Fairmont St. Andrews Kittocks

Unsere Bewertung

4 Linksgolfer

Erklärung der Bewertungsskala

Wer nach St. Andrews fährt will in erster Linie eines: Linksgolf spielen. Und das ist das Problem an den beiden Fairmont-Kursen. Sie sehen vielleicht auf den ersten Blick aus wie ein Linksplatz, sie spielen sich aber nicht so. Das liegt zum Einen am weniger sandigen Untergrund, der das Gelände wesentlich schlechter entwässert als bei traditionellen Linksplätzen. Zum anderen liegt es aber auch an Designelementen, die man auf klassischen Linksplätzen nicht findet wie zum Beispiel künstliche Seen. Insofern ist der Kittocks Course des Fairmont St. Andrews eher ein Hybridplatz.

Nach einem lockeren Aufgelopp mit einem Par 5, das bei normalen Rückenwindverhältnissen realistisch mit dem zweiten Schlag erreichbar ist (selbst ich habe es bis in den Grünbunker geschafft), kommen gleich am zweiten Loch zwei Teiche auf beiden Seiten des Fairways ins Spiel. Und tatsächlich stechen sie wie ein Fremdkörper ins Auge. Glücklicherweise hat der Spieler bis zur 17 von solchen Seen Ruhe und der angenehme Teil der Runde kann beginnen. Nach einem 163 Yards kurzen Par 3 bildet die Bahn 4 das erste Highlight des Kittocks Platzes.

Bereits die Länge auf der Scorekarte flößt Ehrfurcht ein: 436 Meter von blau, 409 Meter von weiß, 387 Meter von gelb und 355 Meter von Rot. In Realität spielt es sich aber noch länger. Zwar fällt das Fairway nach unten ab und gibt so zusätzlichen Roll. Dieser Effekt tritt aber erst nach 250 Metern ein. Wer es bis dahin nicht schafft, muss stark überlegen, ob es sich lohnt, mit dem zweiten Schlag zu attackieren. Denn das Grün ist erhöht und wer es nicht mindestens 30 Meter vor das Grün schafft, muss es mit dem dritten Schlag aus einer tiefen Schlucht anspielen.

Das Signature Hole – oder zumindest für mich das schönste Loch – des Kittocks Courses ist die 7. Das von weiß 368 Meter lange Par 4 (393 von blau) spielt sich bergab und ist eine realistische Birdiechance. Es gibt nur zwei Schwierigkeiten: die gesamte linke Seite ziert eine Mauer hinter der die Nordsee beginnt. Und der Schlag in das enorme, wellige Doppelgrün, das sich die 7 mit der 10 teilt, kann die Differenz zwischen Birdie und Doppelbogey sein.

Das Gleiche gilt auch für den Schlag ins Grün der 9. Das 428/402 Meter lange Par 4 geht stark bergab (das Backtee ist sogar auf einem Extraplateau hinter einer Mauer), wodurch insbesondere die Annäherung schwierig zum Halten zu bekommen ist. Das Problem dabei: direkt hinter dem Grün wartet die Nordsee und alles, was den Ball stoppen könnte, ist eine 5cm hohe Mauer. Und die stoppt nur sehr wenig, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann.

Eine andere Mauer stoppt hingegen sehr viel. Die 11, ein 536/508 Meter langes Par 5, verläuft in einem 90 Grad Dogleg nach links. Je nachdem wie sicher man sich fühlt, kann man das Loch abkürzen, je weiter man nach links zielt. Das Problem: das Fairway liegt auf einem höher gelegenen Plateau und wird von einer 1 Meter hohen Mauer verteidigt. Sowohl visuell als auch spielstrategisch ein Vergnügen.

Mit der 15, einem anspruchsvollen Par 4, bewegt sich der Kittocks Course dann noch einmal auf die Nordsee zu. Bei Bahn 16, einem mittellangen Par 3, kommt sie zwar noch nicht ins Spiel. Hier muss man den Ball eher von der Mauer auf der linken Seite fernhalten. Aber die 17 könnte Rechtshand-Slicern zum Verhängnis werden. Das 459/407 Meter lange Par 4 gehörte ebenso wie die 18 ursprünglich zum Torrance Course, wo es das Lieblingsloch von Sam Torrance war. Jetzt muss er, um es zu spielen, auf den Kittocks Course gehen.

Man sieht gleich, warum es Torrances Liebling ist: Tourspieler lieben bekanntlich schwierige Löcher mit Hero Shots. Das ist für den Normalspieler meistens etwas anders, aber hier funktioniert es tatsächlich. Bessere Spieler können das Grün carry über eine Schlucht angreifen. Wer sich das nicht zutraut, spielt links vorbei und kann den Ball mit Hilfe einer Schräge bis kurz vor das Grün rollen lassen. Allerdings wartet zu weit links ein Teich, der dann auch noch einmal bei der unspektakulären Abschlussbahn ins Spiel kommt.

Und das ist wie auch beim Torrance Platz der Problem des Kittocks. Es gibt einfach zu viele unspektakuläre Löcher, die miteinander verschwimmen. Aber weil die näher an der Nordsee liegenden Löcher schönere Ausblicke bieten und die besten Löcher des Kittocks anspruchsvoller und intelligenter als auf dem Torrance angelegt sind, hat der Kittocks die Nase im direkten Vergleich leicht vorn.

Gespielt am: 22.4.2017

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