Week in Review: Ausgabe 40/2011

McIlroys ganz persönlicher Chubby-Slam

Als Rory McIlroy mit zehn Schlägen Vorsprung die U.S. Open gewann, kürten ihn bereits alle zum neuen Tiger. Jetzt hat der Nordire einen weiteren Schritt in diese Richtung getan. So wie Tiger Woods am Anfang seiner Karriere seinen Caddie Fluff McCowan feuerte weil dieser sich zu sehr im Rampenlicht sonnte, trennte sich der Celtic Tiger jetzt von seinem langjährigen Manager Andrew „Chubby“ Chandler und folgte seinem Kumpel Graeme McDowell zu Horizon Sports. Die genauen Gründe blieben zwar im Dunkeln, doch das hielt die Presse nicht von waghalsigen Spekulationen ab wie dem Vergleich von McIlroys Neu-Freundin Caroline Wozniacki mit Yoko Ono, die die Beatles auseinander brachte. Ein (natürlich mit Vorsicht zu genießendes) Interview mit Chandler deutet dann aber doch mehr daraufhin, dass McIlroy mit Chandlers Promi-Status und dem Gerede um den Chubby-Slam Probleme hatte. Die erste Kritik folgte auf dem Fuß: Bizarre Entscheidung twitterte Chandler-Schützling Lee Westwood – und wurde darauf wie auch Chubby Chandler mit einer Twitter-Entfolgung durch Rory McIlroy bestraft. Was für ein Kindergarten…

Zurück auf der Siegerstraße

2 Jahre, 11 Monate und 14 Tage lang hat Sergio Garcia auf seinen nächsten Einzelsieg warten müssen. Jetzt ist die längste Durststrecke seiner Profikarriere vorbei – und es hätte an keinem besseren Ort kommen können. Im Club de Campo del Mediterráneo arbeitete sein Vater Victor einst als Caddie bevor er später zum Head Professional des Clubs wurde und seinen besten Zögling in seinem eigenen Sohn fand. Sergio wurde früh zum Juniorenmeister des Clubs und gewann 2008 mit dem Castello Masters das erste European-Tour-Turnier, das der Club an der spanischen Ostküste austragen durfte. Sein damaliger Score von 20 unter Par hätte auch 2011 zum Sieg gereicht, doch das war Sergio nicht genug. Sein sensationelles Ergebnis von 27 unter Par sicherte Garcia einige Einträge in den Rekordbüchern der European Tour:
Niedrigster Score
257: Sergio Garcia, Castello Masters 2011
258: Ian Woosnam, Monte Carlo Open 1990
258: David Llewellyn, AGF Biarritz Open 1988
259: Ernie Els, Johnnie Walker Classic 2003
259: Mark McNulty, German Open 1987
259: Tiger Woods, NEC Invitational 2000

Meiste Schläge unter Par
29: Ernie Els, Johnnie Walker Classic 2003
27: Jerry Anderson, European Masters 1984
27: Sergio Garcia, Castello Masters 2011

Größter Vorsprung
15: Tiger Woods, U.S. Open 2000
13: Ernie Els, BMW Asian Open 2005
11: Tony Jacklin, Scandinavian Enterprise Open 1974
11: Dale Hayes, French Open 1978
11: Ken Brown, Glasgow Open 1984
11: Colin Montgomerie, Portuguese Open 1989
11: Vijay Singh, German Open 1992
11: Tiger Woods, NEC Invitational 2000
11: Sergio Garcia, Castello Masters 2011

Lustiges Taschenbuch #18

Es war ein Finish, wie es selbst ein Marketingstratege der PGA Tour nicht hätte besser schreiben können. Luke Donald und Webb Simpson duellierten sich bei der Children’s Miracle Network Classic um den Titel in der Geldrangliste und wurden dementsprechend marketingwirksam für die ersten beiden Runden in einen gemeinsamen Flight gesteckt. Sie dankten es nicht nur mit gutem Spiel, sondern auch noch mit einem exzellenten Timing, das dazu führte, dass die beiden auch die Schlussrunden gemeinsam in Angriff nehmen durften. Und dann ging es erst richtig los: Erst sah Webb Simpson nach vier Birdies in Folge wie der sichere Sieger aus, dann konterte Luke Donald auf den zweiten neun mit sechs Birdies in Folge (übrigens kein Tourrekord, lieber Irek Myskow: den hält Mark Calcavecchia mit neun) und sicherte sich nicht nur den Turniersieg sondern auch als erster Europäer überhaupt die Geldrangliste der PGA Tour – und vermutlich den Titel als Spieler des Jahres. Dass er am Ende dann auch noch die Trophäe von seinem gefiederten Namensvetter in Empfang nehmen durfte war dann die passende Krönung.

