Tom Doak: The Confidential Guide to Golf Courses

Es ist so etwas wie der Heilige Gral der Golf-Literatur: Tom Doaks The Confidential Guide to Golf Courses. Bevor der heutige Golfplatz-Architekt Doak (und frühere Redakteur der Top-100-Liste des Golf Magazines) seine eigene Designfirma gründete, stellte er für Freunde und Bekannte ein kleines Rezensions-Büchlein von Golfplätzen zusammen, die er im Laufe seiner Ausbildung besucht hatte. Gut 800 Plätze bewertete er anhand seiner Doak-Skala, die heutzutage von vielen kopiert wird und von 0 („Reserviert für Plätze, in die Unsummen gesteckt wurden, die aber besser nie gebaut worden wären“) bis 10 („Wenn man nicht alle Plätze in dieser Kategorie gesehen hat, weiß man nicht wie gut Golfarchitektur sein kann“) reicht. 40 Bücher ließ er binden, eine kleine Zweitauflage folgte 1989. Was Doak nicht ahnte, war, dass sein Buch unter Golfenthusiasten herumgereicht und kopiert werden würde, als sei es ein Stückchen Pornoliteratur in den 50ern.

Was war so besonders an diesem Buch? Ganz einfach die Art und Weise wie Doak über die Plätze schreibt. Wer sich heutzutage Platzbesprechungen in Golfzeitschriften oder -büchern durchliest, findet Wischi-Waschi-Beschreibungen bei denen alles in eine rosarote Brille getaucht wird und Kritik allenfalls zu finden ist, wenn man ganz genau zwischen den Zeilen liest – schließlich möchte man nicht potentielle Werbekunden verprellen oder noch einmal zurück auf den Platz eingeladen werden. Nicht so Doak, der mit spitzen Bemerkungen auf wenigen Zeilen einen Platz so auseinander nimmt wie Tiger Woods in seinen besten Tagen. Pikant, denn letztlich schießt Doak damit nicht nur gegen das Design sondern zwangsläufig auch gegen den Designer. Ein Grund warum er nach zwei echten Auflagen (1.000 Stück 1994 und eine illustrierte Auflage über 12.000 Stück 1996) das Buch nicht wieder neu auflegen ließ. Weil die Rechte alleine bei ihm liegen und Doak mittlerweile selber erfolgreich als Architekt arbeitet, könnte man ihm falsche Beweggründe bei der Kritik von Kollegen unterstellen. Entsprechend schwierig ist es geworden eines dieser Bücher zu bekommen. Selbst im gebrauchten Zustand muss man schon 300 US-Dollar dafür berappen eines der begehrten Nachschlagewerke zu bekommen. Das ist mittlerweile natürlich nicht mehr auf dem aktuellsten Stand, aber immer noch ein exzellenter Gradmesser für die Qualität eines Golfplatzes und vor allem ein unglaublich unterhaltsames Stück Golf-Literatur.

Zu den Architekten, die ihr Fett wegbekommen, gehört übrigens auch Doak selber. Zwar hat er sein Design von High Pointe in seine „Eclectic 31“ gewählt – eine vorangestellte Liste seiner 31 Top-Empfehlungen wobei jeder Architekt nur einmal vertreten sein durfte – doch über seinen eigenen Charlotte Golf Links urteilt er, dass es „nicht mein stolzester Moment im Architekten-Geschäft“ war und gibt gerade mal eine Wertung von 4. Und auch sein nach eigenem Urteil übertriebenes Design des Black Forest Courses von Wilderness Valley bleibt von Selbstkritik nicht verschont. Kritik mit der nicht jeder leben kann. Tom Fazio, über dessen Plätze sich übrigens auch viel Positives in dem Buch wiederfindet, soll sich laut eines Artikels des Wall Street Journals gegenüber Mitarbeitern über kritische Worte ein wenig beleidigt geäußert haben: „Jeder hat das Recht zu sagen was er will. Man muss ihm ja nicht zustimmen.“ Auch andere äußerten sich negativ. Als das Buch herauskam, bezeichnete der Headpro von Kemper Lakes (bewertet mit 5) Doak gegenüber der Chicago Sun Time als „schäbig“ und meinte „dass er nicht besonders viel Ahnung von Golf“ habe. Unter neutralen Beobachtern hingegen erfährt Doaks Buch kultische Verehrung.

