Tigers Tagebuch: Mein Jahresrückblick (Juli-September)

Juli

Im Dezember 1995, zwei Wochen vor meinem 20. Geburtstag, saß ich in der Wirtschaftsvorlesung von Professor Stiglitz und habe mit meinem Sitznachbarn Tic-Tac-Toe gespielt. Klar, ich hatte schon einige golferische Erfolge in meinem Resumee, aber ich muss beschämt zugeben, dass nichts davon an den John-Deere-Classic-Sieg heranreichte, den Jordan Spieth gerade im gleichen Alter eingefahren hat. Aber eines habe ich diesen Monat gelernt: Ich muss nicht mit jedem anderen Golfer konkurrieren können. Erwartet also nicht, mich im Jahr 2053 nackernd in einer Ausgabe von ESPN: The Magazine zu sehen.

Bis dahin bin ich ohnehin nur noch ein wandelndes Ersatzteil-Lager. Dieses Mal hat es meinen Ellenbogen erwischt, so dass wieder eine Major-Vorbereitung dahin ist. Das Ergebnis hat man bei der Open in Muirfield gesehen, die dann zu allem Überfluss auch noch Phil Mickelson gewinnen musste. Das nächste Mal schmuggle ich ihm eine Waffe ins Handgepäck.

Die Open war in Großbritannien dieses Jahr allerdings trotz (oder wegen?) Phil nur eine Randerscheinung. Schließlich wartete alles auf George Alexander Louis, aka den Prinzen von Cambridge. Die bevorstehende Geburt des Royal Babys war selbst in Muirfield das Gesprächsthema Nr. 1 (hauptsächlich weil man hoffte, dass es kein Mädchen wird, das irgendwann mal das Spielrecht einfordert). Lustigerweise ist übrigens „Royal Baby“ auch unser Spitzname auf der Tour für den aktuellen Besitzer des Claret Jugs.

August

Seine Ehefrau als Caddie zu nehmen ist eine mutige Sache. Für Patrick Reed scheint es zu funktionieren, ebenso wie damals für meinen Kumpel Steve Stricker. Ich muss zugeben: Auch ich habe es mal versucht. Es schien eigentlich ganz logisch. Elin hatte immer so viel Krimskrams in ihrem Handtäschchen rumgeschleppt, dass das Tragen einen Golfbags keinen großen Unterschied gemacht hätte. Letztendlich hatte ich aber Sorge, dass Ihr die Erfolge an meiner Seite zu Kopf steigen und sie glauben würde, sie hätte den größeren Anteil an meinen Siegen. Also habe ich mich damals für Steve Williams entschieden.

Beide Beziehungen sind mittlerweile Vergangenheit und ich muss zugeben, auch mit Lindsey kriselt es gerade. Dabei kann ich ganz ehrlich nichts dafür. Diesen Monat erreichte mich ein in rosa Papier eingepacktes, parfümiertes Päckchen. Natürlich hatte Lindsey dem Postboten die Tür geöffnet und das Päckchen gleich aufgerissen. Unter einer Notiz „Für Tiger“ (mit einem Herzchen über dem i) fand sie eine CD von „Roar“, der neuesten Single von Katy Perry. Wie es scheint, hat das heiße Häschen den Titel mir gewidmet. Der Text spricht zumindest eine eindeutige Sprache:


„I got the eye of the tiger, the fighter, dancing through the fire
Cause I am a champion and you’re gonna hear me ROAR
Louder, louder than a lion
Cause I am a champion and you’re gonna hear me ROAR
Oh oh oh oh oh oh
You’re gonna hear me roar“

Da Katy den Song auch noch ausgerechnet eine Woche nach meinem Sieg beim Bridgestone Invitational herausgebracht hat, wird mich das Ganze wohl einen dicken Diamanten für Lindsey kosten. Dabei habe ich die gute Dame noch nie in meinem Leben getroffen. Mit so viel Stress im Gepäck konnte natürlich auch die PGA Championship nichts werden. Kombiniert mit einer weiteren Rückenverletzung und einer Albtraumpaarung mit Phil und Stevie Williams bei der Deutsche Bank Championship war der August ein echter Monat zum Vergessen.

September




Ich bleibe dabei: Der Ball hat sich nicht bewegt. Und nein, ich weigere mich auch weiterhin, dieses Video anzusehen. Ich weiß ja wohl besser, ob die Murmel die Lage verändert hat, als so ein dahergelaufener Videographer, der normalerweise vermutlich Hochzeitsvideos mit Katzen dreht.

Aber egal, ich bin trotzdem der Spieler des Jahres geworden. Habt ihr ernsthaft jemand anderen erwartet? Phil Mickelson, den ich im direkten Vergleich dieses Jahr 9 von 13 Mal in den Staub geschickt habe? Oder etwa Henrik Stenson, der im gesamten Jahr gerade mal ein Turnier mit vollem Feld gewonnen hat? Schließlich heißt der Preis nicht „Player of the Last Month of the Year“.

Doch das ist nicht mal die wertvollste Trophäe, die ich diesen Monat gewonnen haben: Ich bin auch noch Boyfriend of the Year geworden, weil ich den Toilettensitz nie oben lasse. Gut, dass Lindsey nicht weiß, dass ich ihn auch während der Entleerung nicht hochklappe. Und ich kann euch eins verraten: Meine Shotlink-Statistik aus 1 Meter ist im Badezimmer deutlich schlechter als auf dem Golfplatz.

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.