Tiger vs. Jack: Warum 2014 über den Major-Rekord entscheiden wird

Nach jedem Major gibt es besonders in den US-Medien die immer gleiche Diskussion: Wird Tiger Woods (14 Majorsiege) den ewigen Rekord von Jack Nicklaus (18 Majorsiege) brechen, oder nicht? Für gewöhnlich geht die Diskussion so: Wenn Woods gewonnen hat oder nur knapp am Sieg vorbeigeschrammt ist, halten die Kommentatoren den größten Golfer unserer Generation für unbesiegbar. Wenn er schwach gespielt, oder einen sicher geglaubten Sieg aus der Hand gegeben hat, ist er nicht mehr gut oder nervenstark genug – selbst wenn er mit zwei World Golf Championships und der Players Championship drei Turniere gegen einige der stärksten Spielerfelder des Jahres gewonnen hat. Anders gesagt: letzte Woche haben die Experten Tiger Woods schon quasi die PGA Championship geschenkt, diese Woche ist er wieder einmal auf ewig gebrandmarkt. Dabei war das schwache Abschneiden von Woods in der vergangenen Woche durchaus vorhersehbar. Alles was es dazu gebraucht hat, war ein Blick auf die Landkarte.

Kurz vor der U.S. Open stand im Wall Street Journal ein aufschlussreicher Artikel, der prognostizierte, dass Woods in Merion keine Chance habe. Autor Matthew Futterman kam zu diesem Schluss nachdem er Tiger Woods‘ Siege nach geographischen Regionen aufgeschlüsselt hat. Im Verlauf seiner Karriere konnte Woods grob überschlagen jeden vierten seiner Starts in einen Sieg ummünzen. Ein Wert, der sich mehr oder weniger in jeder Region der USA wiederfindet – nur in einer nicht. Im Nordosten der USA, in der Region um New York und Pennsylvania, braucht Woods drei Mal so viele (!) Starts für einen Sieg. Von damals 24 Auftritten konnte Woods nur zwei (die U.S. Open 2002 und die Deutsche Bank Championship 2006) in einen Erfolg umwandeln. Mittlerweile sind es 26, denn sowohl die U.S. Open als jetzt auch die PGA Championship beendete Woods mit seinem zweitschlechtesten Profiergebnis. Dies spiegelt sich auch wieder wenn man Tiger Woods‘ Majorstarts isoliert nach Regionen betrachtet:




Das erste was auffällt ist, wie wenig Bundesstaaten in den letzten 17 Jahren ein Major ausgetragen haben: Insgesamt finden sich gerade einmal 15 Farbkleckse auf der Karte. Als zweites sticht ins Auge, dass es zwei Major-Regionen gibt, in denen sich Woods etwas schwerer tut: Ironischerweise die Südstaaten, in denen er (abgesehen vom hier nicht berücksichtigten Masters) bisher keinen Sieg einfahren konnte und auch nur bei jedem dritten Start in den Top 10 landet, und der angesprochene Nordosten der USA in dem Woods nicht nur selten siegt sondern auch den schlechtesten Wert bei Top-10- und Top-20-Ergebnissen aufweist.

Die Theorie des Wall Street Journal für diese Diskrepanz liegt darin, dass es gerade in dieser Region besonders viele klassische Golfplätze gibt, die mit ihrem geringen Platz, den schmalen Fairways und vielen Bäumen nicht gerade maßgeschneidert für das wilde Spiel von Woods sind und zudem seinen Längenvorteil aus dem Spiel nehmen. Eine durchaus schlüssige Theorie. Doch sind solche Schwankungen in bestimmten Regionen vielleicht allgemein üblich? Schauen wir doch mal ob auch Jack Nicklaus eine solche geographische Schwäche in seinem Spiel hatte:



Tatsächlich war Nicklaus in seinen Leistungen weit ausgeglichener. In fast allen Regionen hat er eine ähnliche Siegquote, die zwar in der Spitze deutliche schwächer als bei Woods auffällt, dafür aber auch keine Problemzonen aufweist. Das zeigt sich besonders bei den Top-10-Resultaten bei denen Nicklaus Werte aufweist, von denen Woods nur träumen kann. Und wie Woods nicht müde wird zu betonen, muss man sich nur oft genug in eine gute Ausgangsposition bringen um am Ende siegreich zu sein.

