Week in Review 1/2013: Die mit den Treehuggern, dem Waschbären und dem iPhone

Das erste Mal

Nervosität, Versagensängste, vorzeitiges Ende: wenn es um das erste Mal geht, herrscht bei den meisten Panik statt Freude. Nicht so bei Russell Henley. Der 23-Jährige Rookie, der als Amateur bereits auf der Nationwide Tour gewann, hatte bei der Sony Open seinen ersten PGA-Tour-Start, schaffte es ins Wochenende und gewann locker mal eben mit einem Turnierrekord von 256 Schlägen (und dem drittniedrigsten 72-Loch-Ergebnis aller Zeiten). Damit war Henley der erste Spieler seit 12 Jahren, dem es gelang sein PGA-Tour-Debüt mit einem Sieg zu beenden und der fünfte Spieler überhaupt. Vor ihm schafften dies nur Garrett Willis (2001 Tucson Open), Robert Gamez (1990 Tucson Open), Ben Crenshaw (1973 Texas Open) und Marty Fleckman (1967 Cajun Classic).

Neidgesellschaft

Es ist vollbracht: Rory McIlroy ist offiziell ein Angestellter von Nike. Wochenlang war (erfolglos) ein großes Geheimnis darüber gemacht worden, wen Nike denn wohl unter Vertrag genommen hat – mit amüsanten Folgen. Bereits am Freitag waren Medienvertreter zu der Pressekonferenz eingeladen worden, bei der möchtegern-mysteriös ein „top platzierter Golfer“ vorgestellt werden sollte.

Wer konnte das nur sein? Dem Rätselraten war Tür und Tor geöffnet – zumindest einen Absatz lang bis man sich die gesamte Geheimniskrämerei selber versaute in dem man schrieb von wem denn Stellungnahmen zu erwarten sind.

Aber immerhin hat es Golf damit endlich wieder einmal auf die Titelseiten gebracht. Spiegel Online berichtet über den Viertelmilliarden-Mann, Bild, die normalerweise nur über Golf berichten wenn ein raffgieriger Flughafen-Manager den Sport als Hobby hat, nennt McIlroy den Gold-Golfer. Zwar weiß niemand wieviel der Deal mit McIlroy wirklich wert ist (mittlerweile ist bekannt, dass zumindest die Vertragslänge und damit auch die Gesamtsumme zu hoch sind), aber weil irgendwo mal stand, dass McIlroy 250 Millionen Dollar kassiert, wird es einfach mal so geschrieben – mit den zu erwartenden Folgen. Die (erfahrungsgemäß recht beschränkten) User von Spiegel Online echauffieren sich wie man jemandem so viel Geld zahlen kann, lästern über den Golfsport ab und schwören nie wieder ein Kleidungsstück mit dem Nike-Logo zu kaufen. Dass der Deal wirtschaftlich für beide Seiten Sinn macht? Ganz egal. Vielleicht sollte man sich für ein wenig Perspektive einmal die Forbes-Liste der bestverdienenden Vorstandsvorsitzenden anschauen in der McIlroy selbst mit dem höchsten anzunehmenden Jahresgehalt von 25 Millionen Dollar (man kann davon ausgehen, dass Nike dabei eine Bonusklausel für Majors implementiert hat) gerade Mal auf Platz 40 landen würde. Und wenn man dann noch bedenkt, dass jeder der 100 Top-CEOs vermutlich den gleich guten oder schlechten Job macht wie der Top-Verdiener, aber Simon Dyson oder Ross Fisher Nike Nike nicht mal ein Millionstel von dem an Umsatz bringen was McIlroy verspricht, sollte man vielleicht mal über die Relationen nachdenken. Aber was will man erwarten, wenn selbst Golf-Seiten über den Deal nur Blödsinn verbreiten, z.B. dass McIlory ein Sponsor abgeprungen ist weil Nike ihnen zu proletarisch war, wie es Exklusiv Golfen behauptet – wo doch jeder weiß, dass Nike mit seinen Spielern Exklusiv-Verträge schließt, die keine anderen Sponsoren auf der Kleidung erlauben.

Frühstarter

Vielleicht sollte Louis Oosthuizen einmal darüber nachdenken, seine Saison erst beim Masters zu beginnen. Schließlich hat der Südafrikaner mit der Volvo Golf Champions bereits das dritte Jahr in Folge seinen ersten Start im Kalenderjahr mit einem Sieg absolviert. Zugegeben: das Turnier der European-Tour-Sieger war nur ein 30-Mann-Event, aber Fakt ist, dass Oosthuizen mittlerweile die vierte European-Tour-Saison in Folge mindestens einen Sieg eingefahren hat – damit hat er aktuell die längste aktive Serie, die nur von Ian Poulter (2009-2012) übertrumpft oder von Luke Donald und Matteo Manassero (2010-2012) eingestellt werden kann.

