Vijay Singh bekommt eine Extrawurst

Das Masters 1993 war das letzte Major in dessen Feld der Name Vijay Singh nicht auftauchte. Seither nahm der Mann aus Fiji an 63 Major-Turnieren in Folge teil – ein Rekord, der für die Ewigkeit sein könnte. Mit der U.S. Open 2010 schien diese Serie ein Ende zu nehmen. Von leichten Verletzungen und einer schweren Formkrise geplagt purzelte der 47-Jährige bis auf Platz 63 der Weltrangliste (Tendenz: fallend) und verpasste damit die automatische Qualifikation für das Turnier in Pebble Beach. Seine letzte Option wäre die Qualifikation am kommenden Montag gewesen, aber das hielt Singh offensichtlich für unter seiner Würde und erklärte frühzeitig, dass er sich dieser unverschämten Zusammenmengung mit dem gemeinen Fußvolk der PGA Tour nicht hingeben würde.

Das Zicken hat sich gelohnt. Gestern gab die United States Golf Association (USGA) bekannt, Vijay Singh „aufgrund vieler verlockender Gründe“ eine Sondereinladung zu genehmigen. Ob wohl seine großzügige, arbeitsrechtlich vorbildliche Behandlung seiner Caddies oder seine Treue zu Sponsoren in KnastKrisenzeiten zu diesen verlockenden Gründen gehörten?

Nun könnte man diese Entscheidung der USGA einfach als Entscheidung für einen verdienten Golfer interpretieren und akzeptieren – wenn sie ihre Sondereinladungen in der Vergangenheit so rausgeworfen hätten wie Marktschreier ihren Aal. Doch bisher schien es eher, als müsse man ihnen diese Dinger aus ihren kalten, toten Händen reißen. Vor diesem Jahr erhielt die letzte Sondereinladung Nick Price im Jahr 2005. Und selbst Tom Watson musste trotz seiner beeindruckenden und publikumswirksamen Auftritte bei der Open und dem Masters lange zittern ob die hohen Herren ihn in Pebble Beach auf den Platz lassen würden.

Jetzt bekommt er also Gesellschaft von Vijay Singh – einem Mann, der anders als Watson die Chance hatte sich wie jeder andere über Leistung zu qualifizieren. Warum eigentlich? Singhs momentane Form kann es nicht sein. Da hätten die in der Weltrangliste vor ihm platzierten und ebenfalls nicht automatisch qualifizierten Jason Bohn, J.B. Holmes und Rickie Fowler eine bessere Argumentation für sich. Und wenn es um Verdienste für den Golfsport geht, fragt man sich warum ein Egomane wie Vijay Singh eine Exemption bekommt und mit David Duval eine weitere ehemalige Nummer 1, der den Inbegriff des vorbildlichen Sportsmannes verkörpert, 2007 und 2008 außen vor blieb. Davon abgesehen: Wäre es für das Publikum und den Wettbewerb nicht vielleicht interessanter gewesen statt einen abgehalfterten Altmeister einen kommenden Star wie Matteo Manassero bei der U.S. Open zu sehen?

Alles in allem wirkt die Entscheidung der USGA willkürlich. Als Veranstalter ist dies natürlich ihr gutes Recht, sie kann tun und lassen was sie will. Nur hat sie damit einen Präzedenzfall geschaffen durch den in den nächsten Jahren viele verdiente Golfer zu Recht fragen werden, warum sie denn nicht mitspielen dürfen. Und ehrlich gesagt, wenn ich Fred Couples wäre, würde ich bereits in diesem Jahr meiner Enttäuschung Ausdruck verleihen. Vor allem aber tut die USGA mit ihrer Entscheidung Singh selber keinen Gefallen. Natürlich fällt dem erst einmal ein Stein vom Herzen. Jeder echte Golfer hofft, dass vielleicht gerade in dieser Woche alles zusammen kommt und man wenigstens für vier Tage zu seinem Spiel zurückfindet. Doch wenn man in einigen Jahren auf Vijay Singhs unglaubliche Reihe der ununterbrochenen Majors-Teilnahmen blickt, wird man ab sofort im Geiste ein Sternchen dahinter setzen, weil er Nummer 64 nicht wirklich verdient hat.

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