Das einzige Problem aus deutscher Sicht ist lediglich der Fokus. Da Doak sich neben seiner Heimat USA vor allen Dingen in Großbritannien aufgehalten hat um Golfplätze zu studieren, klafft um Deutschland und – ausgenommen von zwei niederländischen und vier französischen Plätzen – um ganz Kontinentaleuropa ein ziemliches Loch. Den Rest behandelt er in seiner Gossip-Sektion, wo er zusammenträgt was er über Plätze gehört hat, die er nie selber besucht hat. Abgeschlossen wird das gut 360 Seiten dicke Hardcover-Buch durch den unheimlich vergnüglichen „Doak Gazetter“, einer Sammlung von teilweise sehr schrägen Bestenlisten, die von einer Aufführung der besten Clubhäuser über die ungewöhnlichsten Bunkernamen bis hin zu einer Liste von „Clubs für die man eine Familienhistorie braucht bevor man einen spielen lässt“ reicht. Und natürlich darf in diesem Rahmen auch eine Liste der besten 18 Golflöcher nicht fehlen, wobei fast noch interessanter „Die besten 18 Löcher, die nicht mehr existieren“ und „Die 18 schlechtesten Golflöcher“ sind.

Diese Listen sind auch mit ein Grund warum man das Buch immer wieder gerne zur Hand nimmt. Es mag vielleicht 14 Jahre alt sein, aber seither ist nie wieder etwas vergleichbares geschrieben worden. Zum Einen weil den meisten der Mut fehlt, zum anderen weil viele der Golfplatz-Guides von einem Autoren-Komitee verfasst werden wodurch die einheitliche Linie fehlt. Aufgrund der Kürze zahlreicher Besprechungen mag „The Confidential Guide to Golf Courses“ auf den ersten Blick vielleicht ein wenig oberflächlich wirken, doch auf zehn Zeilen gelingt es Doak meist mehr rüberzubringen als Golfzeitschriften auf einer üppig bebilderten Vier-Seiten-Strecke schaffen. Und wer das Glück hat, eines dieser 13.000 Bücher zu besitzen, wird es immer wieder aus dem Regal herausziehen um einen Golfurlaub in den abgedeckten Gebieten zu planen. Der Preis des ursprünglich mal 45 Dollar günstigen Buches ist zwar mittlerweile grenzwertig, doch letztlich ist es immer noch weniger als man für einen neuen Driver ausgeben würde. Ansonsten bleibt nur die Hoffnung, dass Doak tatsächlich irgendwann einmal eine Neuauflage seines Buches veröffentlicht – auch wenn dies vermutlich erst nach seiner Rente der Fall sein wird. Wenn man sich allerdings einige von Doaks eigenen Kreationen wie das australische Barnbougle Dunes oder Cape Kidnappers in Neuseeland ansieht, muss man hoffen dass die Rente von Tom Doak noch in weiter Ferne ist.

6 Comments

  • Nico sagt:

    Dem Artikel nach besitzt du das Buch also? Da mich der Artikel wie immer excellent geschrieben ist und mich neugierig gemacht hatte würde ich gerne mehr von diesem Buch in einem weiteren Aritkel erfahren sofern das mit dem Urheberrecht des Buches vereinbar ist.

  • Linksgolfer sagt:

    Ja, ich hab es zu Weihnachten bekommen. Auszüge sind sicherlich möglich. Irgendein spezieller Platz, der Dich interessiert?

  • rebel sagt:

    Da stimme ich Nico zu, eine Gegenüberstellung eines von Tom Doaks bewerteten Platz und einer Golfzeitschrift. Ich mag die Bewertungen in den Golfzeitungen auch nicht, alles immer auf schööön getrimmt und ja keinem auf die Füße treten ist zum kotz…. Kein Wunder das sich so wenige diese Hefte kaufen, bla ba bla kann man sich sicher auch zu Hause anhören/lesen.

    bis denne
    rebel

  • Norman sagt:

    Welche französischen Plätze sind denn bewertet?
    Lieben Gruß
    Norman

    • Linksgolfer sagt:

      Er hat drin Golf de Chantilly, den Pines Course von Golf de Hardelot, den La Mer Course vom Golf Club du Touquet und Golf de Morfontaine.

      Sein Favorit von den vieren ist Morfontaine nördlich von Paris, dem er eine 7 gibt (ein exzellenter Platz, der es wert ist wenn man in einem Radius von 150 Kilometer in die Nähe kommt). Einige der Grüns bezeichnet er aufgrund der Konturen als Augusta-würdig, bedauert ein wenig das schwache Finish, das ihn den Platz etwas hinter englische Heideland-Kursen wie St. George’s Hill eingliedern lässt.

      Chantilly bekommt eine 6 (die letzten 6 Loch sind besser als die ersten 12, ihm gefielen Konturen und Formen von Grün und Bunkern), die anderen beiden eine 5 was auf seiner Skala immer noch überdurchschnittlich ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.