Wie wird man Profigolfer?

Viel Geld, tolle Plätze, jede Menge Golf und schöne Frauen, äh, Pokale: Tourspieler ist so ein netter Beruf. Doch wie wird man das eigentlich?

Zuallererst muss natürlich das Handicap stimmen. Eine Stammvorgabe von 0 oder besser ist Grundvoraussetzung, um bei der PGA of Germany als Berufsgolfspieler anerkannt zu werden. Frauen und Senioren dürfen übrigens schlechter spielen. Hier liegt die Grenze bei -2. Weiterhin wird die deutsche Staatsbürgerschaft verlangt. Das Mindestalter ist 18 Jahre (Senioren: 50 Jahre). Kohle muss man auch noch abdrücken. Die Aufnahmegebühr der PGA of Germany beträgt 260 Euro plus eines jährlichen Beitrags von 330 Euro.

So, ist man erst einmal ein offizieller von höchster Stelle anerkannter Berufsgolfspieler geht es ans Geld verdienen. Und da ist aller Anfang schwer. Die erste Möglichkeit ist natürlich die deutsche EPD-Tour. Frischgebackene PGA-Profis (siehe oben) zahlen einfach 250 Euro Startgebühr pro Turnier und hoffen auf gute Ergebnisse. Gespielt werden drei Runden, nach zwei Tagen wird ausgesiebt. Für den ersten Platz gibt es meist ein paar tausend Euro, kurz vor Cut nur noch knapp 300 Euro. Von der Knete müssen natürlich Fahrtkosten, Unterkunft und Ravioli aus der Dose berappt werden. Da zahlreiche EPD-Turniere derzeit in Marokko und in der Türkei stattfinden, ist ein gut gefüllter Sparstrumpf zu Beginn der Karriere nicht unvorteilhaft.

Wer auf der EPD-Tour konstant gutes Golf und eine Menge Turniere spielt, der kann sich auf die Challenge Tour beziehungsweise die Teilnahme an der 2. Stage der Q-School der European Tour freuen. Die Top 5 der EPD-Geldrangliste schafft den direkten Einstieg in die Challenge Tour, der zweiten Liga im europäischen Profigolf.  Hier werden für den Sieger fünfstellige Preisgelder im unteren Bereich ausgeschüttet. Allerdings muss man dafür schon mal nach Kasachstan fahren … aber diese Ochentour hat Martin Kaymer schließlich auch nicht geschadet. Wer nach Abschluss der Saison auf der Challenge Tour unter den Top-20 steht, kriegt die Spielberechtigung für die „große“ European Tour, wer ein wenig weiter hinten auf den Plätzen landet, der darf sich zumindest Hoffnungen machen, bei den kleineren Veranstaltungen der ET anzutreten. Spieler, die drei Turniere in einer Saison gewinnen, haben sich automatisch ihre Karte verdient.

Man kann sich die EPD- und Challenge Tour auch einfach sparen und gleich in der Qualifying School der European Tour auf dicke Hose machen (siehe das oben angeführte Video). 1350 britische Pfund kostet der Spaß und schon darf man als Profigolfer mitmachen. Allerdings müssen zahlreiche Auswahlturniere überstanden werden. Es gibt insgesamt drei Stages. Etwas über 700 Spieler versuchen sich anfangs, in der zweiten Runde sind noch knapp 310 Teilnehmer übrig, die für das Finale noch einmal auf 80 reduziert werden. In Deutschland wird das Stage-1-Turnier übrigens in diesem Jahr vom 20. bis 23. September am Fleesensee ausgetragen und die Top-6 der EPD-Tour kriegen das Vergnügen inklusive Unterbringung gesponsert.

Die besten 30 Spieler der Q-School-Finalrunde erhalten die Tourkarte der Kategorie 11 für die ET. Die Jungs, die den Cut schaffen, aber mit schlechteren Platzierungen das Turnier abschließen, dürfen sich über die Tourkarte der Kategorie 14 freuen. Die Opfer des Cuts werden immerhin mit einer Karte für die Challenge Tour getröstet.

Für mich ist natürlich interessant, wie man auf die European Seniors Tour kommt. Die gute Nachricht: Ich habe noch 11 Jahre Zeit, um an meinem Handicap zu schrauben. Die Stammvorgabe muss -1 oder besser sein und das 50. Lebensjahr erreicht sein, dann darf man bei der Rentner-Q-School mitmachen. 800 britische Pfund werden als Startgebühr verlangt, zwei Turniere müssen bravourös absolviert werden. Die besten 14 Spieler kriegen die Senioren-Tourkarte.

In diesem Sinne: Ich muss noch viel trainieren, ab auf die Range. Wir sehen uns in 11 Jahren!

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