Die besten und schlechtesten Putter der PGA Tour

Ich gebe zu, dass ich ein absoluter Statistik-Junkie bin. Seitdem ich das erste Mal mit Baseball in Kontakt gekommen bin, finde ich es faszinierend, sportliche Leistungen in statistischen Kategorien aufzubrechen. Für viele geht mit Statistik der Reiz am Sport verloren, für mich gewinnt es sogar hinzu. Umso spannender fand ich daher diesen Artikel aus dem Wall Street Journal.

Wer schon einmal auf der offiziellen Seite der PGA Tour in der Statistik-Sektion rumgestöbert hat, weiß wie minutiös die Amerikaner – verglichen mit den Europäern – die Leistung der Profis aufschlüsseln (hier beispielsweise Martin Kaymer). Das Zauberwort dahinter heißt Shot Link. Seit 2003 werden von Angestellten und Freiwilligen Unmengen an Daten gesammelt, die u.a. die Statistik-Sektion der PGA Tour Seite speisen – und während der Turniere für das Shot-by-Shot-Live-Leaderboard sorgen. Was mir erst durch den WSJ-Artikel bewusst geworden ist: diese Daten sind nur die Spitze des Eisbergs.

Wie Autor John Paul Newport berichtet, gab die PGA Tour diese Daten, die bisher nie die Öffentlichkeit erreichten (im Laufe des Jahres will sie die Statistik-Kategorien auf ihrer Website erweitern), zur Forschung an verschiedene Universitäten. Jetzt gibt es erste Ergebnisse: Das hochangesehene Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat ein System entwickelt, mit dem objektiv berechnet werden kann, wie gut ein Spieler putten kann. Zwar gibt es bereits jetzt ein gutes Dutzend Statistik-Kategorien, die dies erfüllen sollen, aber diese haben alle ihre individuellen Schwächen, wie man sich ganz leicht durch das eigene Spiel vor Augen führen kann.

Die populärste Kategorie, die auch immer bei TV-Übertragungen eingeblendet wird, ist die Anzahl der Putts pro Runde. Doch habe ich wirklich besser geputtet, wenn ich auf einer Runde 28 Putts gebraucht habe, als wenn ich 35 Putts brauche? Oder ist die Anzahl der Putts nicht doch eher indikativ für etwas anderes? Angenommen ich treffe pro Runde fünf Grüns und brauche 32 Putts. Wenn ich jetzt in einer Runde jedoch fünf Mal auf dem Vorgrün statt auf dem Grün liege und von dort putte, ist dies offiziell kein Putt. Wenn ich in dieser Runde 30 Putts brauche, habe ich offiziell besser geputtet, gefühlt aber doch deutlich schlechter.

Ähnliche Probleme gibt es für jede andere Putting-Statistik auch, wie der Wall Street Journal Artikel gut belegt. Die Spezialisten von der MIT haben jetzt die Kategorie „gewonnene Putts“ entwickelt. Dazu haben die Wissenschaftler vorher ermittelt, wieviele Putts der durchschnittliche PGA Tour Spieler aus verschiedenen Entfernungen benötigt. Diese Basisdaten werden bei jedem Turnier an die Schwierigkeit der Grüns und die Stärke des Feldes (basierend auf der gesamten Anzahl an Putts pro Runde) angepasst und voilà: schon hat man eine Zahl, die angibt, wieviel Schläge besser als das Feld ein Spieler puttet.

Demzufolge sind die besten Putter auf der Tour Luke Donald, Tiger Woods und Ben Curtis. Und die schlechtesten? Diese zweifelhafte Ehre dürfen sich Ricky Barnes und Robert Gamez ans Revers heften, die pro Runde mehr als einen Schlag aufs Feld verlieren, Gamez sogar fast zwei. Und unsere deutschen Spieler? Martin Kaymer ist den Bostoner Spezialisten zu Folge mit Platz 127 (von 225) ein absolut durchschnittlicher Putter, der auf das Feld weder gewinnt noch verliert. Alex Cejka hingegen ist sogar unterdurchschnittlich. Er liegt auf Platz 179 und lässt pro Runde 0.329 Schläge auf dem Grün aufs Feld liegen.

Die spannende Frage ist nun, ob die Kategorie gewonnene Putts in Zukunft wirklich alle anderen Putting-Statistiken ablöst. Die PGA Tour ist davon überzeugt und hat bereits beschlossen, das Modell in ShotLink aufzunehmen, und auch die TV-Sender sind begeistert von dem Potential. Interessanterweise ist aber weder dem WSJ, noch CBS, noch der PGA Tour ein essentielles Problem der Statistik aufgefallen: die fehlende Vergleichbarkeit für den Amateur. Natürlich ist es in gewisser Weise interessant, während einer TV-Übertragung zu sehen, dass Martin Kaymer 0,2 Schläge besser geputtet hat als seine Gegner. Und auch für die Profis ist es sicherlich sinnvoll, um die eigenen Schwächen zu analysieren. Doch ist es für ein Turnier wirklich entscheidend, wenn jemand mit einem Schlag Vorsprung gewinnt, aber nur einen halben Schlag besser als sein Gegner geputtet hat? Und was sagt mir das als Amateurgolfer? Ich kann während des Monatsbechers nicht überprüfen, wie schwer die Grüns waren und ob ich besser oder schlechter geputtet habe als der Nettosieger in Klasse C.

Was waren bisher denn die populärsten Kategorien? Da hätten wir die Länge der Drives, den Prozentsatz der Fairwaytreffer, die Anzahl der getroffenen Grüns, die Sand Saves usw. Diese Kategorien haben allesamt eines gemeinsam: Jeder Amateur vom Anfänger bis zum Plus-Handicapper kann sie ganz einfach für sich selbst erstellen und mit früheren Leistungen oder sogar mit den großen Jungs vergleichen. Alvaro Quiros schlägt den Ball 100 Meter weiter als ich, Martin Kaymer trifft pro Runde zehn Grüns mehr, Padraig Harrington hat 40% mehr Sand Saves, etc. Diese leichte Vergleichbarkeit schafft bei jedem Golfer einen Anreiz sich zu messen und sich zu verbessern. Und dieser erschließt sich mir bei der Kategorie „gewonnene Putts“ bisher nicht. Aber als alter Statistik-Junkie werde ich sie mir natürlich trotzdem genüsslich zu Gemüte führen.

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