Tigers Tagebuch: Fried Chicken, Bellyputter und Schottenkaros

Montag, 20.Mai

Sergio ist wie ein Staffordshire, der sich in etwas verbissen hat: er kann einfach nicht loslassen. Um Fragen über seine Steuermoral zu entgehen, hat er sich im Vorfeld der BMW PGA Championship (oder wie wir es in Spielerkreisen nennen: das fünfte Major, das Lee Westwood nicht gewinnen kann) mal wieder über mich beklagt. Ich hätte der Presse in den letzten 15 Jahren noch nie die Wahrheit gesagt, er braucht mich nicht als Freund, blablabla. Wie lange kann man eigentlich einen Groll hegen? Wenn einem einer blöd kommt, fordert man ihn einfach zum Matchplay raus und besiegt ihn 9&8.

Dienstag, 21. Mai

Es gibt Momente im Leben eines Sportlers in denen man nicht weiß ob man lachen oder weinen soll. Heute ist so einer. So schön es auch ist, dass Sergio nie wieder seine Klappe aufreißen wird: Es ist traurig, dass im Jahr 2013 noch solche widerlichen Stereotypen bedient werden. Mag ich Fried Chicken? Natürlich! Wer tut das nicht? Selbst Boo Weekley liebt Fried Chicken. Aber Sergio war lange genug in den USA um zu wissen welche Assoziation wir Afroamerikaner damit verbinden. Warum sagt er nicht Cheeseburger? Oder Mac and Cheese? Nur weil ich Sergio hasse, nenne ich ihn doch auch keinen Stierquäler.

Das Unglaubliche am heutigen Tag ist, dass Sergios Fettnäpfchen nur die zweitbeste Nachricht ist. Unsere Regelhüter haben dem Verankern von Puttern endgültig den Garaus gemacht. Wenn es nach mir ginge, wären diese Stöcke bereits heute verboten, aber dann würde Steve Williams sicherlich noch in Jahrzehnten behaupten, dass Peter Dawson ihn um Jacks Major-Rekord beraubt hat. Natürlich tut es mir leid um Leute wie Tim Clark. Immerhin hat er sich eine beachtliche Karriere erspielt – und jetzt weiß er nicht, ob er sich in Zukunft einen Anbau an sein Haus leisten kann. Ja, das Leben als Golfprofi ist schon eines der Härtesten.

Mittwoch, 22.Mai

Heute kam sie endlich: die Entschuldigung. Nein, ich rede ausnahmsweise nicht von Sergio, sondern von meinem Karate-Kumpel Lee Trevino. Offenbar hat Trevino nach 17 Jahren endlich einmal „Happy Gilmore“ gesehen und festgestellt, dass Adam Sandler eine ganz schöne Kodderschnauze ist. Jetzt bereut er, dass er sich damals für einen Cameo-Auftritt zur Verfügung gestellt hat. Dabei gab es (abgesehen von der Intonation) an seinem Auftritt wenig auszusetzen – es sei denn der Satz „Grizzly Adams DID have a beard“ hatte eine Doppelbedeutung.



Ungeschehen machen möchte auch Sergio seinen Auftritt, nachdem sein Sponsor mit Trennung drohte. Jetzt weiß ich wie sich Ärzte und Götter fühlen müssen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl das Leben von jemandem in seiner Hand zu haben – und dazu noch das Deines Erzfeindes. Wenn ich Sergios Entschuldigung akzeptiere so wie damals bei Kelly Tilghman, steht er für immer in meiner Schuld. Oder ich könnte die Sache schmoren lassen und Sergio verliert seine Sponsoren wie einst Fuzzy. Ich glaube ich bleibe erst einmal ein wenig ambivalent.


Donnerstag, 23.Mai

Gerade hat mich Steini informiert, dass Sergio offiziell per Telefon sein Mea Culpa vorgetragen hat. Allerdings meinte er, er habe nicht viel verstehen können weil im Hintergrund Sergios Manager verzweifelt schluchzte und ständig rief „Das ist doch alles Waaaahnsinn“.

