungen an Hoylake 2006. Von mir aus kann es die nächsten sieben Tage so weiter gehen. Der Graveur kann ruhig schon mal mit dem T beginnen. Zumal sich mein Wunsch erfüllt hat und Voldemick tatsächlich bei der Scottish Open triumphierte – und dabei den Treuhändern der Claret Jug genügend Motivation gab, um sicherzugehen, dass so ein Zitterfinger die Trophäe nicht in seine Finger kommt.

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