Warum ich plötzlich Tiger-Fan bin

Jahrelang konnte ich Tiger Woods nichts abgewinnen. Der Mann war in seiner Perfektion einfach langweilig. Jedesmal wenn die damalige Nummer 1 im Golf einen Schlag versemmelte, freute ich mich deshalb in meinem Kämmerlein darüber. Natürlich folgte im Anschluss an das Missgeschick immer ein Wunderschwung, der alles gerade rückte und letztendlich doch irgendwie zum Turniersieg führte. Fast hätte man annehmen können, Tiger streue solche Fehler mit Absicht ein, nur um dann ordenlich mit seinem Können angeben zu können. Der Mann war die Pest. Eine Art FC Bayern München des Golfsports.

Die Zeiten haben sich geändert. Tigers Ex-Frau kann bestätigen, dass der Kerl alles andere als perfekt ist. Die diversen außerehelichen Affären (von denen angeblich im Medienzirkus PGA Tour keiner was gewusst hat bzw. die niemand gepetzt hat) machen deutlich: Tiger ist tatsächlich auch nur ein Mensch. Und das sieht man inzwischen seinem Golfspiel an.

Seit dem Sexskandal zeigt die Formkurve nach unten, mit den Turniersiegen läuft es nicht so und über die Majors wollen wir gar nicht erst reden. Tiger steckt in der Krise, das wurmt ihn sichtlich. Und genau jetzt erwische ich mich regelmäßig dabei, wie mein Herz für den ehemals besten Golfer der Welt schlägt.

Woods zeigt inzwischen Emotionen jenseits der legendären Tigerfaust. Nach all den Lügen in seinem Leben und der perfekten Marketingshow, lässt der Tiger derzeit tief in sein Seelenleben blicken. Er haut seinen Driver regelmäßig vor Wut in den Abschlag, flüchtet sich in Sarkasmus und lacht selbstironisch laut auf, wenn er mal wieder die Wälder und nicht das Fairway findet. Läuft ein guter Putt knapp am Loch vorbei, dann sieht man ihm die grenzenlose Enttäuschung an. Mir geht häufig genauso wie ihm und deshalb fühle ich mit. Und aus diesem Grund freue ich mich auch über jedes seiner Birdies und  Eagles.

Wenn es nach mir geht, sollte Tiger heute abend das Masters gewinnen. Mit Sicherheit mache ich dann die Tigerfaust in meinem Wohnzimmer.

PS: Falls übrigens jetzt jemand glaubt, ich würde derzeit den schwächelnden FC Bayern München gut finden … großer Irrtum. So schlecht können die überhaupt nicht spielen, dass ich Sympathie empfinde.

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