Dazu gab es heute bei Nike eine Krisensitzung. Nach drei Jahren Planung hat man ein offiziell genehmigtes Schottenkaro vorgestellt, das die gesamten europäischen Vertragsspieler in Wentworth tragen sollten. Doch das fiel ins Wasser – buchstäblich weil alle Regenhosen über die neue Klamotte zogen, und im übertragenen Sinne weil der Marketing-Chef von Nike erst gestern erfuhr, dass Rory kein Schotte sondern Nordire ist. Aber für einen Amerikaner ist man mit Mc im Namen nun mal entweder Schotte oder Fastfood-Magnat. Hauptsache wir versuchen jetzt nicht noch Monti unter Vertrag zu nehmen um die Sache zu retten…

Freitag, 24.Mai

Immer wieder fragen mich die Leute warum ich nicht auch auf der European Tour spiele. Die meisten glauben, dass das Preisgeld der Grund sei. Aber das ist es nicht. Das hier ist der Grund: während ich heute so rumgelaufen bin, sah Rory so aus. Noch Fragen?

Samstag, 25.Mai

Auf der PGA Tour gibt es ja seit Jahren einen Bibelkreis. Jetzt überlegen einige Spieler einen alternativen Kreis zu gründen. Statt aufmunternde Zitate aus der Heiligen Schrift sollen dort Paragraphen aus Gesetzesschriften diskutiert werden. Denn mittlerweile scheint fast jeder Zweite von uns ein Gerichtsverfahren mit der PGA Tour ausfechten zu wollen. Nachdem Vijay Singh bereits das Ablecken von Hirschen verteidigen will, haben sich Adam Scott, Carl Pettersson, Tim Clark und einige andere zusammengetan um ihr Recht auf ein drittes Bein einzuklagen.

Vermutlich hat auch Jeff Overton schon seinen Anwalt eingeschaltet. Weil es in der dritten Runde des Colonials nach neun Löchern zu einem Stau kam, ging Boom Baby aufs Puttinggrün (erlaubt) und benutzte dort eine Puttinghilfe (nicht erlaubt). Als Folge wurde Overton disqualifiziert. Jack und Arnold wären nach so einem Vorfall vermutlich an den Thresen gegangen und hätten ihren Frust beim Barkeeper abgeladen. Heute heißt der Barkeeper Twitter:



Herzlichen Glückwunsch, Jeff. Du hast Dir damit nicht nur eine DQ eingebracht sondern zusätzlich auch noch eine Strafe von der PGA Tour. Nur noch 147 und Du hast mich.

Sonntag, 26.Mai

Boo Weekley lebt. Woher ich das weiß? Tote tragen keine Karos! Boo Weekley hingegen trägt nur Karos. Sein Triumph beim Colonial war sein dritter PGA-Tour-Sieg. So sah er nach seinem Debütsieg beim Heritage 2007 aus. So bei der erfolgreichen Titelverteidigung. Und so gestern. Welch Segen, dass sie sich in Augusta für Grüne Jacketts entschieden haben, sonst sähen wir alle alt aus.

Obwohl Apotheker-Sohn Boo der Beweis ist, dass auch Quereinsteiger im Golf eine gute Chance haben, sind gut Gene natürlich auch in unserer Sportart ein großer Vorteil: Jay und Bill Haas, Julius und Guy Boros, Old und Young Tom Morris, Antonio und Ignacio Garrido, und und und. An solch väterlicher Einflussnahme gibt es nichts auszusetzen, doch wenn man sich Peter Uihleins Vitamin B anschaut, kommt man schon ins Nachdenken. Schließlich hätte Peters Erzeuger Wally mit seinem Handicap von 5 noch nicht einmal gegen Daddy eine Chance gehabt. Doch dafür zieht er die Fäden der Acushnet Company. Wenn nun also Peter Uihlein auf einmal aus heiterem Himmel ein Turnier auf der European Tour gewinnt und im Anschluss fünf Birdies in Folge in Wentworth erzielt, muss man sich schon fragen ob er nicht einen illegalen Titleist-Prototypen im Einsatz hat, der ihm 20 Meter mehr Länge bringt oder immer nur geradeaus fliegt.

Für den Sieg hat es dennoch nicht gereicht, den sicherte sich mit Matteo Manassero ein noch Jüngerer. Mit 20 Jahren schon vier European-Tour-Siege und eine Amateur Championship zu besitzen ist eine beachtliche Leistung. Wenn man bedenkt, dass ich es in seinem Alter bei 11 PGA-Tour-Starts nur drei Mal ins Wochenende geschafft hatte, muss ich die golferische Erziehung meiner Eltern in Frage stellen. Warum haben sie mich erst mit zwei Jahren mit Golf anfangen lassen?

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