Das Golfglück des DGV und die Image-Verbesserung

Ende 2017 lief die DGV-Aktion Golfglück aus. 4,9 Millionen Euro – vorwiegend finanziert aus Mitgliedsbeiträgen – ließ sich der Verband die Aktion kosten. Ziel des Ganzen: Mitglieder gewinnen und das schlechte Image des Golfsports nachhaltig verbessern. Zum kommenden Verbandstag am 20. April zieht der DGV Bilanz. Und es steht schon jetzt fest, dass sie „sehr positiv“ ausfallen wird. Schließlich verkündete der DGV bereits in einer Information an die Clubs den Erfolg der Aktion.

Zwei Belege bringt der Verband dafür an: zwei Millionen Besuche auf der Seite www.golfglück.de, die signifikant besser seien als die eines ominösen „Gesamtverband aus der Freizeitindustrie“, der mit 3,4 Millionen Euro Investition auf 60.000 Besuche kam. Und eine Steigerung des Golfimages zwischen 2013 und 2016, da unter Nicht-Golfern jetzt 20 statt 14 Prozent ein positives Bild vom Golfsport haben und 45 statt 32 Prozent bereit wären, 19 Euro für einen Schnupperkurs zu bezahlen.

Eine Bilanz, die erst einmal gut klingt. Und dennoch bleiben ein paar Fragen offen. Zum einen ist die Zahl „zwei Millionen Besuche“ sehr vage. Sind es beispielsweise Besuche oder Unique Visits? Und – etwas, was niemand anhand von Zahlen sagen kann – wieviele der Besucher waren wirklich Neuinteressierte und wie viele waren bereits Altgolfer, die aus Neugier auf die Seite gingen. Ich war beispielsweise etliche Male auf der Seite und wenn jeder offiziell gezählte Golfer auch nur einmal im Jahr die Seite besucht hat, wären wir bei – huch – fast zwei Millionen Besuchern. Ohne zu wissen, ob Äpfel mit Äpfel oder Äpfel mit Golfbällen verglichen werden, ist dies ein Muster ohne Wert.

Natürlich ist es boshaft, dem DGV zu unterstellen, dass hier nicht mit offenen Karten gespielt wird. Doch für dieses Misstrauen gibt es einen guten Grund. Den zweiten Punkt mit dem der DGV die Kampagne als Erfolg verkauft. Das gestiegene Image des Golfsports. Hat die Befragung die genannten Ergebnisse zu Tage gefördert? Absolut. Aber eine anonyme Quelle hat mir die komplette Studie aus dem Jahr 2016 zugespielt. Und da wird deutlich, dass die Ergebnisse sehr gezielt ausgewählt wurden, um einen möglichst positiven Eindruck zu generieren und den Mitgliedern die Kampagne als Erfolg zu verkaufen.

Die Image-Steigerung entstand als Antwort auf die sehr allgemeine Frage „Welche Meinung haben Sie über die Sportart Golf?“. Hier verbesserte sich der Mittelwert bei Nichtgolfern von 4,3 auf 4,6 (1 ist sehr negativ, 10 ist sehr positiv). Doch die Imagestudie befragte Nichtgolfer auch noch viel detaillierter. Und da wird ganz deutlich, dass die Golfglück-Kampagne überhaupt nicht gefruchtet hat – ganz im Gegenteil. Eben diese Nichtgolfer gaben folgende Antworten auf verschiedene Image-Fragen. Golf ist…

  • Unsympathisch stieg von 34% im Jahr 2013 auf 45% im Jahr 2016
  • Teuer von 55% auf 93% (!)
  • Langweilig von 42% auf 58%
  • Altmodisch von 44% auf 54%
  • Zeitaufwendig von 66% auf 81%
  • Elitär von 51% auf 70%
  • Nicht offen für Jedermann von 51/ auf 70%

Gerade mal in drei Kategorien gab es eine positive Veränderung. Bei den Fragen, ob Golf sportlich, naturverbunden und karrierefördernd ist. Nun fand die Umfrage zu einem Zeitpunkt statt als die Imagekampagne noch lief. Normalerweise würde ich mich daher mit einer Bewertung zurückhalten. Doch wenn der DGV diese Umfrage nimmt, um die Kampagne den Mitgliedern und der Öffentlichkeit als Erfolg zu verkaufen, muss es auch erlaubt sein, das Gegenteil zu tun. Denn mit dieser Studie als Grundlage lässt sich festhalten, dass die Imagekampagne das war, was nicht nur hier befürchtet wurde. Herausgeworfenes Geld.

2 Comments

  • Falk Billion sagt:

    Warum „ist es boshaft, dem DGV zu unterstellen, dass hier nicht mit offenen Karten gespielt wird“?
    Bei einem Kampagnen-Volumen von 4,93 Mio. € dürfen die ordentlichen Mitglieder des DGV (Golfclubs und Golfplatzbetreiber, die diese Kampagne zu großen Teilen mitfinanziert haben) doch einen objektiven Ergebnisbericht erwarten!
    Das Präsidium des DGV wird sich beim Verbandstag am 21.04.2018 wohl einigen unangenehmen Fragen zu den Finanzen des Verbandes zu stellen haben …

  • Thomas Lemcke sagt:

    Die kritischen Fragen werden wohl im seicht-politischen Stil umsegelt.

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