Die Regeln des Spiels

Die Regelhüter der R&A und USGA haben ihre Änderungen für 2012 bekannt gegeben und sind dabei einer der am häufigsten geforderten Änderungen gefolgt: die Abschaffung der Strafe für einen oszillierenden Ball auf dem Grün. Nach derzeit gültiger Regelung muss der Spieler den Ball mit einem Strafschlag an die ursprüngliche Stelle zurücklegen, wenn er auf dem Grün nach Ansprechen des Balls (=Aufsetzen des Schlägers hinter dem Ball) vom Wind bewegt wird (siehe: Webb Simpson). Ab 2012 gilt für diesen Fall das Gleiche als wenn der Ball noch nicht angesprochen wurde: er wird von der neuen Stelle weitergespielt.
Die zweite große Änderung betrifft das Einebnen von Sand in Hindernissen. Ab sofort darf man sogar vor dem Schlag aus dem Bunker diesen harken – solange man dadurch nicht die Lage des eigenes Balles oder den eigenen Stand verbessert.

Gewinn ein Auto, bleib Amateur

Neben den Regeländerungen haben R&A und USGA auch den Amateurstatut überarbeitet. Für den Freizeitgolfer ist am Interessantesten, dass man jetzt einen höher als 750 Euro dotierten Preis für ein Hole in One (wie bsw. ein Auto) annehmen kann ohne danach automatisch ins Profilager wechseln zu müssen.
Viel wichtiger sind jedoch zwei Änderungen, die auf sportlich ambitioniertere Amateure zugeschnitten sind. Zum Einen dürfen 18-Jährige in Zukunft bereits vor dem Wechsel in das Profilager ein – noch nicht finanziell vergütetes – Vertragsverhältnis mit einem Agenten eingehen. Zum Anderen macht es eine Neuregelung für nationale Golfverbände leichter, ihre besten Amateurgolfer zu fördern (vermutlich mit Blick auf die Olympischen Spiele 2016). Amateure jedes Alters dürfen von nun an ein Vertragsverhältnis mit ihren nationalen Verbänden eingehen solange daraus kein finanzieller Gewinn entsteht. In erster Linie betrifft dies also die Ausgaben für Lebenshaltung, die vom Verband übernommen werden dürfen. Eine Änderung, die der NCAA nicht gefallen werden dürfte. Zum Einen wird dies den Drang von internationalen Spielern zügeln aus Förderungsgründen ins amerikanische Collegegolf zu Wechseln. Zum Anderen ist es nach den derzeitigen NCAA-Bestimmungen nicht erlaubt, Spieler einzusetzen, die im Laufe ihrer Karriere eine finanzielle Förderung irgendeiner Art genossen haben. Sollten die NCAA diese Regelung jetzt nicht ändern, heißt dies effektiv, dass jemand, der sich von seinem nationalen Golfverband fördern lässt, sich jede Chance auf eine Karriere im US-Collegegolf verbaut.

„Strich!“

Die Reno Tahoe Open dürfte bereits jetzt bei John Daly im Turnierkalender fett eingekreist sein. Der König des zweistelligen Scores (sein letzter kam im Juli bei der John Deere Classic) darf im kommenden Jahr bei diesem Turnier genau das machen, was unsereins an jedem gottverdammten Sonntag macht: den verfluchten Ball einfach aufnehmen. Wie am Samstag bekannt gegeben wurde, wird die Reno Tahoe Open in Zukunft als modifiziertes Stableford-Turnier ausgetragen: ein Albatross bringt 8 Punkte, ein Eagle 5, ein Birdie 2, ein Par 0, ein Bogey einen Punkt Abzug und alles was schlechter ist drei Punkte Abzug. Es wird das erste Mal seit sechs Jahren sein, dass ein PGA-Tour-Turnier wieder in diesem Modus ausgetragen wird. 2006 fand zuletzt das International so statt.

