Tigers Tagebuch: Poker, Tiger Jam und eine Verlobung

Montag, 13.Mai

Montags ist immer Zahlenstudium angesagt. Der erste Blick führt natürlich auf die Weltrangliste. Ein Blick, der umso mehr Spaß macht, wenn man gerade am Tage zuvor das (angeblich) fünftwertvollste Turnier des Jahres gewonnen hat. Mindestens genauso wichtig ist jedoch der Blick auf die Einschaltquoten, sind sie doch ein Spiegelbild meiner Popularität. Und was soll ich sagen? Die Leute lieben mich! Noch nie zuvor hatte eine Finalrunde der Players Championship mehr Zuschauer. Da sollte es Steini doch endlich mal auf die Reihe bekommen, mir einen vernünftigen Sponsor an Land zu ziehen. Ich hab langsam genug von Go, Vantelin!.

Es wäre allerdings schön, wenn die Charakter-Attacken langsam mal aufhören würden. Erst bezichtigt mich ein Marshall der Lüge, und dann bietet ausgerechnet mein Furzkumpel Feherty in seiner Show Rocco Mediate ein Forum um über mich herzuziehen. Rocco wollte Autogramme als Andenken an unseren dreibeinigen Kampf bei der U.S. Open und ich habe sein Pin Sheet nicht unterschrieben. Aus gutem Grund. Rocco ist ein netter Junge, aber ich finanziere ihm doch nicht seinen ebay-Shop. Damit hat er mich schon einmal reingelegt. Und außerdem habe ich ihm schon längst ein Andenken für die Ewigkeit hinterlassen, das wertvoller ist als jedes Autogramm. Nur die wenigsten dürfen sich in meinem Videospiel selber spielen.

Dienstag, 14.Mai

Mann muss Steini einfach lieben. Ich weiß nicht, wie er es schafft, aber er hat es wieder mal hinbekommen und einen Leumundszeugen aufgetrieben, der meine Erinnerungen an die Sergio-Eskapade haarklein bestätigt. Und da gibt es immer noch Leute, die behaupten vulkanische Gedankenverschmelzung sei ein Werk der Fiktion… So läuft es, wenn man versucht mir was unterzujubeln. „They pull a knife, you pull a gun. That’s the Tiger way!“

Mittwoch, 15.Mai

Eigentlich hatte Sean mir für heute Drivertraining auf den Plan geschrieben. Aber dann hat mir jemand einen Link zu diesem viralen Video-Hit geschickt. Instant Classic! Ich habe mich den ganzen Tag nicht vom Bildschirm trennen können. Von den 470.000 Klicks stammen geschätzte 90% von mir.



Donnerstag, 16.Mai

Man kehrt einfach nicht gerne an Orte zurück mit denen man unschöne Erinnerungen verbindet. Nicht ohne Grund habe ich mit Bubba mein Haus gegen vier seiner Uhren getauscht. Mit der Byron Nelson Championship verhält es sich ähnlich. Seit ich hier 2005 zum ersten Mal nach 142 Turnieren den Cut verpasst habe, bleibe ich diesem Ort der Schande fern. So hatte Keegan Bradley heute mal seinen Tag an der Sonne. Eine 60er Runde spielt man auf der PGA Tour nicht alle Tage. Es soll sogar gestandene Profis geben, denen das noch nie gelungen ist. Doch statt zu jubeln sollte er sich lieber mal fragen, wie man an einem Tag, an dem alles läuft, zwei Bogeys spielen kann. Ich bin mir sicher wenn sich Keegan abgewöhnen würde vor jedem Schlag Ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm aufzusagen, hätten wir heute die erste 58 der PGA-Tour-Geschichte gesehen.

Freitag, 17.Mai

Ah, Tiger Jam. Der gesellschaftliche Höhepunkt des Jahres ist da. Zum Glück haben die Dallas Mavericks noch rechtzeitig wieder ein ausgeglichenes Spielverhältnis erreicht haben, denn bei Dirks vorigem Look hätten einige Gäste sonst noch versehentlich geglaubt, sie seien in die Wiedersehensfeier einer Arktis-Expedition geplatzt.

Leider lief nicht alles nach Plan. Lindsey hat heute gesehen, wie mich eine andere Frau ausgezogen hat – und das leider nicht auf die angenehme Art. Es ist einfach kein schönes Gefühl, wenn man beim eigenen Pokerturnier als allererster Teilnehmer vom Tisch fliegt. Und das nicht etwa gegen meinen Tischnachbar Phil Ivey, den sie den Tiger Woods des Pokersports nennen. Nein, so eine Trulla hat doch tatsächlich auf dem River ein Full House bekommen und meinen Flush versenkt.

Wenigstens konnte ich meine Verluste auf dem Golfplatz wieder wett machen. Es gibt doch nichts Besseres als ein Lochspiel gegen NBA Stars: Sie haben jede Menge Kohle, überschätzen ihre golferischen Fähigkeiten gnadenlos und wissen genau wie man sich auf dem Platz zu kleiden hat – ganz im Gegensatz zu Musikern. Ich musste die Security tatsächlich davon abhalten Kid Rock niederzuringen weil sie ihn für einen Unruhestifter hielten. Das Konzert morgen wäre sonst vermutlich gelaufen.

Samstag, 18.Mai

Was für ein Spaß. Die Presse wollte unbedingt ein Foto von mir und Lindsey. Aber als die Fotografen „jetzt noch eins mit Deiner blonden Freundin“ schrieen, habe ich ihnen einen meiner klassischen Tiger-Scherze gespielt.

Auch sonst war der Abend ein voller Erfolg. Gut, Uncle Kracker und Kid Rock waren jetzt nicht die Burner – das kommt davon, wenn man jemanden wie Steini die Künstler buchen lässt, der noch nicht mal einen iTunes-Account hat. Aber meine Begrüßung habe ich so perfekt getroffen wie einen Drive an der 18 am Sonntag wenn ich in Führung liege. Lindsey hat gesagt, ich habe am Ende sogar einen Mikrofon-Twirl gemacht weil ich wusste wie gut ich war.

Sonntag, 19.Mai

Lindsey denkt über ein Brustpiercing nach – meine wochenlangen subtilen Hinweise haben offenbar gefruchtet. Heute haben wir bei einigen Juwelieren schon mal nach ein paar schönen Stücken geschaut. Und was macht die Presse wieder draus? Tiger Woods hat sich verlobt. Not gonna happen! Ich kann 100 Millionen Dollar auch anders aus dem Fenster werfen…

Gerade habe ich erfahren, dass Sang-Moon Bae in Quail Hollow gewonnen hat. Da hat Keegan Bradley sicherlich noch dümmer aus der Wäsche geschaut als ohnehin schon. Wie kann man sich nur für ein Eishockey-Team einen Playoff-Bart wachsen lassen? Obwohl ich gestehen muss, dass ich in meinem jugendlichen Leichtsinn auch einmal etwas ähnliches gemacht habe. Ich hatte mir im Mai 2000 vorgenommen mich erst wieder zu rasieren wenn ich ein Turnier gewinne. Aber weil ich ständig triumphiert habe, ist es niemandem aufgefallen…

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