Tom Doak: Anatomy of a Golf Course

Wer nicht gerade in einem der 50 besten Golfclubs Deutschlands Mitglied ist, sollte das Buch Anatomy of a Golf Course mit Vorsicht genießen. In ihm plaudert der weltberühmte Golfplatz-Architekt Tom Doak, der die weltberühmten Plätze Barnbougle Dunes (die meisten Header dieses Blogs stammen von diesem Kurs) und Cape Kidnappers zu verantworten hat, aus dem Nähkästchen.

Sein Buch ist nicht nur eine interessante Zusammenfassung von 200 Jahren Golfplatz-Architektur, es gibt auf 242 Seiten vor allen Dingen einen faszinierenden Einblick in die Denkweise der Kursbauer. Warum ist ein Bunker genau an dieser Stelle platziert? Wie sollte der Eingang zum Grün gestaltet sein? Und aus welchen Gründen haben sich die Maßstäbe der Golfplatz-Architektur in den letzten Jahrzehnten so verändert, wie sich verändert haben?

Wer das übersichtlich in die verschiedenen Aspekte eines Platzes (Bahnenführung, Grün, Abschläge, Fairways, Hindernisse, Bäume) gegliederte Buch liest, kann natürlich noch nicht unmittelbar selber einen Golfkurs bauen. Doch zumindest wird er eine Golfrunde danach mit anderen Augen sehen und die Finessen einer Bahn besser schätzen können – oder sich über die Designfehler ärgern. Alleine beim Durchlesen fielen mir auf meinem Heimatplatz einige Verstößegegen fundamentale Grundsätze auf. Nun wird man deswegen nicht gleich aus seinem Club austreten, aber ich bin mir sicher, dass zumindest unser Spielausschuss den Tag verfluchen wird, an dem ich mir dieses Buch gekauft habe.

Denn was Doaks auch sagt ist, dass der Architekt nur für die ersten Schritte verantwortlich ist, und sein Werk anschließend in die Hände des Golfclubs gibt, der den Kurs durch die „Pubertät“ geleiten muss. Und wie bei Teenagern, denen die leitende Hand fehlt, kann auch ein Platz dabei außer Kontrolle geraten. Wenn der Greenkeeper beispielsweise vor jedem Grün einen Roughstreifen wachsen lässt, sorgt er nicht nur für ein höheres Course-Rating, er verrät damit wahrscheinlich auch einige Ideen des Architekten, der bewusst die Möglichkeit lassen wollte, den Ball flach aufs Grün zu spielen.

Denn eines darf man nie vergessen: Ein guter Kurs zeichnet sich nicht dadurch aus, dass er nur von Single-Handicappern zu bezwingen ist. Ein guter Kurs muss für Spieler jeder Handicapstufe spielbar und zu genießen sein. Wenn es nach diesem Prinzip geht, ist Tom Doak mit seinem Buch ein wahres Meisterstück der Golfplatz-Architektur gelungen. Denn ob Anfänger oder Professional: „Anatomy of a Golf Course“ ist für jeden Golfer ein lesenswertes und lehrreiches Stück Golfliteratur.

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