We-Ko-Pa Cholla

Unsere Bewertung

7 Reisegolfer

5 Linksgolfer

Erklärung der Bewertungsskala

Nachdem die Morgenrunde auf dem Saguaro verzögert begonnen hatte, gingen meine kanadischen Begleiter und ich gleich nach Ende in den Pro-Shop, um zu fragen, wann wir auf den Cholla gehen können. Wir hatten Glück: Es war gerade nichts los, also fuhren wir zu einem Twilight-Greenfee ohne Mittagspause gleich auf den ersten Abschlag. Dieses Mal nutzte auch ich ein Cart – schließlich hatte der von Scott Miller designte Cholla mehr Höhenunterschiede und längere Wege zwischen Tee und Grün.

Es war 13 Uhr 10. Vier Stunden Zeit bis zum Sonnenuntergang. Und tatsächlich flogen wir die ersten vier Löcher über den 6606 Meter langen We-Ko-Pa Cholla. Die ersten beiden Löcher, ein Par 4 und ein Par 5, haben einen ähnlichen Charakter. Die Abschläge liegen in einem 90 Grad Winkel zum Fairway. Auf der 1 entsteht so ein Dogleg nach links, an der 2 eines nach rechts.

Das Gleiche begegnet uns wieder an der 6, wo es durch eine Schlucht visuell allerdings am Eindrucksvollsten ist. Hier erschweren zudem vor dem leicht erhöhten Fairway platzierte Bunker den Schwierigkeitsgrad. Man muss also nicht nur einen guten Schlag machen, man muss auch seine eigenen Qualitäten (und Längen) ganz genau kennen, um auf dem Fairway zu landen.

An der 7 hatte ich schließlich einen seltsamen Gedanken. Das kurze Par 4 hat in der Mitte des Fairways eine kreisrunde Wüstenzone mit einigen Bäumen darin, die aus der immen breiten Bahn eine Art zweigeteiltes Fairway machen. Der zweite Teil der Bahn führt bergauf, aber die Bahn ist insgesamt recht simpel und ohne großen Reiz. Als ich so auf dem Grün stand und zurückblickte, war ich hingerissen. Ganz klar: Hätte man das Loch in die andere Richtung geroutet, wäre es ein echter Klassiker geworden. Denn bergab hätte man überlegen müssen, womit man abschlägt, um nicht durchs Fairway zu laufen.

Auch die 8 ist nicht perfekt. Das lange Par 5 sieht zwar cool aus, ist anspruchsvoll und hat strategische Qualitäten. Aber das Grün ist einfach nur absurd. Einer meiner Mitspieler puttete seinen Ball Zentimeter übers Loch, der rollte aber noch 10 Meter weiter und vom Grün runter. Vier frustrierte Chips später, die ihm zurück vor die Füße rollten, hatte er genug – was dazu führte, dass kein anderer den Ball auch nur annähernd zum Loch puttete, damit ihm nicht das Gleiche passiert. Was für Profis in Augusta bei einem Stimpmeter-Wert von 14 vertretbar ist, sollte nicht für Amateure an einem ganz normalen Winter-Sonntag gelten.

Es ist nicht das einzige Mal, dass es eine absurde Strafe für einen kleinen Fehlschlag gibt. Auf der 12, einem 357 Meter kurzen Par 4 von den Backtees, spielte einer meiner Mitspieler ein gut getroffenes Eisen 8 auf das stark erhöhte Grün. Alle waren überzeugt, dass der Ball maximal 4 Meter von der Fahne liegt. Wo fand er seinen Ball? Rechts vom Grün unspielbar in einem Wüstengraben 8 Meter unterhalb des Grüns. Es ist vollkommen okay, eine Runoff-Area für Schläge zu gestalten, die vielleicht nicht ganz perfekt sind. Aber ein guter Schlag ins Grüns sollte nicht auf diese Art bestraft werden.

Natürlich kommt nicht nur hier die Wüste ins Spiel. Wer auf der Runde großen Ballverlust gemacht hat, bekommt auf der 15 die Chance, alles wieder wett zu machen. Das von den Backtees 299 Meter kurze Par 4 ist einer meiner Favoriten auf dem Cholla. Und das obwohl ich zu aggressiv war und meinen Ball links vom Fairway slicete. Als ich ihn suchen wollte und den steilen Abgrund hinunterstieg, fühlte ich mich wie im Bällebad von Ikea – mit dem Unterschied, das die Bälle hier Pro V1s waren. Wenn man gewollt hätte, hätte man hier 30-40 mitnehmen können.

Die letzten drei Löcher spielten wir schließlich im Schnelldurchlauf. Nachdem wir fünf Löcher lang von einem Viererflight aufgehalten wurden, drängte die Zeit. Eigentlich schade, denn das Finale gehört zum Besten von We-Ko-Pa Cholla. Die 431 Meter lange 16 hat im Dogleg nach links ein ungewöhnliches Hindernis. Wenn man die aggressive Linie wählt und zu kurz bleibt, muss man den zweiten Schlag von einem glattgeschliffenen Felsen ausführen.

Die 529 Meter lange 17 ist das beste Par 5 des Platzes, und mit der 18 gibt es noch einmal ein attraktives Par 4 zum Abschluss, das den Teich überhaupt nicht nötig gehabt hätte. Um Punkt 16.45 Uhr waren wir mit der Runde durch. 7 Stunden und 35 Minuten für 36 Löcher im Viererflight kann sich durchaus sehen lassen. Am Ende waren wir sogar zu schnell. Denn als ich eine halbe Stunde später im Auto saß, gab es einen sensationellen Sonnenuntergang, der die letzten Bahnen sicherlich unvergesslich gemacht hätte. Aber auch so war es ein grandioser Golftag mit 18 großartigen Löchern (Saguaro) und 18 guten 18 (Cholla) hinterher.

Gespielt am: 5.12.2016

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