Was vom Masters übrig blieb 2016 – Gewinner und Verlierer

Das 80. Masters ist in den Büchern – und wieder wurde es ein Unvergessliches. Aus deutscher Sicht, weil man drei Tage lang auf ein Anhausener Wunder hoffen konnte. Aus Sicht von „Game of Thrones“-Fans, weil Theon Greyjoy das Grüne Jackett übergestreift bekam und aus Sicht von Menschen, die sich gerne Autounfälle in Zeitlupe ansehen, denn nichts anderes lieferte Jordan Spieth an Loch 12. Doch es gab nicht nur die offensichtlichen Gewinner und Verlierer. Hier sind unsere Kandidaten.

Verlierer

Jordan Spieth
Fool Me Once, shame on you. Fool me twice… Der doppelte Wasserschlag von Spieth an der 12 wird in den nächsten 10 Jahren immer wieder zu sehen sein. Und auch Spieths Umgang mit Niederlagen (auf dem Platz) hat ihm einen Riss in seiner Rüstung verpasst. Es wird spannend zu sehen sein, wie er mit dem ersten richtig großen Rückschlag seiner Karriere umgehen kann.

Wheels Up
Drei Tage lang lief Bernhard Langer ohne Sponsoren-Schriftzug auf dem Visor rum. Dann griff der Privatjet-Anbieter in die Tasche und hoffte mit der nationalen Aufmerksamkeit richtig Geld zu machen. Doch nachdem Langer sich mit einigen Bogeys aus dem Rennen schoss, fand er so gut wie gar nicht mehr im Bild statt. Ein bisschen wie die Kleinanleger, die beim Börsen-Höchststand einsteigen.

Steve Williams
Mit David Clarke an der Tasche holte Adam Scott kurz vor dem Masters zwei Siege und einen zweiten Platz. In Augusta National wechselte er zurück zu Steve Williams – und spielte keine Rolle. Soviel zum Nimbus des Ex-Sklaven von Tiger Woods.

Ian Woosnam
Wenn Bernhard Langer der jüngste 58-Jährige im Golf-Zirkus ist, ist Ian Woosnam der Älteste. Frustriert von zwei Runden über 80 und dem 14. verpassten Cut in 15 Versuchen, gab der Waliser bekannt, dass dies sein letztes Masters war – und verpasste so einen stilvollen Abschied, wie ihn Tom Watson in diesem Jahr feierte.

Bubba Watson
Nur der 10-Shot-Rule verdankt es Bubba, dass er nicht zum ersten Mal in Augusta den Cut verpasste. Dennoch illustrierte das Turnier einmal mehr wie sehr Watsons Leistung von seiner Laune abhängt: denn neben seinen zwei Siegen gab es nur noch einen zwanzigsten Platz. Alle anderen Resultate lagen außerhalb der Top 30. Für einen Platz-Spezialisten ein desaströses Resultat.

Rory McIlroy
Ich habe es bereits 2011 gesagt und bleibe auch heute noch dabei: Das Masters wird für alle Zeiten Rorys weißer Wal bleiben und er wird es nie gewinnen. Dieses Mal war die dritte Runde sein Verdammnis, in der er die gleichen Fehler machte, wie bei seinem damaligen Einbruch. Auch wenn der Nordire jetzt zum dritten Mal in Folge ein Top-10-Resultat eingefahren hat: eine Liebe wird es zwischen ihm und Augusta National wohl nie.

Martin Kaymer
Das kann man definitiv auch über Martin Kaymer sagen, der weiterhin bei zwei Karriere-Runden unter Par stehen bleibt. Der vierte geschaffte Cut hin oder her: es passt einfach nicht zusammen. Darüber kann auch nicht sein Schluss-Spurt in Runde 4 hinwegtäuschen. Bereits 2013 legte er so einen hin – sein Verhältnis zum Kurs hat es damals nicht verändert. Und seine frustrierten und lustlosen Interviews nach der Runde haben ihm auch nicht gerade gut getan.

Phil Mickelson
Für mich war er der Top-Favorit in diesem Jahr: Mickelson trifft diese Saison den Ball so gut wie fast nie in seiner Karriere und kein anderer liebt den Platz wie er. Doch am Ende verpasste er den Cut. Doch vor allem das Wie tat weh: ein ums andere Mal verschob er die (so weit wie man das in Augusta sagen kann) die simpelsten Putts: bezeichnend sein Dreiputt aus 50cm auf der 8 in Runde zwei. So ratlos wie bei seiner 79 – der schlechtesten Runde seiner 25-jährigen Masters-Karriere – hat man Phil noch nie gesehen.

