Week in Review: Ausgabe 15/2011

The Muscles from Brussels

Als zum letzten Mal auf der European Tour ein Belgier gewann, war sogar noch Sam Snead im Feld. Der damals 62-Jährige Amerikaner musste sich dem 25-Jährigen Philippe Toussaint beim Benson and Hedges Festival geschlagen geben, der mit Platzrekord in der Schlussrunde einen 6-Schläge-Rückstand wett machte und Bob Shearer am ersten Extraloch besiegte – und das obwohl er sich erst über ein Vorqualifikationsturnier qualifizierte. Ganz so überraschend kam der Sieg des 28-Jährigen Nicolas Colsaerts bei der China Open nicht, immerhin hatte er schon vor zehn Jahren als zweitjüngster Q-School-Absolvent einen Namen für sich gemacht. Danach war es aber lange ruhig geworden um den belgischen Bomber, der im vergangenen Jahr mit 307,7 Yards im Schnitt die europäische Längenstatistik anführte. Bleibt zu hoffen, dass die weitere Karriere von Colsaerts besser verläuft als die seines Vorgängers Toussaint. Dem gelang danach lediglich noch ein 5. Platz bei der Italian Open.

Durch die Tür hinaus, zur linken Reihe, jeder nur ein Bag

Vor einer Woche gab Dustin Johnson seine Trennung bekannt. Nein, dieses Mal ging es nicht um sein Liebesleben, das Anfang des Jahres dank Natalie Gulbis viel Futter für die Presse gab, es war rein beruflich. Johnson trennte sich von seinem Caddy und engen Vertrauten Bobby Brown. Ein Schritt, den viele längst erwarten hatten nach Johnsons Regeldebakel bei der PGA Championship und der Tatsache wie er Brown für seine verpasste Startzeit in Riviera den Geiern zum Fraß vorwarf. Angesichts von Johnsons erfolgreicher Karriere ist es nicht verwunderlich, dass die potentiellen Nachfolger an seiner Tasche schon mit den Hufen scharren. Rund 20 Caddies machen sich Hoffnungen bei Johnson sucht den Super-Caddie wenigstens in den Recall zu kommen. Der Bohlen an dem sie vorbei müssen heißt in diesem Fall Butch Harmon und ist als Johnsons Trainer stark im Auswahlprozess involviert. Ein paar Wochen Zeit bleiben ihnen aber noch, denn die nächsten Wochen ist Dustin versorgt. Bei der Ballantine’s Championship trägt ein Vertreter seines Sponsors die Tasche, bei der Wells Fargo Championship der ehemalige Eishockey-Spieler Dan Quinn, der beim Masters 2010 schon Ernie Els als Caddie diente.

Weltranglistenspiele

Lee Westwood darf sich wieder die Nr.1 der Welt nennen – zumindest für eine Woche. Mit seinem Sieg gegen ein Kreisklassenfeld beim Indonesian Masters eroberte er den Spitzenplatz zurück, wird ihn vermutlich aber schon wieder in sieben Tagen abgeben. Weil Westwood bei der Ballantine’s Championship antritt erhöht sich sein Divider, Martin Kaymers hingegen sinkt um einen weil er erneut spielfrei hat. Konkret bedeutet das: Westwood braucht in etwa neun Weltranglistenpunkte, was in etwa eine Top-4-Platzierung wäre. Und auch Luke Donald kann sich den Spitzenplatz erneut erobern. Dafür bräuchte er bei der Zurich Classic aber einen Platz unter den ersten Zweien (ein schlechtes Abschneiden von Westwood vorausgesetzt).

Poultergeist

Wer braucht schon Gespenstergeschichten am Lagerfeuer? Ian Poulter’s Twitter-Account tut es auch. Am Sonntag schrieb er, dass es in seinem Mietshaus in Hilton Head spuken würde – und das obwohl die Decke der Veranda blau gestrichen war, ein Brauch im Süden der USA um Gespenster zu vertreiben. An jedem Abend verschloss er seine mit einem Spezialschloss versehene Tür – und an jedem Morgen stand sie wieder offen. Anschließend fragte er scherzhaft beim Golf Channel an, ob sie ihm eine Kamera leihen könnten, damit er das Treiben à la „Paranormal Activity“ aufzeichnen kann. Mittlerweile ist der Geist übrigens gefunden: Es war Poulters in den letzten Monaten verstorbenes Golf-Talent.

