Week in Review: Ausgabe 25/2011

Ein Amerikaner in Paris

Vor zwei Wochen war Bubba Watson noch die große Hoffnung des amerikanischen Golfsports: Ein Golfer mit unfassbarer Power und der größten Kreativität in seinen Schlägen. Ein Golfer, der via Twitter aufgeschlossen gegenüber den Fans und in Videos für jeden Mist zu haben ist. Und ein Sportler, der seine Gefühle offen vor sich her trägt und bei Siegen hemmungslos weint, weil er an seinen verstorbenen Vater denkt. Das ist jetzt vorbei – zumindest in Europa. Erst sorgte er bei der U.S. Open mit seiner Camouflage-Kleidung für Irritationen bei weniger militaristischen Nationen, und jetzt bestätigte er genau das Klischee, das man für gewöhnlich mit dem Vornamen Bubba verbindet: Ein tumber Redneck, der die Welt gerade mal bis zu seinem Gartenzaun kennt.
Alles begann mit einer bizarren Pressekonferenz, in der er den Triumphbogen als „Bogen um den ich im Kreis gefahren bin“, den Louvre als „Gebäude mit L“ und Versailles als „das Schloss neben unserem Hotel“ bezeichnete. Nun gut, der Mann wird schließlich für sein Golf und nicht als Touristenführer bezahlt, doch auch auf dem Golfplatz benahm er sich daneben, was – nachdem er sang- und klanglos den Cut verpasste – in einem peinlichen Interview gipfelte. Zugegeben: er gab nie direkt den Turnierveranstaltern die Schuld für seine Leistung, aber indirekt schon indem er sagte er sei mit den vielen Kameras, fehlenden Seilen zwischen Grün und nächstem Abschlag und ähnlichem nicht zurecht gekommen. Komisch nur, dass sich kein anderer Spieler darüber beschwerte, und den Weg zum nächsten Tee hätte er sicher gefunden, wenn er einfach den ortskundigen Mitspielern Raphael Jacquelin und Miguel-Angel Jimenez gefolgt wäre. Man merkt einfach wieder mal, wie verwöhnt die Profis auf der PGA Tour sind, denen die Veranstalter vermutlich sogar noch den Hintern abwischen, damit sie ja keine anstrengende Eigenleistung erbringen müssen. Weitere Fauxpas von Hubba Bubba: Er weigerte sich Interviews zu geben, soll es abgelehnt haben mit einem anderen Profi zusammen eine Limousine zu nehmen und lamentierte über das Essen. In Frankreich wohlgemerkt. Am Ende verließ er die Anlage mit der Ansage nie wieder in Europa spielen zu wollen – etwas, was er später in einer halbherzigen Twitter-Entschuldigung wieder zurücknahm. Warum er überhaupt in Paris antrat? Sofort kamen Gerüchte von Antrittsgeld in Höhe von 140.00 Euro auf, während Bubba behauptete nicht einen Cent bekommen zu haben. Die Wahrheit liegt wohl – wie immer – dazwischen. Wie allgemein bekannt ist, baumelt an Watsons Handgelenk eine 500.000 Dollar teure Uhr. Hersteller ist Richard Mille, eine französische Firma und laut Watsons Homepage einer seiner Sponsoren. Vermutlich gehört es zu dem Vertrag, dass Bubba zu Werbezwecken einen Auftritt in Frankreich absolvieren muss. Ergo hat er nicht direkt Geld für den Start bekommen, wohl aber indirekt.
Spannend wird auf jeden Fall sein, wie sich Bubba in den nächsten Wochen verhält. Nach der Open Championship steht auch noch ein Start beim Scandinavian Masters an. Damit Bubba dort nicht erzählt, dass er „den Typen mit der Krone“ getroffen hat, plant sein Management einen Crashkurs in Landeskunde: Bubba soll zuvor in seiner Heimat einen Ikea besuchen.

Kifferwahn

Dieser Artikel in Golf Digest dürfte in Ponte Vedra Beach die Alarmglocken schrillen lassen. In einem Interview ließ Robert Garrigus, der auf eine lange Geschichte mit Alkohol- und Drogenmissbrauch zurückblickt, eine Bombe platzen. Nicht nur, dass er regelmäßig Marihuana konsumiert hat und dies sogar während Turnierrunden auf der Nationwide Tour tat. Er gab auch noch zu Protokoll, dass er 2002 längst nicht das einzige schwarze Schaf war, das dieses tat. Eine deftige Ohrfeige für Tim Finchem, der sich jahrelang gegen Dopingtests sträubte mit der Begründung, dass Profigolfer ja ohnehin sauber seien. Noch mehr Öl goss anschließend der ehemalige Caddie Michael Collins ins Feuer, der in einem Interview mit dem Golf Channel fallen ließ, dass es früher (vermutlich meinte er die 70er und 80er) gang und gäbe gewesen sei, dass sich die Profis auf der PGA Tour volldröhnten. Als erste Reaktion plant der Golf Channel zufolge seine Realityshow „Big Break“ in „Breaking Bad“ umzubenennen.

