Warum der Golfsport (noch) keine Doping-Epidemie hat

Die WADA bekämpft auch Doping im Golf
Die WADA bekämpft auch Doping im Golf

Jeder weiß, dass der Golfsport den Antidopingkampf nicht gerade Ernst nimmt. Dies machte vor einigen Wochen noch Dr. Thomas Bach deutlich. Und wenn der Chef des IOC berechtigterweise eine moralische Überlegenheit hat, weiß man, dass seine Sportart ein Riesen-Problem hat. Die Problematik liegt allerdings in erster Linie an der Transparenz, nicht am exzessiven Doping – so dachte man.

Denn am 29. Juli veröffentlichte die Irish Times einen reißerischen Artikel mit dem Titel „Golf überholt Radsport und Leichtathletik bei Dopingfunden“. Autor Johnny Watterson hatte offenbar frühzeitig Vorgriff auf den einen Tag später veröffentlichten Jahresbericht der World Anti Doping Agency. Doch wie es im heutigen Internet-Zeitalter so ist, hat der Autor den Bericht entweder nur in Auszügen oder nur oberflächlich gelesen. Und wie es im Internet ebenfalls ist, hat sich der Artikel wie die Stille Post verselbständigt und immer absurdere Züge angenommen. Die Golf Post übersetzte und komprimierte den Artikel einfach und suggeriert es hätte acht Dopingfälle gegeben. Und Golf News Net faselt von „relativ hohem Dopingmissbrauch“, hat es aber wenigstens geschafft gute Zusatzinformationen hinzuzufügen.

Um den Blödsinn von der Wahrheit zu trennen, hier einige Fakten. Die Irish Times behauptet:

„Golf hat 1,6% positive Dopingtests – verglichen mit 1% für Leichtathletik und Radsport“.

Dies ist ein Definitionsproblem. Man kann theoretisch sagen, es sind positive Dopingtests, aber in der Umgangssprache ist positiver Dopingtest gleichgesetzt mit einem Dopingvergehen. Das ist aber falsch. Deshalb wird in den Berichten der NADA von positiven Analyseergebnissen gesprochen, beziehungsweise Auffälligkeiten schlicht als „Vorhandensein“ definiert. Die Jahresstatistik der WADA schreibt sogar explizit im Kleingedruckten „Adverse Analytical Findings (AAF) in diesem Report sollten nicht mit sanktionierten Anti-Doping-Verletzungen verwechselt werden“. Diesen Hinweis haben leider alle Artikel unterschlagen – vermutlich weil so gut wie niemand den tatsächlichen Bericht gelesen hat. Dies zeigt sich auch in einer weiteren Behauptung der Irish Times und der Golf Post. Denn beide sagen, es seien „507 Blut- und Urinproben“ eingereicht worden. Dabei weiß doch nun wirklich jeder, dass im Golfsport keinerlei Bluttests durchgeführt werden.

Wie wenig Ernst man den Artikel der Irish Times nehmen kann, beweist aber vor allem ein dritter Satz: „Die Zahlen zu den Proben sind nicht weiter aufgeschlüsselt hinsichtlich des sportlichen Levels und wo sie herkommen“. Dabei findet man genau diese Informationen in einer Tabelle der WADA-Statistik, die aber so weit unten steht, dass niemand Lust hatte danach zu suchen. Hier der relevante Ausschnitt:

Von den acht Adverse Analytival Findings stammen je zwei aus Italien und Frankreich und eine aus Deutschland, Spanien, Korea sowie von der International Golf Federation. Wenn man sich dann noch die Mühe machen würde, in den Berichten der einzelnen nationalen Verbände nachzuschauen, könnte man das Ganze sogar noch weiter aufschlüsseln. So findet man im Jahresbericht der deutschen NADA beispielsweise, dass die AAF im September 2014 bei einer Wettkampfkontrolle einen positiven Test auf Prednisolon ergab, das zu den Glucocorticosteroiden gehört. Zudem gibt es dort den Hinweis, dass ein medizinisches Attest des Athleten vorlag – es war also kein Dopingvergehen. Im Bericht der französischen Antidoping-Agentur findet sich zumindest der Hinweis, dass bei einem der zwei AAFs keine weiteren Maßnahmen ergriffen wurden, beim zweiten wurde eine Sanktion verhängt. Aufgrund fehlender Sprachkenntnisse konnte ich mich leider nicht durch die Berichte der anderen nationalen Dopingagenturen wühlen, aber alleine diese beiden Beispiele beweisen, wie verantwortungslos die Berichterstattung ist, wirft sie doch harmlose Tests wie im deutschen Beispiel mit der positiven Dopingprobe bei der International Golf Federation in einen Topf. Auch die hätte man übrigens mit etwa zehn Sekunden Recherche auffinden können. Und zwar betraf sie den Südafrikaner Christiaan Bezuidenhout, der nach einer positiven Probe bei der Amateur Championship für neun Monate gesperrt wurde. Er hatte Beta-Blocker eingenommen, die eine beruhigende Wirkung haben. Zwar hatte er ein Rezept für das Medikament, das sein Stottern bekämpfen sollte (weshalb die Strafe auch nicht für zwei Jahre verhängt wurde), was ihn aber nicht frei von der Schuld macht, da Athleten eigenverantwortlich sind.

Das Schlimme ist, dass die durch diesen fehlgeleiteten Artikel ausgerufene Hysterie vom eigentlichen Problem im Antidoping-Kampf des Golfsports ablenkt. So konnte sich IGF-Vizepräsident Ty Votaw aufgrund dieser Berichterstattung hinstellen und zu Recht behaupten, dass diese Zahlen nichts aussagen, da sie keine medizinischen Ausnahmegenehmigungen berücksichtigen und zudem darauf verweisen, dass sie von nationalen Dopingtests stammen – ergo die großen Touren nicht betreffen. Und genau da liegt der Hund begraben. Denn eine Transparenz bei den Testergebnissen, wie sie die WADA und die nationalen Dopingagenturen haben, gibt es beispielsweise bei der PGA Tour nicht. Dort werden zwar auch Proben entnommen, aber an eigene Labore geschickt. Und wie absurd die Kontrollen sind, habe ich bereits an anderer Stelle aufgeführt. Eine Übersicht über die Ergebnisse dieser Proben sucht man vergeblich, zudem wird nach weniger Substanzen gesucht. Das deutsche Analyseergebnis wäre beispielsweise auf der PGA Tour nicht aufgetaucht, da man nicht auf Glucocorticosteroide testet. Solange die großen Touren weiterhin ihr eigenes Süppchen kochen, kann man den Antidoping-Kampf nicht Ernst nehmen. Und das ist viel fataler als 1,6% Adverse Analytical Findings von denen ein Großteil ohne Dopingrelevanz war.

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