Ein Wunderkind wird erwachsen

Als Danny Lee 2009 als zweiter Amateur und als bis dahin jüngster Spieler überhaupt mit der Johnnie Walker Classic ein Turnier auf der European Tour gewann, wurde dem 18-Jährigen eine goldene Zukunft prognostiziert. Doch als er im selben Jahr nach dem Masters ins Profilager wechselte, konnte er die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Sein Ziel auf der PGA Tour zu spielen musste er 2010 aufgeben, stattdessen versuchte er es auf der European Tour wo er für seinen Sieg als Amateur zwar kein Geld, aber eine zweijährige Spielberechtigung erhalten hatte. Doch bis zum vergangenen Wochenende sprangen lediglich eine Top-10-Platzierung und als höchster Preisgeld-Scheck 33195 Euro heraus. Das konnte der Neuseeländer mit seinem zweiten Platz bei der China Open mal eben locker vervierfachen. In der Weltrangliste ist er aber immer noch 200 Plätze von seiner einstigen Bestleistung entfernt – und den Status als Teenager-Phänomen hat er längst an Matteo Manassero abgeben müssen.

Masters Exemptions

Am diesjährigen Masters nahmen zwar nur 99 Spieler teil, aber den Verantwortlichen wird dies langsam zuviel. Daher denkt man ernsthaft darüber nach, die Einladungskriterien zu überdenken. Ins Visier geraten ist vor allen Dingen die Klausel, dass Sieger auf der PGA Tour automatisch für das Masters qualifiziert sind. Im Hinblick auf die globalen Entwicklungen durchaus nachvollziehbar – schließlich wird ein Gewinner auf der European Tour oder der Japan Tour auch nicht automatisch eingeladen. Andererseits ist es aber auch die ultimative Belohnung, analog zum Superbowl-Sieger der nach Disneyland fährt, und das nachvollziehbarste Einladungskriterium. Daher fordern neutrale Beobachter eher eine Eliminierung der nicht mehr konkurenzfähigen Altmeister oder der Top 30 des FedEx-Cups. Warum es überhaupt zu solchen Problemen kommt wenn die anderen drei Majors doch immer über 150 Spieler durchbringen? Anfang April sind in Augusta die Tage noch recht kurz und da nur von Tee 1 gestartet wird, ist das benötigte Zeitfenster für die Spieler groß. Manchmal sind Traditionen eben doch ein Hindernis.

Die 10 heißesten Golfer auf dem Planeten

Anders als in der offiziellen Weltrangliste bleibt bei mir die Nr.1 unverändert. Ich sehe keinerlei Anlass Lee Westwood an die Spitze zu setzen. For the Record: Westwoods zwei Siege in den letzten 45 Wochen kamen bei einem asiatisches Turnier, das in der Woche nur das drittbestbesetzte auf dem Kontinent war, und gegen ein Mini-Feld bei der Nedbank Challenge. Das reicht kombiniert mit Platz 11 beim Masters gerade mal für einen Wiedereinzug in die Top 10. Luke Donald hingegen verlor nur knapp im Stechen auf der PGA Tour und festigte damit seinen Spitzenplatz in diesem Ranking. Neu dabei sind auch Brandt Snedeker, der beim Masters Platz 5 belegte, anschließend 4. in Texas wurde und das Heritage gewann, sowie Jason Day, der seiner tollen Masters-Performance ein weiteres Top-10-Ergebnis folgen ließ.

  1. Luke Donald (-)
  2. Steve Stricker (-)
  3. Charl Schwartzel (-)
  4. Adam Scott (-)
  5. Brandt Snedeker (new)
  6. Nick Watney (-1)
  7. Rory McIlroy (-)
  8. Martin Kaymer (-2)
  9. Lee Westwood (new)
  10. Jason Day (new)

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