Das größte Problem für den Weltranglistenersten ist allerdings nicht, dass er eine regionale Schwäche besitzt. Es liegt darin, dass diese Schwäche sich ausgerechnet dort befindet, wo die meisten U.S. Open und PGA Championships ausgetragen werden. In Woods bisheriger Profikarriere fanden sage und schreibe 35% von ihnen im Nordosten der USA statt. Hätte er bei ihnen seine übliche Siegquote, würde Woods jetzt bereits bei 16 Majors und nur noch zwei hinter Jack Nicklaus stehen.

Stattdessen fehlen Woods vier Majorsiege zur Einstellung und fünf zum Brechen der Nicklaus-Vorlage. Wie stehen nun also die Chancen für Woods? Nehmen wir an, er bleibt so lange konkurrenzfähig wie Nicklaus. Der gewann zwar mit 46 Jahren noch mal das Masters, aber schaut man sich die gesamten Major-Ergebnisse an, wäre es sicher nicht vermessen die Altersobergrenze erst einmal bei 42 Jahren anzusetzen. Das gibt Woods noch gut 20 Major-Starts um 4 bzw. 5 Siege einzufahren, eine Quote von 20-25%.

Angesichts von Woods‘ Bilanz in Augusta (23,5% Siegquote) darf man annehmen, dass er zumindest dort noch ein Major einfährt (schon dieses Jahr war er nur einen Fahnentreffer davon entfernt). Und auch bei der Open Championship (18% Siegquote) sollte ein Erfolg bis 2018 nicht vermessen sein, schließlich sind die nächsten beiden Austragungen in Hoylake (Woods siegte 2006) und St. Andrews (2000 und 2005 gingen die Titel an Tiger). Bleibt die Frage, ob er bis 2018 bei der U.S. Open oder der PGA Championship noch mal triumphieren kann. Dies sind die kommenden Austragungsorte:

Jahr U.S. Open PGA
2014 Pinehurst, North Carolina Valhalla, Kentucky
2015 Chambers Bay, Washington Whistling Straits, Wisconsin
2016 Oakmont, Pennsylvania Baltusrol, New Jersey
2017 Erin Hills, Wisconsin Quail Hollow, North Carolina
2018 Shinnecock, New York Bellerive, Montana

Die beste Nachricht für Woods ist, dass in den kommenden beiden Jahren kein Major in seinem Albtraumgebiet stattfinden wird. Stattdessen spielen ihm die nächsten Austragungsorte direkt in die Karten. Zwar gewann Woods abgesehen vom Masters noch kein Major in den Südstaaten, näher als in Pinehurst wo er bisher 2. und 3. wurde war er allerdings noch nie dran. Hinzu kommt, dass man dort im Vergleich zu früheren Austragungen das Rough eliminiert hat wodurch Pinehurst #2 zu einer Art Augusta reloaded wird. Und auch die PGA Championship 2014 ist Woods wie auf den Leib geschnitten, in Valhalla war er 2000 siegreich.

2015 debütiert mit Chambers Bay dann ein U.S.-Open-Platz, der in der von Woods sehr geschätzten Pazifikregion liegt. Andererseits ist die PGA Championship in Whistling Straits eher kein Platz für Tiger, der hier bei zwei Starts nicht einmal die Top 20 knackte. Danach dürfte Woods beim Blick in den Majorkalender endgültig übel werden, schließlich finden ab 2016 die Turniere entweder in der ungeliebten Nordost-Region statt oder (mit Ausnahme von Quail Hollow) auf Plätzen auf denen Woods noch keine Erfahrung gesammelt hat.

Wenn Tiger Woods also den Rekord von Nicklaus brechen will, muss er im kommenden Jahr die Weichen dafür stellen. Augusta, Hoylake, Pinehurst und Valhalla sind allesamt Plätze auf denen Woods als absoluter Top-Favorit gelten muss. Um eine realistische Chance auf 18 Majorsiege zu haben, sollte er nächstes Jahr mit mindestens zwei Majorsiegen nach Hause kommen, denn ein solcher „Perfect Storm“ an Austragungsorten wird ihm für den Rest seiner Karriere nicht mehr begegnen. Bleibt er allerdings ohne Sieg, dürfte Nicklaus seinen Rekord ein für alle Mal sicher haben bis irgendwann einmal ein neues Wunderkind am Horizont auftaucht.

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