Rickie Fowler
Ausgerechnet in dem Jahr, in dem Fowler endgültig zu den vermeintlichen Big Three aufschließen wollte, verpasst er sang- und klanglos seinen ersten Cut beim Masters. Kein gutes Zeichen für die Saison.

Die Front 9 von Augusta National
Wie so oft passierte auf den ersten 9 Löchern der Schlussrunde nichts. Es gab kaum Birdies und noch weniger Desaster. Ganz still und leise konnte Jordan Spieth seine Kreise ziehen, so dass es schwer fiel, seine Kreise zu ziehen. Doch dann drehte ein verzweifelter Blogger, der vor der Saison gewettet hatte, dass weder Spieth noch Day oder McIlroy 2016 ein Major gewinnen, mit einem aus der Not geborenen Facebook-Post das Masters 😉

Gewinner

Die Back 9 von Augusta National
Der alte, aus frühererer Sendegewohnheiten gewonnene, Spruch „Das Masters startet erst auf den Back 9 am Sonntag“ bewahrheitete sich auch 2016. Nachdem alles nach einem Schnarchevent erster Güte aussah, brach Spieth im Amen Corner ein während Willett souverän seinen Rhythmuss abspulte und am Ende einen 7-Shot-Swing erreichte.

Danny Willett
D’uh! Vor dem Turnier war Danny Willett der vielleicht unauffälligste Weltranglisten-Zwölfte aller Zeiten. Nach dem Turnier ist er der größte Überraschungs-Sieger des Masters seit mindestens Zach Johnson 2007. Dummerweise wird man das Masters nicht für seinen Sieg in Erinnerung behalten. So wie bei seinem Landsmann Nick Faldo 1996 bleibt das Turnier bei den meisten für den Kollaps eines Konkurrenten in Erinnerung – in diesem Fall Jordan Spieth. Doch man darf nicht vergessen, dass Willett die beste Runde des Tages gespielt hat und auf den letzten zwei Löchern auch dem Druck eines möglichen Major-Sieges Stand hielt.

Bernhard Langer
Auch wenn es am Ende wie 2013 war und der Deutsche mit der zweitschlechtesten Schlussrunde noch weit zurück fiel, hat der 58-Jährige wieder ein Statement gesetzt. Wer allerdings glaubt, dass Langer deshalb immer noch auf der PGA Tour 2/3 der Konkurrenz in Grund und Boden spielen könnte, hat nicht die Einzigartigkeit des Designs von Augusta National verstanden. Doch bei den richtigen äußeren Bedingungen möchte man aufgrund des fairen Designs nicht ausschließen, dass Langer auch im Alter von 60 Jahren hier noch zumindest jeden deutschen Konkurrenten locker in die Tasche stecken wird.

Bryson DeChambeau
Der junge Amateur hat bereits durch sein sensationell smartes und sympathisches Auftreten in der Pressekonferenz vor dem Turnier für Furore gesorgt. Dass er dies dann auch noch mit Leistung untermauerte war umso bemerkenswerter. Wäre da nicht die vermaledeite 18 gewesen, wäre er in der finalen Gruppe in den dritten Tag gestartet. Am Ende brach er ein, wohl auch aufgrund einer Hüftverletzung, aber die Erwartungen an seine Profikarriere sind groß und die Sponsoren werden bereits jetzt Schlange stehen.

Romain Langasque
Dies gilt auch für den zweiten Amateur, der den Cut schaffte. Mit einer 68 am Sonntag setzte der Franzose noch einmal ein Ausrufezeichen und geht ebenfalls mit Rückenwind in seine Profikarriere.

Ernie Els
Was? Ernie Els bei den Gewinnern? Nach seinem 6-Putt aus einem Meter? Ganz genau! Ernie Els spielte weiter obwohl das Desaster auf Loch 1 passierte. Er stellte sich in einem bemerkenswerten Interview der Presse und kam am nächsten Tag ebenfalls wieder, um die zweite Runde zu spielen. Das nötigt den höchsten Respekt ab.

Louis Oosthuizen

Daniel Berger und Sören Kjeldsen
Als 45. und 41. der Weltrangliste hatten sie die Qualifikation für das nächste Masters keinesfalls sicher. Doch mit ihren Plätzen 10, bzw. 7 haben sie bereits jetzt das Ticket für 2017 gelöst.

England
Platz 1,2,4,7 und 10 – nie zuvor in der Masters-Geschichte haben die Mannen ihrer Majestät ein solches Statement abgegeben. Tatsächlich ergeben die Platzierungen der Top 5 Engländer zusammengerechnet das Ergebnis des besten Deutschen. Naja, wenigstens sind wir Weltmeister.

4 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.