Nefyn & District GC

Unsere Bewertung

7 Reisegolfer

Erklärung der Bewertungsskala

Was für ein Segen. Der Blick aus dem Fenster nach dem Aufwachen zeigte Sonne. Da ich Nefyn & District schon mal im strömenden Regen gespielt hatte, ahnte ich, wie schön es bei diesen Bedingungen werden könnte. Als wir den Parkplatz erreicht hatten, raubte einem der tolle Ausblick fast den Atem. Satter grüner Rasen, gelbe Ginsterbüsche und das blaue Meer. Wir hatten nach dem anmelden noch etwas Zeit und unterhielten uns mit dem Herren im Proshop. Lustig war, als er uns die Namen der Löcher auf der walisisch vorlas. Er bot uns ein Bier an, wenn wir nach der Runde die Namen richtig aussprechen können. Da wir dies sowieso nicht schaffen können, haben wir uns lieber auf unsere Runde konzentriert.

Obwohl wir aufgrund der atemberaubenden Aussicht kaum in der Lage waren, uns auf Golf zu konzentrieren, ging es los. Beim Abschlag gesellte sich Paul aus Nürnberg zu uns. Er war mit seiner Frau zum wandern hier und musste einfach diesen Platz spielen. Also Tagesticket gekauft und die 26 Löcher gespielt. Die Runde war recht entspannt, weil vor und hinter uns Platz war.

Der Club Nefyn & District wurde im Jahr 1907 gegründet. Man begann mit neun Löchern, die später (u.a. von James Braid) auf 18 erweitert wurden. Heutzutage spielt man auf 26 Löchern. 10 Löcher plus jeweils 8 Löcher old und new. Bekannt ist der Platz aber für seine 7 Löcher auf der engen Halbinsel, genannt „The Point“. Wie man auf diesem Gelände einen Golfplatz bauen kann, fasziniert mich immer noch. Auf der einen Seite ein langer, breiter Sandstrand (Porthdinllaen) und auf der anderen Felsen. Das Spiel auf dem Felsen beginnt an Loch 11 mit einem Abschlag, bei dem Slicer Gefahr laufen, dass der Ball am Strand von Porthdinllaen landet. Wenn man denn dann seinen Abschlag gut platziert hat, muss man seinen zweiten blind auf eine Anhöhe schlagen, bei der eine Stange das grobe Ziel angibt. Wir waren ganz gut. Unser Vierer-Flight hat nur einen Ball verloren und zweimal Par gespielt.

Loch 12 geht dann ungewöhnlich weiter: Ein blinder Abschlag auf ein extrem nach links hängendes Fairway. Man hat drei mögliche Ergebnisse. Entweder der Ball ist weg (bei uns 2 mal der Fall), der Ball ist etwas zu weit links und rollt auf einen Spazierweg oder der Ball liegt gut platziert auf dem schrägen Fairway. Der nächste Schlag ist dann über den stark frequentierten Fußweg und einen tiefen Abgrund zu schlagen. Das ganze auch fast blind, weil man das Grün nur von ganz links gut sehen kann. Für mich war es unmöglich, das Grün mit zwei Schlägen zu erreichen. Das Loch heißt übrigens Ty Coch. Benannt nach einem Pub, welches unten am Strand unterhalb des Cliffs ist. Leider hatte der Laden aber an diesem Tag geschlossen.

Weiter geht es auf dem Ende des Felsens, auf dem drei Löcher angelegt wurden. Ein Höhepunkt (und auch das schwerste Loch) ist die 13 mit dem Namen Land’s End. Und das ist hier auch sehr passend. Den Abschlag muss man über die irische See auf das Fairway schlagen. Das ist bei Wind aber länger als man denkt. Also dachte ich mir: „schlag einfach gerade und nutze Deinen „natürlichen“ Slice. Pustekuchen! Der erste war ein perfekter Draw, der aber leider knapp das Land verpasste. Die anderen beiden Bälle wurden ausnahmsweise gehookt. So gingen also an einem Loch drei Bälle verloren. Immerhin war das Greenfee in Nefyn mit 38 Pfund vergleichsweise günstig. Da konnte man schon mal einen Ball ins Meer schießen. Nun mussten die Bälle also „nur“ noch auf das Grün am Ende des Cliffs. Dort parkte allerdings ein kleiner Lieferwagen. Der Fahrer war mit der Renovierung des Turms der Seenotrettung beschäftigt. Bevor wir uns einig wurden, was passiert, wenn man seinen Ball in den Lieferwagen schlägt, fuhr er los – ,itten über das Fairway!! Interessanterweise sah man nachher keine Spuren oder ähnliches. Die Fairways waren so hart, dass der Wagen dem Boden nichts ausmachte.

Durch die Renovierungsarbeiten konnten wir leider nicht vom Turm auf das Grün von Loch 14 abschlagen. Aber mit dem Tee etwas vor dem Turm war dieses Par 3 auch nicht schlecht. Wir mussten bei starken Wind von vorne links ca. 140 Meter bergab schlagen. Hinter dem Grün lauerte ein Abgrund und die irische See und vor dem Grün ein Bunker. Nicht schlecht. Das war mal ein anständiges Par 3. Loch 15 ist dann das, aus meiner Sicht, einfachste Loch auf der Halbinsel. Einfach gradeaus, etwas halbblind abschlagen und dann den zweiten locker aufs Grün (klappte bisher immer).

Das große Finale beginnt mit einem Par 3 über ein tiefes Loch, genannt „Pot“. Das Loch kann man nicht beschreiben. Man muss es gesehen haben. Es ist tief. Richtig tief! Keine Ahnung, wie das dahin kommt. Wenn man das Loch aber halbwegs anständig spielt, ist ein Par hier nicht so schwer. Man muss nur mit dem Wind klarkommen. Und von dem hatten wir reichlich während der Runde. Loch 17 konnten wir zum Glück mit dem Wind im Rücken spielen. Ein nettes Par mit nach rechts abfallendem Fairway und vielen Spaziergängern. Dazu muss man wissen, dass über den Platz ein öffentlicher Weg zum Pub führt. Ich möchte nicht wissen, was hier in der Hauptsaison los ist. Wir waren ja auf einem Montag außerhalb der Ferien dort.

Loch 17 war also abgeschlossen und über Loch 18 ging es gegen den Wind Richtung Clubhaus. „Krönender“ Abschluss für mich war dann mein zweiter Schlag auf dem Loch. Ziel war das Grün. Leider hatte ich den falschen Schläger gegriffen und mein Ball landete auf dem Clubhaus… Ich traute mich nicht zu fragen, ob ich meinen Ball auf dem Dach suchen darf. War aber laut Platzregel sowieso Aus.

Fazit: Ein traumhafter Golftag in großartiger Umgebung auf einem außergewöhnlichen Platz. Dort nennt man es das Pebble Beach von Nord Wales. Wer die Gelegenheit hat, muss dort unbedingt spielen. Auch ein Umweg lohnt. Und das Greenfee für so einen Platz ist fast geschenkt.

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