Leonards Karten-Konfusion

Warum? Eine einzige Frage eines Journalisten brachte Justin Leonard und das Hauptquartier der PGA Tour am vergangenen Wochenende schwer ins Rotieren. Während einer Pressekonferenz erzählte der im Vorderfeld liegende Leonard, dass es für ihn nicht um so viel ginge wie für andere, da er seine Tourkarte für 2012 ja schon sicher hat. Eine Aussage, die im Pressezentrum für Irritationen sorgte – schließlich hat Leonard seit fast dreieinhalb Jahren kein Turnier mehr gewonnen. Als schließlich jemand fragte nach welcher Regelung er die Tourkarte hat, wusste selbst Leonard keine Begründung: die PGA Tour habe es ihm gesagt, als er vor einigen Monaten telefonisch anfragte. Doch die leisen Zweifel reichten um Leonard das P in die Augen zu treiben. Schließlich war die Deadline für die Anmeldung zur Q-School bereits verstrichen und Leonard hätte eine seiner kostbaren Career Money Lists Exemptions verbraten müssen wenn die Information falsch gewesen wäre. Unzählige Telefonate später hatte Leonard endgültig die absolute Gewissheit. Weil seit 2003 die Exemptions für einen Turniersieg aufaddiert werden, erweiterte sich Leonards 10-Jahres-Karte für seinen Open-Sieg 1997 durch seine fünf Siege seit 2003 bis ins Jahr 2012. Entsprechend entspannt ging Leonard dann auch in die Schlussrunden und sicherte sich kinderleicht auch auf regulärem Weg die Tourkarte.

Guilty Pleasure

Mit diesem Begriff bezeichnet der Amerikaner Dinge (meist Serien oder Filme), die er klammheimlich schaut weil er sie einerseits zwar gut findet, andererseits sich aber dafür schämt. Das Guilty Pleasure des Golfsports ist mittlerweile der Belly Putter geworden. Vor einigen Wochen gab der frisch konvertierte Ernie Els seinem neuen Werkzeug ein zweischneidiges Kompliment: „Solange er legal ist, betrüge ich eben wie der Rest von uns.“ Jetzt schlug James Driscoll, der nach der Sicherung der Tourkarte 2012 ebenfalls wechseln will, in die gleiche Kerbe: „Es gibt keinen Grund nicht zu wechseln. Diese Dinger sollten verboten werden. Es ist eindeutig eine einfachere Art des Puttens. Für mich geht es beim putten darum seine Nerven zu kontrollieren. Den Putter im Körper zu verankern eliminiert dies. Es ist eine Schande.“

Generationswechsel

Tiger Woods hat sich schon lange aus den Top 10 der Welt verabschiedet, jetzt ist ihm auch sein Erzrivale Phil Mickelson gefolgt. Durch die exzellenten Ergebnisse in den letzten Turnieren hat sich Webb Simpson auf Platz zehn der Weltrangliste hervorgearbeitet, Mickelson auf Platz 11 verdrängt und damit wenigstens die vierte meiner Jahres-Prognosen in Erfüllung gebracht. Dass beim Blick auf die Top Ten der Welt weder der Name Woods noch Mickelson auftauchte gab es zuletzt am 16. März 1997.

Und täglich grüßt das Yani-Tier

Neues Turnier, gleiche Siegerin. Bei der LPGA Taiwan Championship gewann Yani Tseng vor heimischer Kulisse ihr siebtes LPGA-Tour-Turnier der Saison und ihr zehntes Turnier des Jahres weltweit. Die 22-Jährige ist der Konkurrenz mittlerweile so weit entschwunden, dass sie selbst mit einem Fernglas wie ein Fliegendreck aussieht. Der einzige würdige Vergleich für die Taiwanesin ist die Golfhistorie. Dort ist Tseng mit ihren Siegen zwar noch weit hinter Mickey Wright zurück, die 1963 insgesamt 13 Mal gewann. Damals gab es allerdings noch 32 Turniere auf der LPGA. Tseng hatte hingegen nur 22 Turniere: eine Siegquote von fast 32% gegenüber Wrights 40%. Noch besser schnitten nur noch Annika Sorenstam ab, die 2005 50% und 2002 43% ihrer Turniere gewann sowie Lorena Ochoa mit ebenfalls 32%.

Die 10 heißesten Golfer auf dem Planeten

Luke Donalds derzeitige Konstanz und Dominanz nimmt beinahe schon Woodsche Züge an. Derzeit ist er die unangefochtene Nummer eins, aber Webb Simpson hat sich mit einer weiteren starken Leistung den zweiten Platz mehr als verdient. Und auch Sergio Garcia macht einen weiteren Sprung nach vorne.

  1. Luke Donald (-)
  2. Webb Simpson (+2)
  3. Rory McIlroy (-1)
  4. Lee Westwood (-1)
  5. Steve Stricker (-)
  6. Adam Scott (-)
  7. Jason Day (-)
  8. Sergio Garcia (+1)
  9. Charl Schwartzel (-1)
  10. Tom Lewis (-)

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