Der Analphabetismus greift um sich

Spätestens nach dem Desaster von Dustin Johnson bei der PGA Championship sollte man meinen, dass sich die Profis vor jedem Turnier die Platzregeln durchlesen. Doch bei der Open de France zeigte sich wieder einmal, dass sich die Herren für so etwas banales zu fein sind und die Arbeit ihren Caddies überlassen – mit üblen Folgen. Seit dem vergangenen Jahr gibt es auf Loch 18 im Le Golf National grüne und gelbe Pfähle die darüber entscheiden, ob man den Ball in der Verlängerung zur Fahne droppen muss oder in die Drop Zone darf. Vier Spieler, Damien McGrane, Rikard Carlberg, Jaco Van Zyl und James Ruebotham, entschieden sich falsch obwohl explizit in Aushängen auf diese Besonderheit hingewiesen wurde und wurden allesamt in der ersten Runde disqualifiziert. Eine solche Masse an Disqualifikationen gab es zuletzt 1990, ebenfalls in Frankreich, bei der AGF Open, als der zweimalige European-Tour-Gewinner Mark Davis und fünf weitere Spieler nach der ersten Runde heimgeschickt wurden, weil sie widerrechtlich Auspfähle versetzt hatten.

Am Wichtigsten ist was hinten rauskommt

Dienstag nacht war die Open de France für James Morrison eigentlich bereits gelaufen. Mit einem akuten Schub der Darmerkrankung Morbus Crohn wurde er ins Krankenhaus eingeliefert. Seit zehn Jahren trägt er die Krankheit in sich weswegen er auch nicht sofort aus dem Turnier zurückzog. Dank Medikamenten konnte er am Donnerstag doch am ersten Abschlag stehen – ohne Erwartungen und mit dem Ziel, es langsam angehen zu wollen. Als er wieder im Clubhaus war, lag der Engländer plötzlich an dritter Stelle, einen Tag später führte er. Bis zum 52. Loch baute er die Führung aus, doch dann spielte er die letzten 20 Loch in 10 über Par. Der Kräfteverschleiss zu Beginn der Woche war wohl zu groß. Am Ende standen aber immer noch ein 8. Platz und 77.400 Euro zu Buche – Morrisons größter Erfolg seit über einem Jahr.

Der König von Frankreich

Gemeinsam mit Jean van de Velde war er die treibende Kraft, den Ryder Cup 2018 nach Frankreich zu holen. Jetzt feierte Thomas Levet bereits sieben Jahre früher auf dem Ryder-Cup-Platz Le Golf National den größten Triumph seiner Karriere. Der 42-Jährige schaukelte mit einem Schlag Vorsprung die Open de France nach Hause und bekannte nach seinem Sieg vor zehntausenden enthusiastischen Fans, dass dieser Erfolg für ihn wie ein Major-Sieg sei. Die Zuschauer dankten es ihm mit „Captain, Captain“-Rufen – ein mehr als subtiler Hinweis darauf, wen sie sich im Jahr 2018 als Anführer der europäischen Riege wünschen. Ein gar nicht mal so unrealistisches Szenario. Denn außer Levet gab es bisher nur einen französischen Ryder Cupper. Und während Jean van de Velde 1999 bei seinem einzigen Einsatz eine dicke Klatsche einfuhr, besiegte Thomas Levet nach zwei Vierer-Niederlagen 2004 unter Kapitän Bernhard Langer im Einzel immerhin Fred Funk.

