Was von Tiger Woods‘ Comeback zu erwarten ist

Morgen abend deutscher Zeit versucht Tiger Woods sein mittlerweile viertes Comeback nach einer Reihe von Rücken-Operationen. Und wie immer sind die Erwartungen exorbitant. Gezielt gestreute Informationen zu seinem Fitness-Zustand und dem Status seines Spiels – keine Schmerzen / Längere Drives als Dustin Johnson – lassen einige Fans bereits hoffen, Tiger könnte bei der Hero World Challenge ernsthaft gewinnen. Zumindest aber die Buchmacher sind skeptischer. Mit einer Quote von 43:1 gilt Woods als größter Außenseiter im 18 Mann kleinen Feld.

Und die Buchmacher haben guten Grund, die Erwartungen niedrig anzusetzen. Seit seiner ersten Rücken-OP im Februar 2015 ist Woods gerade einmal in 12 Turnieren angetreten. Fünf davon musste er vorzeitig beenden, weil er den Cut verpasste oder verletzt war. Sein letztes Top-10-Resultat ist über zwei Jahre her, bei der Wyndham Championship 2015. Und bei den drei weiteren Top-20-Ergebnissen kann man die Hero World Challenge 2016 herausrechnen, weil er dort 15. von 17 war. Was bedeutet, dass Woods in den letzten drei Jahren öfter auf dem OP-Tisch als unter den besten 30 landete.

Tiger und seine Sprecher argumentieren, dass er immer zu früh zurückgekehrt ist und sich jetzt erstmals die Zeit genommen hat, um völlig fit zu werden. Schließlich lieg sein letzter Start 10 Monate zurück. Vor seinem letzten Comeback-Versuch 2016 hatte er allerdings 15 Monate Auszeit genommen – und der Rücken war trotzdem nicht ausgeheilt. „Ich hatte überhaupt keine Schmerzen“, sagte Woods nach der ersten Runde der Dubai Desert Classic. Kurz darauf zog er sich vom Turnier zurück und zwei Monate später lag er wieder auf dem OP-Tisch. Lippenbekenntnisse sind eine Sache. Ein unbarmherziger Turnierplan mit 2-3 Mal im Monat vier aufeinanderfolgenden Runden Golf sind eine andere. Und solange Tigers Körper nicht nachgewiesen hat, dass er diese Belastung über einen längeren Zeitraum verkraftet, tun wir alle gut daran, mit verhaltenem Optimismus die Sache anzugehen.

Denn es ist nicht nur Woods‘ Gesundheitszustand. Auch sein Alter muss man in Betracht ziehen. Wenn Tiger bei der Hero World Challenge aufteet, ist er exakt 41 Jahre und 11 Monate. Unter den Top 100 der Welt finden sich lediglich zwei Spieler, die älter sind: Phil Mickelson und Lee Westwood. Und auch bei den Majors – das einzige Ziel für das Woods überhaupt noch spielt – sieht es schlecht aus. Seit 2000 wurden gerade mal viers Majors von Spielern jenseits der 42 gewonnen. Die Gemeinsamkeit? Es geschah bei der Open Championship. Hier, wo die Fairways hart sind und die Bälle rollen, bestehen die besten Chancen für ältere Spieler. Angesichts des Erfolgs von Jack Nicklaus beim Masters könnte man davon ausgehen, dass auch hier die Chancen gut stehen. Aber Augusta National hat sich in den letzten 30 Jahren so stark verändert, dass auch hier die Powerhitter einen enormen Vorteil haben.

Als Tiger 2013 seine letzte volle Saison auf der PGA Tour gespielt hat, lag seine durchschnittliche Drivelänge bei 293,2 Yards. Im letzten Jahr wäre er damit 92. auf der PGA Tour gewesen. Seither ist Woods fast fünf Jahre älter geworden und sein Rücken mehrfach operiert. Es fällt daher schwer zu glauben, dass er mit den modernen Spielern in dieser Hinsicht mithalten kann. Auszugleichen ist dies nur durch ein immenses Maß an Erfahrung. Doch nach so vielen von Pausen durchzogenen Jahren wird es einige Zeit dauern, den Rost abzuschütteln und von der Erfahrung profitieren zu können. Zumal mittlerweile viele der kleineren Events, die Woods für einen vollen Terminkalender spielen müsste, da er für die WGCs nicht spielberechtigt ist, auf Plätzen stattfinden, die für ihn Neuland sind.

Im kommenden Juni jährt sich Tigers letzter Majorsieg, bei der US Open 2008, zum zehnten Mal. Nur fünf Spieler, die älter waren als Woods, konnten eine so lange Durststrecke durchbrechen: Ernie Els, Ben Crenshaw, Julius Boros, Lee Trevino und Hale Irwin. Und auch wenn man den Fokus von Majors auf reguläre Turniere erweitert, sieht es nicht viel besser aus. Von den letzten 192 Turnieren auf der PGA Tour wurden nur 8 von Spielern über 42 gewonnen. Knapp jedes 25., oder im Schnitt zwei pro Saison.

Ist es unmöglich, dass Tiger Woods noch einmal zu alter Stärke zurück findet, die Felder dominiert und erneut Turniere oder gar Majors gewinnt? Natürlich nicht. Genauso wenig wie es unmöglich ist, dass ein Spieler über 50 ein Major gewinnt. Aber vergessen wir eines nicht: egal ob Tom Watson oder Greg Norman bei der Open oder Bernhard Langer oder Fred Couples beim Masters. Sie mögen kurzzeitig den Eindruck erweckt haben, sie könnten gewinnen, am Ende hat es aber keiner von ihnen geschafft. Und das ist ein legitimer Vergleich für die Chancen von Woods auf eine Rückkehr in die Siegesspur. Wir sollten uns über jedes Turnier freuen in dem er schmerzfrei mitspielen kann. Aber erwarten sollte niemand zu viel. Es ist immer besser, positiv überrascht als enttäuscht zu werden.

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