Bully

Keiner hat nach ihm gefragt – und dennoch ist Colin Montgomerie plötzlich ein ganz heißer Kandidat im Rennen um den europäischen Ryder-Cup-Kapitän. Nachdem Darren Clarke seinen Namen aus dem Hut genommen hat, sollte eigentlich Paul McGinley den Job auf den Silvertablett serviert bekommen, aber durch eine unbedachte Bemerkung von Clarke und dem ungehemmten Machttrieb von Monti ist die Wettquote für den Schotten am Vortag der entscheidenden Sitzung plötzlich von 9:1 auf 2,75:1 gefallen. Die Panik im europäischen Team ist so groß, dass u.a. Rory McIlroy und Luke Donald Emergency-Tweets abgesetzt haben:


Sie beide haben jedoch keinen Einfluss auf die Entscheidung, denn sie sind nicht Teil des 15-köpfigen Spielerkomitees, das den Kapitän bestimmt. Pikanterweise gehören allerdings sowohl Paul McGinley als auch Colin Montgomerie und Darren Clarke dazu, der den Stein überhaupt erst ins Rollen gebracht hat. Bei den anderen 12 Vertretern dürfte McGinley zumindest die Stimme des von Monti ausgebooteten Paul Casey haben, während der Vorsitzende Thomas Björn nach jüngsten Aussagen eher seinem 2010er Kapitän Monti zugeneigt scheint. Entscheidend wird also sein wohin die anderen 10 tendieren: Felipe Aguilar, Gonzalo Fernandez-Castano, Joakim Haeggman, David Howell, Raphael Jacquelin, Miguel Angel Jimenez, Robert Karlsson, Paul Lawrie, Francesco Molinari und Henrik Stenson.

Pelziger Dieb

Eine amüsante Meldung kam in der vergangenen Woche aus Florida. Auf dem Okeeheelee Golf Course geht ein ungewöhnlicher Dieb um. Als ein Ehepaar am Neujahrstag ein iPhone auf dem Golfplatz verloren hatte, wussten die Angestellten schnell wo sie zu suchen hatten wie der Sun Sentinel berichtet. Seit einiger Zeit schon treibt ein auf den Namen Rocky getaufter Waschbär dort sein Unwesen, der bereits zahlreichen Spielern ihr Essen und andere Dinge geklaut hat. Und tatsächlich fand sich im Nest des Verdächtigen das unbeschädigte iPhone 4 – und Rocky hatte noch nicht einmal ein Auslandsgespräch geführt. Vermutlich hat er sich die Zeit mit Raccoon Rising vertrieben.

Mundqatar

Es war eine typisch-dumme Journalistenfrage, die letzte Woche im Vorfeld der Qatar Masters gestellt wurde: „Warum spielt Tiger Woods eigentlich nicht bei Ihnen?“ Der Unterschied zu vielen anderen dummen Fragen: es gab eine noch dümmere Antwort. Denn der Präsident des Golf-Verbandes von Qatar, Hassan al Nuaimi, sagte nicht etwa „weil er zeitgleich auf der PGA Tour spielt“ sondern antwortete laut Doha News, dass Woods seine drei Millionen Dollar Antrittsgeld nicht wert sei. Nun darf natürlich jeder seine Meinung haben und vielleicht ist Woods das Geld wirklich nicht wert. Doch mit der Tatsache, dass er in Qatar nicht aufteet, hat dies nichts zu tun. Seit vielen Jahren schon ist Woods im Frühjahr für solch hohe Bonuszahlungen in der Golf-Region unterwegs: 2006-2008 sowie 2011 teete er bei der Dubai Desert Classic auf, seit 2012 hat er seine Aktivität zur Abu Dhabi Golf Championship verlegt. Auffällig abwesend in dieser Liste, die noch zu Woods‘ Hochzeiten beginnt: das Qatar Masters. Zwar kennt niemand die Details von Woods‘ Vertragswerk, doch es wird allgemein angenommen, dass sein Auftritt beim Desert Swing eine Exklusivitäts-Klausel beinhaltet, das heißt er darf nicht bei mehr als einem der drei Turniere antreten. Die Tatsache, dass er dabei nie in Qatar antrat spricht entweder dafür, dass sich das Turnier bisher noch nie ernsthaft um ihn bemüht hat, oder von Woods nie in Erwägung gezogen wurde. Das Jammern des Präsidenten der Qatar-Golfer ist daher in etwa so als würde der Präsident des FC Augsburg sagen Franck Ribery spielt nur nicht für den FCA weil er sein Geld nicht wert ist.

Saw 6

Annika Sörenstam hatte einen Unfall – und machte ein Instagram-Foto daraus. (Warnung: nichts für Leser mit schwachem Magen)

Golf und Umwelt

In diesen Tagen wird in Nordirland gerichtlich darüber entschieden ob in unmittelbarer Nähe des nordirischen Giant Causeway ein Golfplatz gebaut werden darf. Ein delikater Prozess, denn der Platz gefährtdet den Status der Felsformation als Unesco-Weltkulturerbe, und nachdem sich Donald Trump in Schottland wie ein Elefant im Porzellanladen verhielt, hat in Großbritannien das Thema Golfplätze und Umwelt eine besonders hohe Aufmerksamkeit bekommen. Entsprechend kritisch sind viele Naturschützer dort derzeit gegen den Golfsport eingestellt. Nur gut für die Verfechter des 100 Millionen Pfund teuren Golfresorts, dass Darren Clarke nicht als Kronzeuge für ihre Sache aufgerufen wird. Der Ex-Open-Champion sprach sich via Twitter nur für den Bau des Platzes aus und defamierte gleich einmal alle, die nicht seiner Meinung sind. Bei so viel Diplomatie ist es vielleicht ganz gut, dass er sich aus dem Ryder-Cup-Kapitänsrennen verabschiedet hat.

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