Führungsschwäche

Wenn man derzeit für die ersten drei Runden der European Tour einen Spieler auswählen müsste, wäre es Mark Foster. Der Engländer spielt von Donnerstag bis Samstag Weltklasse-Golf – nur um dann am Sonntag wieder alles herzuschenken. 2010 führte er bei der Spanish Open mit drei Schlägen und wurde 3., dieses Jahr lag er bereits bei der Open de Andalucia und der BMW International Open mit drei Schlägen in Front und landete am Ende auf den Plätzen vier und drei. Nun ging er bei der Open de France wieder als geteilter Führender in die Schlussrunde und sah wie alle um ihn herum kollabierten. Ausgestattet mit einer komfortablen Führung sah sich Foster an Loch 12 einem Routine-Pitch gegenüber und hackte ihn in einen Grasbunker. Ein Loch später ließ er einen 10-Meter-Putt fünf Meter zu kurz. Der Sieg war damit ebenso passé wie die Teilnahme an der Open Championship.
Frei nach dem Motto „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ machte wenige Stunden später auf der PGA Tour dann auch Rickie Fowler seinem Ruf als Schlussrunden-Einbrecher alle Ehre und stürzte mit der schlechtesten Finalrunde der Top 30 von Platz 1 auf 13. In 11 Schlussrunden 2011 gelang es dem 22-Jährigen nur einmal unter 70 zu bleiben. Sein Schlagdurchschnitt von 71.82 für die vierte Runde bedeutet Platz 130 auf der PGA Tour. In den anderen drei Runden bringt ihn sein Schlagdurchschnitt auf die Plätze 33, 48 und 59.

Trostpreis: Sandwich

So ärgerlich der verschobene Mini-Putt auf der 18 auch war, mit dem sich Thorbjörn Olesen eine Chance auf das Playoff bei der Open de France verbaute, am Ende war es dennoch ein voller Erfolg für ihn. Nicht nur, dass er sich endgültig als führender Rookie-of-the-Year-Kandidat etablierte (Chapeau an dieser Stelle an Leser Martin, der dies bereits zu Beginn des Jahres prognostizierte), er sicherte sich auch einen Startplatz bei der Open Championship in Sandwich. Sowohl diese als auch nächste Woche gibt es für den bestplatzierten Spieler in den Top 5 der European- und PGA-Tour, der noch keinen Startplatz für die Open Championship hat, einen Freifahrtschein auf den Royal St. George’s Platz. Da Thomas Levet bereits qualifiziert war, musste zwischen den schlaggleichen Olesen und Mark Foster das Stechen entscheiden. Allerdings nicht auf dem Platz. Nach den Regularien der R&A qualifiziert sich in diesem Fall der in der Weltrangliste höher platzierte Spieler. Und das ist nun mal der Däne. Auf der PGA Tour sicherte sich derweil Charles Howell III als Dritter seinen Auslandseinsatz.

9 Löcher für die Geschichtsbücher

Bei der AT&T National gelang Nick Watney in der dritten Runde mit 62 Schlägen nicht nur ein neuer Platzrekord. Seine Back Nine waren das zweitniedrigste Ergebnis, das je auf der PGA Tour erzielt wurde. 6 Birdies, 2 Pars und 1 Eagle bedeuteten für den Amerikaner 27 Schläge. Nur Corey Pavin war 2006 in der ersten Runde der U.S. Bank Championship mit 26 Schlägen noch einen Tick besser. Hier alle anderen 27er der PGA-Tour-Geschichte:

  • 1955: Mike Souchak, Texas Open
  • 1975: Andy North, B.C. Open
  • 2001: Bilyl Mayfair, Buick Open
  • 2004: Rovert Gamez, Bob Hope Classic
  • 2007: Brandt Snedeker, Buick Invitational
  • 2009: Chris Riley, Reno-Tahoe Open
  • 2011: Nick Watney, AT&T National

Die 10 heißesten Golfer auf dem Planeten

Die Ruhe vor dem Sturm. Neun der Top Ten aus der Vorwoche hatten spielfrei. Dennoch gab es eine kleine Veränderung, weil der einzig Aktive, Nick Watney, gewann.

  1. Rory McIlroy (-)
  2. Lee Westwood (-)
  3. Luke Donald (-)
  4. Jason Day (-)
  5. Steve Stricker (-)
  6. Charl Schwartzel (-)
  7. Matt Kuchar (-)
  8. Nick Watney (+2)
  9. Y.E. Yang (-1)
  10. Sergio Garcia (-1)

4 Comments

  • Ich habe gestern mit Bubba gesprochen und vereinbart, dass ich mich in Stockholm um ihn kümmern werde. Hamburger und Chicken Wings sind eingekauft, Miller Light liegt im Kühlschrank und Country&Western gibt es von Spotify.

    Auf dem Platz passe ich dann auf, dass ihm keiner zu nahe mit einer Kamera oder einem Handy kommt…

  • litllefox sagt:

    Wie immer ist „Week in Review“ mal wieder absolut lesenswert.
    Gibt’s irgendwo einen Link zum Interview mit Bubba Watson.
    Muss man anhören bevor er vom Exilgolfer verwöhnt wird und alles dementiert 😉

  • litllefox sagt:

    Danke, hab in der Zwischenzeit auch ein Transkript gefunden

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